Filmreihe mit Filmvorführungen an jeden Montagabend.
Filmprogramm:
Garlic is as good as ten mothers (USA 1979/80)
Eats his shoe (USA 1980), R: Werner Herzog
Silver city (BRD 1968), R: Wim Wenders
Straight and narrow (USA 1970), R: Tony und Beverly Conrad
Adolf Winkelmann (BRD 1967), R: Adolf Winkelmann
Von Rosa von Praunheim (BRD1967), R: Rosa von Praunheim
The great stagecoat robbery (BRD 1981)
Organisiert von: Unternehmen von der Hand in den Mund – Hannelore Kober, Jonnie Döbele.
Sicherlich hat jeder schon einmal alte chinesische oder japanische Bilder betrachtet. Form, Inhalt und Perspektive unterscheiden sich deutlich von westlicher Kunst. Warum wurde in der ostasiatischen Malerei über Jahrtausende farbig gemalt, dann aber ab dem 10. Jhd. n.Chr. vorwiegend in Schwarzweiß? Warum wurde in der chinesischen Malerei nicht gezeichnet? Was ist eigentlich Wabi-Sabi? Was ist Yohaku-no-bi (Die Schönheit des übrig gebliebenen Weiß)? Ukiyo-e galt in Japan überhaupt nicht als Kunst, bis erst Van Goghs Interesse zu einer weltweiten Aufwertung ihres Ansehens führte. Welche Verbindung bestand zwischen dem Zen-Buddhismus und der Kunst von damals und heute?
In dieser Veranstaltungsreihe begeben wir uns auf eine ästhetisch-philosophische Reise durch Japan und China – mit Tee, Filmkunst und Denkfiguren als Wegbegleitern. Jeder Termin widmet sich einer Teesorte, einem Film oder einem Text sowie einem ästhetischen Thema. Die Inhalte vertiefen wir durch praktische Übungen wie Shodō-Kalligrafie, Tuschemalerei oder Taiji-Bewegungen.
Beim ersten Termin schauen wir den Film „Sanma no Aji / An Autumn Afternoon“ von Ozu Yasujirō (1962) und trinken dazu Hōjicha.
Ort: Künstlerhaus Stuttgart 3. OG
Dauer: Film (113 Min.) + Diskussion
Literaturempfehlung:
Spiritual Style in the Films of Robert Bresson – Susan Sontag
Eine Veranstaltung der Stipendiatin Einan Kaku.
Anmeldung per E-Mail an mail@einankaku.com
Der Projekt wurde durch Rainer Beck Stiftung gefördert.
Liebe Mitglieder, liebe Freund*innen des Künstlerhaus Stuttgart,
zum nächsten HAUSTREFF* laden wir Euch/Sie herzlich zu einem weiteren Mitgliedergespräch ein.
21. Oktober 2026, 19 Uhr
Künstlerhaus Stuttgart, 2. OG
Im ersten Teil unseres Gesprächs ging es zunächst um mögliche Verhältnisse zwischen Kunst, Handwerk und Kunsthandwerk.
Weitere Themen waren:
die Rolle von Ausbildung und Studium beim Erlernen handwerklich-künstlerischer Techniken und Positionen,
Material- und Prozesswissen und die Frage, worin ein „künstlerisches Handwerk“ bestehen kann,
Perfektionismus, Fehlerkultur und Innovation in künstlerischen Prozessen.
Im zweiten Teil setzen wir das Gespräch mit zwei weiteren künstlerischen Positionen fort:
Einan Kaku, derzeit Atelierstipendiatin im Künstlerhaus, und Anna Jacobi, Mitarbeiterin in der Kinderwerkstatt des Künstlerhauses, geben Einblicke in ihre künstlerischen Ansätze und Arbeitsweisen.
Ihre unterschiedlichen Perspektiven bieten Anlass, das begonnene Gespräch weiterzuführen und weitere Aspekte des Verhältnisses von Kunst, Handwerk, Material und künstlerischer Praxis zu entdecken.
Wir freuen uns auf das Gespräch!
* Der HAUSTREFF ist ein Format des Beirats und lädt alle Mitglieder zu Gesprächen über Fragen des Kunstmachens ein. Über interessierte Mitwirkende und Mitdenkende sowie über Themenvorschläge und -wünsche freuen wir uns jederzeit sehr.
Translators often speak about the impossibility of their work, the untranslatability of particular words and texts from one language to another. What does it mean to be a translated self, I wondered?”
-Madhu H. Kaza in the introduction of Kitchen Table Translation
TRANSLATION // PERFORMANCE nimmt Übersetzung im weiteren Sinn als Ausgangspunkt, um einen Raum zu öffnen für eine kontinuierliche gemeinsame Auseinandersetzung mit Performance und mit Experimenten in Sprache, Choreographie und anderen zeit- und sprachbasierten Praktiken.
Zu Beginn lesen wir gemeinsam einen Text, das könnte ein experimenteller, lyrischer, künstlerischer oder theoretische Text sein. Zu jedem Treffen werden zwei Künstler:innen eingeladen aus ihrer performativen oder zeitbasierten Praxis zu teilen. Dies können fertige Arbeiten oder Ideen im Prozess sein. Im Vordergrund steht der Austausch, das Experiment, und die Gegenüberstellung von Text und Performance. Nach den Performances gibt es ein Gespräch, in dem es um Fragen, Gedanken und Verbindungen zu den Performances und dem Text geht.
Als regelmäßiges Format lädt es dazu ein, den Zusammenhang zwischen Übersetzung und Performance aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu untersuchen.
Performerinnen 18. Oktober:
Seonha Park „Mete-Lança“
Hanna Araujo Ulmer „산 (SAN) – Follow The Mountain“
TRANSLATION // PERFORMANCE findet ungefähr alle zwei Monate statt.
Alle sind herzlich willkommen zur dritten Session am 18. Oktober um 17 Uhr auf der Atelier-Etage im 3. Stock.
Wann wird aus dem Menschen ein Monster – und wann wird aus dem Monster ein Mensch?
In ihrer aktuellen künstlerischen Recherche beschäftigt sich Gala Adam mit Masken, Monstern und Metamorphosen. Ausgehend von der Frage, wie wir das Eigene und das Fremde erkennen und voneinander unterscheiden, untersucht sie Gesichter, Körperfragmente und hybride Gestalten zwischen Mensch und Tier.
Unter dem Titel STUDIOLO VIII / animal ferum, homo – wild animal, human – versammelt Adam Arbeiten und Recherchematerialien, die während ihres Aufenthalts an der Cité internationale des arts in Paris entstanden sind. Masken und Gesichter treffen auf Wasser und Spiegelungen; transparente und reflektierende Oberflächen werden zu Bildräumen, in denen sich Identität vervielfacht, verschiebt und entzieht.
Die Maske verbirgt und offenbart zugleich. Sie kann schützen, verwandeln und eine andere Rolle annehmen lassen. Das Monster wiederum markiert eine Grenze: zwischen Mensch und Tier, Schönheit und Abweichung, Vertrautem und Fremdem. In der Metamorphose wird diese Grenze beweglich.
Das Wasser bildet dabei eine besondere Form des Spiegels. Es zeigt kein festes Bild, sondern ein bewegtes, verzerrtes und immer wieder neu entstehendes. Zwischen Spiegelung und Auflösung stellt sich die Frage nach dem eigenen Bild und nach den Blicken, durch die Identität entsteht.
Die Präsentation gibt Einblicke in einen offenen Arbeitsprozess zwischen Malerei, Zeichnung, Objekt und Installation und führt von den Masken und Monstern über Wasser und Spiegelung bis zur Frage nach Verwandlung und Katharsis.
Gala Adam spricht über die Entstehung der Arbeiten, ihre Recherche in Paris und die Denk- und Arbeitsprozesse hinter STUDIOLO. Im Anschluss sind alle Interessierten zum Gespräch und Austausch eingeladen.
2026 wurde von den Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr der Weideländer und Hirtenkulturen ausgerufen, um die heutigen Herausforderungen von Schäferinnen und Schäfern weltweit in den Fokus zu rücken. Im Rahmen von Shepherdology – eine Atmosphäre von INLAND und Fernando García-Dory über die Verbindungen von Hirtenkultur und Kunst – präsentiert das Künstlerhaus Stuttgart den neuen Dokumentarfilm die WOLLE der MENSCH das SCHAF (2026) gemeinsam mit dem Filmemacher Walter Aigner.
Der Film fokussiert sich auf ein Paradox: Während wir über Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft sprechen, wird mehr als die Hälfte unserer Wolle – einer der natürlichsten und vielseitigsten Rohstoffe – weggeworfen oder verbrannt.
die WOLLE der MENSCH das SCHAF begleitet zwei traditionelle Schäfer in Transsilvanien durch ein ganzes Jahr. Ihr Alltag bildet den erzählerischen roten Faden, der 14 Interviews aus 11 Ländern miteinander verbindet. Schäfer*innen, Wissenschaftler*innen, Designer*innen, Handwerker*innen, Textilunternehmen und Marken erklären, wie aus einem wertvollen Material Abfall wurde, und zeigen, welches Potenzial noch immer in ihm steckt.
Schafe erhalten unsere Kulturlandschaften, fördern die Artenvielfalt und helfen, Erosion und Brände zu verhindern. Dennoch werden diese unverzichtbaren Leistungen kaum anerkannt, und viele Schäfer*innen kämpfen ums Überleben. Der Film zeigt, dass es keine wertlose Wolle gibt. Was fehlt, sind Wissen, Infrastruktur und regionale Wertschöpfungsketten. Wolle wieder wertzuschätzen bedeutet, nicht nur einen Rohstoff zu bewahren, sondern auch Landschaften, Schafrassen, Handwerk, Kulturen und eine nachhaltigere Form des Zusammenlebens mit der Natur.
Im Anschluss an das Screening findet ein Podiumsgespräch mit dem Filmemacher, einem Schäfer/einer Schäferin aus dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb sowie den Kurator*innen statt.
Eintritt frei!
Mehr über den Filmemacher, Walter Aigner finden Sie hier.
13:00–18:00 Uhr
In diesem Workshop entstehen großformatige Holzschnitte mit der Kettensäge als künstlerischem Werkzeug. Die Teilnehmenden entwickeln Motive direkt im Holz und erarbeiten ausdrucksstarke Druckstöcke in großem Format. Anschließend werden die Platten von Hand eingefärbt und ohne Druckpresse auf Papier übertragen. Der Kurs vermittelt Grundlagen des Holzschnitts, den sicheren Umgang mit der Kettensäge sowie experimentelle Techniken des manuellen Druckens. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich; Neugier auf großformatiges Arbeiten und praktische Gestaltung stehen im Mittelpunkt. Den Workshop findet im 4. Stock des Künstlerhauses Stuttgart statt.
Mitbringen: Arbeitskleidung zum Drucken, Schutzkleidung (Handschuhe, Schutzbrille, Hose), Werkzeug Holzschnitt, Holzhammer
Die Plätze sind begrenzt. Anmeldung zu den Workshop bitte bis zum 20. September 2026 über Eventbrite. (Update: Wir bedanken uns herzlich für das große Interesse und die zahlreichen Anmeldungen! Die Veranstaltung ist inzwischen vollständig ausgebucht. Falls Sie noch teilnehmen möchten, schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an ll@kuenstlerhaus.de, um auf die Warteliste gesetzt zu werden. Wir melden uns bei Ihnen, sobald ein Platz frei wird.)
Das Künstlerhaus HAUS ORKESTRA startet wieder am 17. September 2026!
Das HAUS ORKESTRA lädt Sänger*innen und Musiker*innen mit musikalischer Vorerfahrung ein – von engagierten Amateur*innen bis hin zu professionellen Musiker*innen, die Lust haben, gemeinsam zu singen und zu spielen. Im Mittelpunkt stehen mehrstimmiger Gesang mit instrumentaler Begleitung, Volkslieder aus aller Welt sowie gelegentlich bekannte Popstücke. Jede Session wird von Natia Dikhtyar mit viel Leidenschaft, Spielfreude und musikalischer Neugier geleitet. Ziel ist es, neue Lieder und musikalische Stücke auf eine freudvolle, gemeinschaftliche Weise zu erlernen.
Jede Probe beginnt mit stimmlichen Aufwärmübungen, dem Erlernen neuer Songs und Gesangstechniken. Mit wachsendem Repertoire werden die ausgewählten Stücke weiter vertieft und geprobt. Ein besonderer Fokus liegt auf der vokalen Technik: verschiedene Stimmen miteinander zu verbinden, zu grooven, sich zu bewegen – und schließlich im Unisono aufzugehen, als eine gemeinsame, klingende Einheit.
Ab 17. September 2026 treffen wir uns alle zwei Wochen donnerstags von 19:30 bis 21:00 Uhr. Die Proben finden in der Galerie im 2. Stock des Künstlerhauses Stuttgart statt – ein außergewöhnlicher Ort und ein besonderes Erlebnis für Musikliebhaber:innen. Zweimal im Jahr – im Sommer und im Winter – finden öffentliche Konzerte statt.
Wir laden alle mit grundlegender bis fortgeschrittener musikalischer Erfahrung ein, gemeinsam den Groove und Rhythmus des gemeinsamen Musizierens im Galerieraum zu genießen.
- Teilnahmebeitrag: 5–10 Euro pro Abend (Freiwilliger Beitrag)
- ab 17. September 2026 zweiwöchentlich donnerstags, 19:30 – 21 Uhr, 2. OG
- Fragen gerne per E-Mail an natiajazz@gmail.com
Über die Leiterin des Orkestras:
Natia Dikhtyar, eine Georgien stammende Sängerin und Jazzmusikerin, komponiert und spielt eine Musik in einer Mischung aus Jazz-Rock-Latin-Fusion Grooves mit georgischen folkloristische Elementen und Poesie. Sie ist tätig als Pädagogin für Gesang und Klavier und leitet Chöre und Vokal Ensembles mit internationalem background. Für das Haus Orkestra wird sie uns den Gesang Georgiens nahebringen aber gerne auch anderes anleiten falls erwünscht und es sich ergibt.
Die bildende Künstlerin und Musikerin Eva Dörr beleuchtet jene Momente, in denen eine persönliche Empfehlung das eigene Musikverständnis nachhaltig verändern. In dieser Listening Session werden Hörproben vorgestellt, die Freund*innen mit ihr teilten. Sounds, Stücke, Stile, und Künstler*innen bleiben untrennbar mit dem Moment und der Person verbunden, die sie weitergab. Ob Ausschnitt, Live-Moment, Aufnahme, Aufführung, Objekt, Improvisation, Atmosphäre, Überlieferung, Song, Album, Künstler*in, Kosmos – das Format soll hierbei weniger im Vordergrund stehen als vielmehr das, was losgetreten wurde.
Begrenzte Plätze im Tonstudio bitte Anmeldung unter audio@kuenstlerhaus.de
Listening Session
Das ist der zehnte Termin der Veranstaltungsreihe “Listening Sessions” im Tonstudio des Künstlerhauses. Dazu werden Künstler*innen eingeladen, ihre Musik mitzubringen, die sie inspiriert, prägt und begleitet. Gemeinsam werden diese im Tonstudio angehört. Die regelmäßig stattfindende Reihe bietet Raum, um sich über klangliche Einflüsse und persönliche Verbindungen zur Musik auszutauschen. Konzipiert wurde diese Veranstaltungsreihe von Lena Meinhardt, Künstlerin und Leiterin der Audiowerkstatt des Künstlerhauses.
Die Schriftzeichen des Ostens – Hanzi(Chinesisch)/Kanji (Japanisch) sind keine Zeichen, sondern Bilder. In der alten chinesischen Malerei heißt es: Schrift und Malerei sind ein Ursprung – und so wird jedes Schreiben ein Malen. Sie atmen, sie stehen, sie blühten wie Blumen, jeder Strich ein Ausdruck. Aufbauend zum letzten Workshop, probieren wir eine andere Körperhaltung des Übens aus. Dieses Mal werden wir mit großen Pinseln und Papier im Großformat arbeiten – wir können zum Beispiel einen Wischmopp oder unsere eigenen Hände und Füße als Pinsel definieren und die Wand oder den Boden als Leinwand.
Wer beim letzten Workshop nicht dabei war, kann trotzdem problemlos mitmachen – man kann jederzeit von vorne beginnen.
Eine Veranstaltung der Stipendiatin Einan Kaku.
Anmeldung per E-Mail an mail@einankaku.com.
Die Teilnehmer*innenzahl ist auf maximal 8 Personen begrenzt.
Zum Abschluss der Pop-up Glaswerkstatt präsentieren die Werkstattnutzer*innen die während der Projektlaufzeit entstandenen Arbeiten. Die Präsentation bietet Einblicke in unterschiedliche künstlerische Ansätze, Techniken und Experimente im Medium Glas. In informeller Atmosphäre können die Ergebnisse betrachtet und Gespräche über Prozesse, Erfahrungen und zukünftige Projekte geführt werden. Der Abend lädt aufzerdem dazu ein, über die Zukunft der Glaswerkstatt im Künstlerhaus Stuttgart ins Gespräch zu kommen.
Zu Gast ist außerdem Angelika Müller-Ottenbreit, die ehemalige Leiterin der historischen Glaswerkstatt im Künstlerhaus Stuttgart. Sie erzählt uns, wann und wie die Glaswerkstatt im Künstlerhaus entstanden ist, welche Rolle sie dort spielte, warum sie geschlossen wurde und welche Perspektiven sich heute für eine Neuauflage eröffnen.
Die Veranstaltung findet im Rahmen der Pop-up Glaswerkstatt mit Thora Gerstner im Künstlerhaus Stuttgart statt.
Dienstags-Werkstatt
Mit der Dienstags-Werkstatt lädt das Künstlerhaus Künstler*innen oder Kollektive ein, über ihre Arbeitsweisen, Hintergründe und Vorgehensweisen zu sprechen. Wir wollen eine Plattform etablieren, in der sich intensiver zur künstlerischen Praxis ausgetauscht wird und uns so vernetzen, solidarisieren und gegenseitig stärken. Die Reihe richtet sich an alle Mitglieder des Künstlerhaus Stuttgart, an Künstler*innen aus Stuttgart und Umgebung, oder auf der Durchreise, an alle Kunstvermittler*innen, Kurator*innen, Kulturschaffende usw. und ist offen für alle!
Aufgrund unserer Sommerpause und urlaubsbedingter Abwesenheiten ist unser Büro vom 17. bis 30. August nur eingeschränkt geöffnet.
In diesem Zeitraum erreichen Sie uns zu folgenden Zeiten:
Dienstag und Donnerstag
10:00–17:00 Uhr
Ab dem 31. August sind wir wieder zu den regulären Öffnungszeiten für Sie da.
Wir wünschen Ihnen eine schöne Sommerzeit!
Wie wird Glas zum Bildträger, Spiegel, Lichtkörper oder räumlichen Eingriff? Die Künstlerin Claudia Henzler spricht über ihre Arbeit mit einem Material, das gleichermaßen fragil, präzise und überraschend vielseitig ist. Ausgehend von eigenen Projekten und ihrer langjährigen Tätigkeit als Leiterin der Glaswerkstatt der ABK Stuttgart gibt sie Einblicke in künstlerische Prozesse, technische Möglichkeiten und die besondere Rolle von künstlerischen Werkstätten als Orte des Experimentieren und Wissensaustauschs.
Die Veranstaltung findet im Rahmen der Pop-up Glaswerkstatt mit Thora Gerstner im Künstlerhaus Stuttgart statt.
Dienstags-Werkstatt
Mit der Dienstags-Werkstatt lädt das Künstlerhaus Künstler*innen oder Kollektive ein, über ihre Arbeitsweisen, Hintergründe und Vorgehensweisen zu sprechen. Wir wollen eine Plattform etablieren, in der sich intensiver zur künstlerischen Praxis ausgetauscht wird und uns so vernetzen, solidarisieren und gegenseitig stärken. Die Reihe richtet sich an alle Mitglieder des Künstlerhaus Stuttgart, an Künstler*innen aus Stuttgart und Umgebung, oder auf der Durchreise, an alle Kunstvermittler*innen, Kurator*innen, Kulturschaffende usw. und ist offen für alle!
Ann-Kathrin Müller & Judith Engel:
„STUTTGART,“
Die Künstlerin Ann-Kathrin Müller und die Autorin Judith Engel beschäftigen sich in Kooperation mit dem Künstlerhaus Stuttgart seit 2023 mit der künstlerischen Erforschung und Vermittlung der Geschichte des ehemaligen Displaced-Persons-Centers in Stuttgart West. Dort waren zwischen 1945 und 1949 zeitweise über tausend polnisch-jüdische Displaced Persons untergebracht, die überwiegend aus dem polnischen Radom stammten, den Churbn (jiddisch für „nationalsozialistischer Genozid“) überlebt hatten, aber wegen erstarkender antisemitischer Gewalt nicht nach Polen zurückkehren konnten. Bereits 2019 hatte Ann-Kathrin Müller mit der Recherche zur ortsspezifischen Geschichte begonnen, aus der sich die Reihe „STUTTGART,“ entwickelte: Die Summer School „STUTTGART, Reinsburgerstrasse¹“ setzte sich 2024 anhand eines Walks, Workshops, Vorträgen, Screenings, einer künstlerischen Publikation und einem Archivfenster mit Widerstand der Center-Bewohnenden auseinander und untersuchte sie auf ihre gegenwärtigen Bezüge. 2025 konnten Müller und Engel im Austausch mit der Koordinierungsstelle für Erinnerungskultur die offizielle Benennung des Shmuel-Dancyger-Platzes erwirken. Die Platzbenennung fand am 17. September 2025 statt, wurde von Ann-Kathrin Müller und Judith Engel kuratiert, moderiert und durch einen künstlerischen Beitrag ergänzt. Außerdem kontextualisierte die begleitende Summer School „STUTTGART, Shmuel-Dancyger-Platz²“ den Akt der Platzbenennung. Das Projekt „STUTTGART, 1946³“ (2026) stellt daran anschließend die Frage, wie ein Gedenken aussehen kann, nachdem sich institutionalisierte Erinnerungsformate wie der nach Shmuel Dancyger benannte Platz und die überarbeitete Erinnerungsstele etabliert haben.
Weitere Informationen zur Programmreihe „STUTTGART,“ finden Sie hier.
Wie Kultur in der Gesellschaft wirkt
Das Programm „Wirkt! Kultur in Gesellschaft“ zeigt: Kunst und Kultur sind ein Motor für Zusammenhalt und Demokratie. Was das in der Praxis heißt? Das Zentrum für Kulturelle Teilhabe Baden-Württemberg (ZfKT) präsentiert 67 Beispiele, in denen es konkret wird – durchgeführt von großen Häusern in den Metropolen und auch von Kulturvereinen vor Ort.
In Kunst und Kultur zu investieren, lohnt sich für alle: Das ist die zentrale Botschaft des Programms „Wirkt! Kultur in Gesellschaft“. Das ZfKT hat das Programm ins Leben gerufen, um der Bedeutung von Kultureller Teilhabe für die Gesellschaft im Südwesten mehr Sichtbarkeit zu verleihen.
Dr. Birte Werner, Leiterin des ZfKT, erklärt die Absicht hinter „Wirkt! Kultur in Gesellschaft“: „Von der exzellenten Arbeit im ganzen Land wissen oft zu wenige, dabei sind überall inspirierende Beispiele zu finden! Exzellente Arbeiten, die zeigen: Genau so, genau mit solchen Akteur*innen und genau solchen Projekten halten wir unsere Gesellschaft zusammen, erzählen unsere Geschichten, gestalten unser Miteinander, entwickeln uns gemeinsam weiter.“
Auf die Ausschreibung im Januar 2026 gab es fast 100 Einreichungen, unter denen eine Fachjury 67 für die Longlist auswählte. Nun folgt über den Sommer und Herbst eine Sichtbarkeitskampagne in den sozialen Medien. Die Einreichungen zeigen anschaulich die ungeheure Bandbreite, wie die Menschen im Land Kunst und Kultur (mit-)gestalten und von ihr konkret profitieren können. Bei fast allen Beispielen zeigt sich: Teilhabe funktioniert dort besonders gut, wo sich Häuser öffnen, wo Menschen Programme mitgestalten können, wo Kultur in den Händen der Gemeinschaft liegt.
Weitere Informationen zu „WIRKT!“ und der Longlist finden Sie hier.
Mit der Pop-up Glaswerkstatt entsteht im 4. Stock im Künstlerhaus Stuttgart ein temporärer Arbeits- und Experimentierraum für zeitgenössische Glaskunst. Unter der Leitung der Künstlerin Thora Gerstner können Künstler*innen, Designer*innen, Architekt*innen und Interessierte verschiedene Techniken der Glasbearbeitung kennenlernen und für eigene Projekte nutzen.
Neben Workshops zu Tiffanytechnik, Bleiverglasung, Oberflächenveredelung und Glasmosaik bietet die Werkstatt die Möglichkeit, nach einer Einführung selbstständig zu arbeiten. Die Pop-up Glaswerkstatt versteht sich als Ort des Austauschs, der Wissensvermittlung und der gemeinschaftlichen Produktion – und als Impuls für den Aufbau einer dauerhaft zugänglichen Glaswerkstatt für Künstler*innen in Stuttgart.
Teilnahme & Nutzung:
Die Nutzung der Pop-up Glaswerkstatt beginnt mit einer kostenpflichtigen Einführung durch die Werkstattleiterin Thora Gerstner. Neben Einsteigerkursen zu spezifischen Techniken ist für Erfahrene Glaskünstler*innen auch eine Kurzeinführung möglich.
Nach erfolgreicher Kursteilnahme oder Werkstatteinführung können die Werkstatt und die vorhandenen Geräte während der offenen Werkstattzeiten, montags bis samstags zwischen 9 und 17 Uhr, selbstständig genutzt werden.
Für die eigenständige Arbeit fällt eine Tagespauschale von 12 € pro Nutzungstag an. Materialkosten werden gegebenenfalls gesondert berechnet. Bitte melden Sie sich für die Kurse über Eventbrite sowie für die eigenständige Werkstattnutzung per E-Mail über glaswerkstatt@kuenstlerhaus.de an.
Für die Nutzung der Werkstatt ist zudem eine Mitgliedschaft im Künstlerhaus Stuttgart erforderlich. Die Mitgliedschaft kostet für Künstler*innen 25 € pro Jahr und kann über das Formular auf der Webseite des Künstlerhauses abgeschlossen werden.
Programmübersicht:
Eröffnung
Mit Live-Demonstration von Thora Gerstner
31. Juli 2026, 19:00 Uhr
Dienstags-Werkstatt LV:
Künstlerinnengespräch mit Claudia Heinzler,
Leiterin der Glaswerkstatt der ABK Stuttgart
11. August 2026, 19:00 Uhr
Dienstags-Werkstatt LVI:
Abschlusspräsentation der Werkstattnutzer*innen
8. September 2026, 19:00 Uhr
Kursübersicht:
Kurs 1: Tiffanytechnik
3. & 4. August 2026
3. August: 14:30–19:30 Uhr & 4. August: 10:00–16:00 Uhr
Kosten: 120 Euro pro Person
Leichtigkeit, Detailverliebtheit und die Faszination des Dreidimensionalen.
Das Schneiden und Schleifen von Glas dient als Grundlage für die Weiterverarbeitung. Jedes einzelne Glasstück wird an den Kanten präzise mit einer selbstklebenden Kupferfolie umwickelt. Danach werden die Teile lückenlos aneinandergefügt und gänzlich miteinander verlötet.
Da die Kupferfolie extrem dünn ist, erlaubt diese Technik filigrane, organische und sehr kleinteilige Motive. Es kann auch dreidimensional gearbeitet werden.
Anmeldung über Eventbrite.
Kurs 2: Oberflächenveredelung
10. & 11. August 2026
je 10:00–16:00 Uhr
Kosten: 120 Euro pro Person
Reflexion, Licht und Struktur.
In diesem Kurs bleibt das Glas in seiner Grundform meist ganz, wird aber chemisch und mechanisch verändert:
- Verspiegelung: Chemische Beschichtung von Glasflächen, um spiegelnde Effekte zu erzeugen.
- Folierung: Aufbringen von Spezialfolien (z. B. Dichroitische Folien, Opak- oder Farbfolien).
- Gravur: Mechanisches Abtragen der Glasoberfläche mittels Diamantschleifstiften (Dremel) oder Sandstrahlen für matte Texturen.
Es können Schriftzüge, feine Illustrationen oder abstrakte Muster in das Glas graviert oder gestrahlt werden. Durch die Kombination mit Verspiegelung oder Folierung entstehen faszinierende Tiefenwirkungen, Wechselspiele aus Transparenz und Reflexion.
Anmeldung über Eventbrite.
Kurs 3: Bleiverglasung
17. & 18. August 2026
je 10:00–16:00 Uhr
Kosten: 120 Euro pro Person
Grafisches Potenzial
Teilnehmende lernen das Zuschneiden und Brechen von farbigem Flachglas. Die Besonderheiten dieses Kurses sind das Zuschneiden, Biegen und Richten von Bleiruten, das Zusammensetzen der Glasstücke im Bleinetz und das abschließende Verlöten der Kreuzpunkte mit dem Lötkolben sowie das optionale Verkitten zur Stabilisierung.
Hier wird in klaren, eher grafischen oder geometrischen Strukturen gedacht. Die Bleirute ist nicht nur Mittel zum Zweck, sondern ein dominantes, gestalterisches Element: als Konturlinie, grafisches Binnen-Element oder harte Kante.
Anmeldung über Eventbrite.
Kurs 4: Glasmosaik
24. & 25. August 2026
je 10:00–16:00 Uhr
Kosten: 120 Euro pro Person
Spielerisches Upcycling
Hier steht nicht nur das präzise Schneiden im Vordergrund, sondern das Brechen und Zerkleinern von bunten Glasresten wie Echtantikglas, Ornamentglas oder auch simples Floatglas mit Mosaikzangen. Die Splitter und Elemente werden auf einem Trägermedium aufgeklebt und addiert.
Der Kurs bietet die geringste Einstiegshürde mit maximaler kreativer Freiheit. Die Teilnehmenden können komplett frei, malerisch oder nach Schablonen arbeiten. Da nicht gelötet werden muss, eignet sich diese Technik auch für Kinder.
Anmeldung über Eventbrite.
Allgemeine Werkstatteinführung
Termin nach Vereinbarung
Dauer: 1,5 Stunden
Kosten: 25 Euro pro Person
Werkstatt kennenlernen und eigenständig arbeiten.
Die Werkstatteinführung richtet sich an Personen mit Vorerfahrung in der Glasbearbeitung oder in verwandten Werkstattbereichen. Sie vermittelt die spezifischen Arbeitsabläufe, Sicherheitsstandards, Nutzungsregeln sowie den Umgang mit den im Künstlerhaus verfügbaren Werkzeugen und Maschinen. Die Teilnehmenden erhalten einen Überblick über die vorhandenen Arbeitsmöglichkeiten und können Fragen zu eigenen Projekten klären. Die Einführung ist Voraussetzung für die anschließende selbstständige Nutzung der Pop-up-Glaswerkstatt während der offenen Werkstattzeiten.
Anmeldung bitte per E-Mail an glaswerkstatt@kuenstlerhaus.de.
Eine Veranstaltungsreihe des Künstlerhaus Stuttgart in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Thora Gerstner realisiert mit freundlicher Unterstützung der Stadt Stuttgart.
Werkstattleitung: Thora Gerstner
Projektleitung: Juliane Gebhardt
Projektassistenz: Christine Klik
Gestaltung: Maryna Zevako
Im Rahmen unseres CSD-Programms laden wir zu einem gemeinsamen Filmabend ins Künstlerhaus ein. Gezeigt wird Teaches of Peaches, die gefeierte Dokumentation über die Musikerin, Performerin und Ikone Peaches. Der Film begleitet sie auf ihrer Jubiläumstour und zeichnet ihren Weg als Künstlerin nach, die mit radikaler Selbstbestimmung, feministischer Haltung und queerer Sichtbarkeit Generationen geprägt hat.
Im Anschluss an das Screening spricht die Künstler*in Lena Meinhardt(she/ her) mit der queeren Aktivist*in Ida Liliom (she/ they) über die Themen des Films, über queeren Aktivismus, Sichtbarkeit und die Bedeutung von Gemeinschaft; sowie Riots, Punk und warum queere Proteste nicht gefällig sein müssen. Dabei möchten wir ausdrücklich auch das Publikum in das Gespräch einbeziehen und Raum für Austausch, Fragen und Diskussion schaffen.
Die Veranstaltung ist Teil unseres CSD-Programms und soll als gemeinsame Einstimmung auf den Christopher Street Day dienen, der in derselben Woche am Samstag stattfindet. In einer Zeit, in der queere Rechte weiterhin verteidigt und erkämpft werden müssen, möchten wir zusammenkommen, voneinander lernen und uns für die kommenden Tage vernetzen.
Über die Initiative
Auch in diesem Jahr sind die Akademie Schloss Solitude, das Künstlerhaus Stuttgart, der Kunstverein Wagenhalle, das Theater RAMPE und der Württembergische Kunstverein gemeinsam auf dem Stuttgarter CSD vertreten, um als Kulturinstitutionen für queere Rechte, Solidarität und gesellschaftliche Vielfalt einzustehen. Erstmals schließen sich zudem das Kulturzentrum Merlin und der Kunstraum 34 der Initiative an.
Wie bereits im vergangenen Jahr organisieren wir ein gemeinsames Rahmenprogramm mit Veranstaltungen, Gesprächsformaten sowie offenen Bastel- und Siebdruckangeboten zur Vorbereitung auf die Parade.
Die CSD-Demonstration findet am 25. Juli 2026 statt.
Wenn ihr mit uns auf die Straße gehen möchtet oder Fragen zur Initiative habt, schreibt uns gerne an: csd@kuenstlerhaus.de
Wir freuen uns auf euch!
Wir freuen uns sehr, dass Thomas Neumann seit Januar die Leitung der Hochdruckwerkstatt im Künstlerhaus Stuttgart übernommen hat. Nachdem die Werkstatt seit 2022 unbesetzt war, hat er in den vergangenen Monaten die Druckmaschinen wieder in Gang gesetzt, den umfangreichen Bestand an Blei- und Holzschriften geprüft, geordnet und erweitert.
Die Hochdruckwerkstatt lädt dazu ein, in die traditionsreiche Welt des Buchdrucks einzutauchen: mit beweglichen Lettern, Linol- und Holzschnitt – Drucktechniken, die seit Jahrhunderten angewendet und weiterentwickelt werden. Zur Ausstattung gehören unter anderem eine Korrex-Druckpresse im Format A2+, ein Bostontiegel im Format A4 und eine Abziehpresse im Format A3.
Nach einer kostenpflichtigen Einführung durch die Werkstattleitung können Mitglieder des Künstlerhauses die Werkstatt selbstständig nutzen. Die Nutzungsgebühr beträgt 12 Euro pro Tag.
Darüber hinaus bietet Thomas Neumann regelmäßig Kurse an – neben Einführungskursen auch zur Verbindung von Hochdruck und Fotografie bis hin zu Mokuhanga, dem japanischen Hochdruck ohne Presse.
Weitere Informationen zur Werkstatt, zur Einführung und zu den aktuellen Kursen findet ihr hier.
Kurse können per E-Mail an hochdruck@kuenstlerhaus.de gebucht werden.
Wir freuen uns sehr, dass die Hochdruckwerkstatt wieder geöffnet ist, und heißen Thomas herzlich im Künstlerhaus willkommen!
Sparkassen, Fertighäuser, Einkaufszentren – Karla Zipfels Arbeiten befragen die gebauten Wohlstandsversprechen der vergangenen Jahrzehnte und deren zahlreiche Modernisierungen. Dabei geht es um: Kollektive und individuelle Gestaltungsmuster von Einfamilienhäusern, das Narrativ des Bausparfuchses, die emotionale Qualität verschiedener Heizarten oder die kreative Ansprache potentieller Vermieter:innen. Neben Skulpturen und Installationen nutzt Karla Zipfel auch die Sozialen Medien für die Veröffentlichung von Kurzvideos, in denen Gebäude und Orte außerhalb des Architekturkanons in den Fokus rücken.
In einem Künstlerinnengespräch stellt sie Arbeiten der letzten Jahre vor und nimmt uns mit auf eine virtuelle Exkursion durch ihren Reels Tab.
Mehr über die Künstlerin Karla Zipfel erfahren Sie hier.
Dienstags-Werkstatt
Mit der Dienstags-Werkstatt lädt das Künstlerhaus Künstler*innen oder Kollektive ein, über ihre Arbeitsweisen, Hintergründe und Vorgehensweisen zu sprechen. Wir wollen eine Plattform etablieren, in der sich intensiver zur künstlerischen Praxis ausgetauscht wird und uns so vernetzen, solidarisieren und gegenseitig stärken. Die Reihe richtet sich an alle Mitglieder des Künstlerhaus Stuttgart, an Künstler*innen aus Stuttgart und Umgebung, oder auf der Durchreise, an alle Kunstvermittler*innen, Kurator*innen, Kulturschaffende usw. und ist offen für alle!
„Translation in a global world is not only literary but also profoundly performative, embedded in how ideas and gestures, sounds and voices transform and move.“ -Avishek Ganguly and Kélina Gotman in the introduction of Performance and Translation in a Global Age
TRANSLATION // PERFORMANCE nimmt Übersetzung im weiteren Sinne als Ausgangspunkt, um einen Raum zu öffnen für eine kontinuierliche gemeinsame Auseinandersetzung mit Sprache und mit Experimenten in Performance, Lyrik, Choreographie und anderen zeit- und sprachbasierten Praktiken.
Als regelmäßiges Format lädt es dazu ein, den Zusammenhang zwischen Übersetzung und Performance aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu untersuchen.
Das zweite Treffen dreht sich um die Stimme, um die materiellen Vorraussetzungen für Klang.
Performer*innen:
Laïs Gruau mit “Birth Through Spit”
Almar Martinez Londono mit “Flotando”
Jedes Treffen wird mit dem gemeinsamen Lesen eines Textes beginnen, der in irgendeiner Form das Thema Übersetzung berührt. Das könnte ein wissenschaftlicher Text sein, ein Gedicht, ein Video, eine Tonaufnahme.
Nach einer Teepause werden zwei Performances gezeigt: fertige Arbeiten oder work-in progress, ganz oder als Fragmente.
Nach dem Performance-Teil kommen alle – Performer*innen, Gäste, Teilnehmende, Host, etc. zusammen, um im Gespräch die Beiträge des Abends gemeinsam zu reflektieren und den theoretischen Teil mit Eindrücken der Performances zu verbinden.
TRANSLATION // PERFORMANCE findet alle zwei Monate statt.
Alle sind herzlich willkommen zur zweiten Session am 12. Juli um 17 Uhr auf der Atelier-Etage im 3. Stock.
Shodō (japanisch: 書道, wörtlich „Weg des Schreibens“) ist die japanische Kunst der Kalligrafie, die auf der chinesischen Schrifttradition basiert und sich über Jahrhunderte zu einer eigenständigen Ausdrucksform entwickelt hat. Kalligrafie ist eine traditionelle Kunstform, die in China und Japan bis heute lebendig und aktuell ist.
Dieser Workshop bietet einen Einblick in die ostasiatische Philosophie und Ästhetik durch die Pinselkunst der Kalligrafie. Dabei wird Shodō nicht nur als Schriftkunst vermittelt, sondern auch als Praxis der Konzentration, der Körperwahrnehmung und des bewussten Umgangs mit Raum und Leere – zentrale Aspekte ostasiatischen Denkens und ästhetischer Erfahrung.
Zu Beginn des Workshops werden die Entstehung der chinesischen Schriftzeichen und ihre systematischen Prinzipien vorgestellt. Anschließend besteht die Möglichkeit, selbst ein Wort oder Zeichen auszuwählen und zu schreiben. Auf verschiedenen Papierarten werden grundlegende Techniken geübt sowie die Konzepte von Balance und Weißraum erkundet – zwei zentrale Elemente der ostasiatischen Ästhetik.
Zum Abschluss gestaltet jede teilnehmende Person eine eigene Kalligrafie auf einem Fächer. Dieser kann als persönliches Erinnerungsstück oder als Geschenk für Freund*innen und Familie dienen.
Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Anmeldung per E-Mail an mail@einankaku.com.
Die Teilnehmer*innenzahl ist auf maximal 20 Personen begrenzt.
08.07.2026, 17 Uhr
15.07.2026, 17 Uhr
22.07.2026, 17 Uhr
In den Wochen vor dem Stuttgarter CSD findet im Künstlerhaus Stuttgart die Wired-Wednesday Werkstatt statt. Bei den offenen Bastel- und Drucknachmittagen gestalten die Teilnehmenden mit Siebdruck und Kartoffeldruck gemeinsam Plakate, Banner, Taschen, Postkarten, Aufkleber, Buttons und weitere Materialien für die CSD-Demonstration.
Die Reihe steht zugleich im Dialog mit der aktuellen Atmosphäre ()Print(), initiiert von Grizedale Arts und Adam Sutherland. Das Projekt versteht Drucken als gemeinschaftliche kulturelle Praxis – als Mittel, Ideen zu verbreiten, Öffentlichkeit herzustellen und kollektives Handeln anzustoßen. Die Wired Wednesdays greifen diesen Gedanken auf und verbinden ihn mit der Vorbereitung auf den CSD.
Die Treffen bieten Raum für Kreativität, Austausch und neue Begegnungen und setzen ein sichtbares Zeichen für queere Rechte, Solidarität und Vielfalt.
Über die Initiative
Auch in diesem Jahr sind die Akademie Schloss Solitude, das Künstlerhaus Stuttgart, der Kunstverein Wagenhalle, das Theater RAMPE und der Württembergische Kunstverein gemeinsam auf dem Stuttgarter CSD vertreten, um als Kulturinstitutionen für queere Rechte, Solidarität und gesellschaftliche Vielfalt einzustehen. Erstmals schließen sich zudem das Kulturzentrum Merlin und der Kunstraum 34 der Initiative an.
Wie bereits im vergangenen Jahr organisieren wir ein gemeinsames Rahmenprogramm mit Veranstaltungen, Gesprächsformaten sowie offenen Bastel- und Siebdruckangeboten zur Vorbereitung auf die Parade.
Die CSD-Demonstration findet am 25. Juli 2026 statt.
Wenn ihr mit uns auf die Straße gehen möchtet oder Fragen zur Initiative habt, schreibt uns gerne an: csd@kuenstlerhaus.de
Wir freuen uns auf euch!
Einige Platten verschwinden nie.
Andere tauchen erst Jahre später wieder auf.
Manche hat man gekauft, ohne zu wissen warum.
Im Audiostudio des Künstlerhauses werden Tonträger mitgebracht, die sich nicht eindeutig verorten lassen: Aufnahmen zwischen Versuchsanordnung, Überforderung, Trost, Größenwahn und Präzision. Musik, die sich weigert, nur eine Sache zu sein.
Es geht um Wiederholungen, um Cover, die mehr versprechen als erklären, um Stimmen, Räume, Störungen und um die merkwürdige Loyalität bestimmter Alben, die plötzlich wieder auftauchen, als hätten sie auf etwas gewartet.
Gemeinsam wird gehört.
Nicht alles wird aufgelöst.
Begrenzte Plätze im Tonstudio bitte Anmeldung unter audio@kuenstlerhaus.de
Listening Session
Das ist der neunte Termin der Veranstaltungsreihe “Listening Sessions” im Tonstudio des Künstlerhauses. Dazu werden Künstler*innen eingeladen, ihre Musik mitzubringen, die sie inspiriert, prägt und begleitet. Gemeinsam werden diese im Tonstudio angehört. Die regelmäßig stattfindende Reihe bietet Raum, um sich über klangliche Einflüsse und persönliche Verbindungen zur Musik auszutauschen. Konzipiert wurde diese Veranstaltungsreihe von Lena Meinhardt, Künstlerin und Leiterin der Audiowerkstatt des Künstlerhauses.
Das Thema des nächsten HAUSTREFF* lautet: Handwerk + Kunst
Im Künstlerhaus setzen sich seit jeher in den Ateliers, den Werkstätten und auf den Ausstellungsetagen Künstlerinnen und Besucherinnen mit Fragen künstlerischer Produktion, Präsentation und Rezeption auseinander. Dabei entstehen intensive Synergien, aber auch Widersprüche.
Fragen, die dabei immer wieder aufscheinen, lassen sich bündeln:
Inwiefern sind handwerkliche Praktiken und zeitgenössische Kunst heute noch miteinander verbunden?
Kann Kunst von handwerklichen Denkweisen profitieren?
Geht es lediglich um Materialgerechtigkeit oder um die Wahrung kanonischer Arbeitsregeln?
Oder lehrt auch die Brechung handwerklicher Regeln, das ‚unlearning‘, etwas?
Bewahrt das handwerkliche Tun den künstlerischen Prozess vor dem Verlust der Körperlichkeit?
These: Das Verhältnis von Kunst und Handwerk ist heute offenbar weder obsolet noch stabil, sondern ein Spannungsfeld zwischen Aneignung, Transformation und bewusster Regelverletzung.
Die Stuttgarter Künstlerinnen Katharina Strasser und Thora Gerstner verhandeln in ihren jeweiligen künstlerischen Positionen unterschiedliche Aspekte dieses großen Themas. Ihre Berichte und Gedanken bieten einen Rahmen für den Austausch von im Haus Aktiven und am Haus Interessierten über eigene Ansätze und Fragen.
* Der HAUSTREFF ist ein Format des Beirats und lädt alle Mitglieder zu Gesprächen über Fragen des Kunstmachens ein.
Über interessierte Mitwirkende und Mitdenkende und über Themenvorschläge und -wünsche freuen wir uns jederzeit sehr.
ANKNÜPFEN ERWÜNSCHT ist ein kommunikatives prozessuales Projekt für die Schaufenstersituation des ehemaligen Galeria-Kaufhof und das Jahresprojekt 2026 der Linienscharen – Plattform für zeitgenössische Zeichnung in Stuttgart –.
Im Künstlerhaus findet das erste vorbereitende Treffen für die Teilnehmenden aus dem Kreis der Linienscharen statt, das sowohl informative, kommunikative als auch praktische Anteile enthält.
Linienscharen wurde 2012 als Austauschplattform gegründet, um Künstler*innen aus Stuttgart und der Region zusammenzubringen. Ihr Ziel ist es, einen kontinuierlichen Dialog über Zeichnungen und zeitgenössische Kunst zu schaffen.
Weitere Informationen finden Sie auf der Website von Linienscharen.
Druckgrafik gehört seit der Gründung des Künstlerhauses 1978 zu dessen DNA und war in den späten 1960er und 1970er Jahren ein wesentlicher Bestandteil der künstlerischen Praxis seines ersten künstlerischen Leiters Ulrich Bernhardt. Als erste einer Reihe von Aktionen, die die aktuelle Atmosphäre aufgreifen, laden wir Sie herzlich ein, am 17. Juni an einem Gespräch zwischen den Künstlern Frieder Grindler – einem der führenden und produktivsten Plakat- und Druckgrafiker in Stuttgart – und Ulrich Bernhardt teilzunehmen.
Was macht ein Plakat erfolgreich, und warum? Sind Plakate Werbung oder Informationsquelle? Welche Motive verwenden sie – Verfremdung oder Agitation? Mit welchen Mitteln kann man Plakate herstellen? Und wenn Plakate im politischen Kampf eingesetzt werden, wen sollen sie überzeugen oder mobilisieren: die Kämpfer, die Gegner oder die Gleichgültigen? Warum waren Plakate für die Demokratiebewegung der 1960er- und 1970er- Jahre so wichtig? Sind Plakate Kunst oder Propaganda, und spielt diese Unterscheidung überhaupt eine Rolle? Warum werben heute Theater und Konzerte noch mit Plakaten? Was macht ein Plakat wirksam: der Inhalt, die Verbreitung oder der Kontext? Und welche Rolle spielt das Plakat heute noch im Zeitalter der sozialen Medien?
Über die Künstler
Ulrich Bernhardt ist freischaffender Medienkünstler und Plakatmacher in Stuttgart. Er war Initiator und erster künstlerischer Leiter des Künstlerhauses Stuttgart (1978-86).
Frieder Grindler ist Künstler und Plakatmacher und hat seit den 1960er Jahren zahlreiche Plakate entworfen, insbesondere für das Theater. Seit 2012 lebt und arbeitet er in Stuttgart.
In diesem zweitägigen Workshop zur natürlichen Pflanzenfärbung, geleitet von der französischen Künstlerin und Färberin Lucie Laporte, beginnen wir mit einem Spaziergang, bei dem wir lokale Pflanzen in Stuttgart erkunden. Anschließend erlernen wir gemeinsam Druck- und Färbetechniken.
Ursprünglich aus Hamburg stammend, lebt und arbeitet Lucie Laporte heute als Textilkünstlerin mit Schwerpunkt auf Naturfärbung und Webkunst in Paris. Während ihres Studiums der historischen Kostümgestaltung in Paris Anfang der 2010er Jahre entwickelte sie ein besonderes Interesse an unsichtbaren oder in Vergessenheit geratenen Praktiken der Textilindustrie, darunter das Handweben sowie die traditionelle Kunst des Färbens mit Naturfarben. Nach einer Reise nach Peru im Jahr 2017, bei der sie Weber*innen im Cusco-Tal begegnete, die diese Handwerkstechniken bis heute ausüben, spezialisierte sie sich an der Manufacture des Gobelins auf die Kunst der Tapisserie. Ihre künstlerische Praxis verfolgt eine ganzheitlichen Perspektive: Sie befragt die Essenz und Herkunft von Materialien, erforscht deren Eigenschaften – sowohl in Bezug auf Farben als auch auf die verwendeten Stoffe – und setzt sich mit den Geschichten auseinander, die diese Materialien in sich tragen.
Ihr Anliegen ist es, Werkzeuge zugänglich zu machen, die es ermöglichen, die Dichotomie von Natur und Kultur zu überwinden und unsere Beziehung zur Welt neu zu denken. Wiederverwendung, biobasierte Materialien und lokal gewonnene Ressourcen bilden dabei zentrale Elemente ihrer Praxis.
Materialien für das Pflanzenfärben werden gestellt. Ein Beitrag von 60 Euro wird erbeten.
Die Teilnehmer*innenzahl ist begrenzt – bitte melden Sie sich bis zum 8. Juni 2026 über Eventbrite an.
Zeitplan
Samstag, 13.06. Künstlerhaus Stuttgart
10–12 Uhr
Ein öffentlicher Spaziergang durch den Park in der Nähe des Künstlerhauses lädt dazu ein, lokale Färberpflanzen kennenzulernen und mehr über ihre historische Verwendung zur Farbherstellung zu erfahren. Ab 11 Uhr haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, den Park eigenständig zu erkunden und Zeichnungen anzufertigen, die später im Plant-Dye Workshop weiterverarbeitet werden. Bitte bringt ein eigenes Skizzenbuch sowie Zeichenmaterialien mit.
13–14 Uhr
Anhand von Herbariumsmaterialien und Farbforschungstabellen der Künstlerin werden die wichtigsten historisch verwendeten Pflanzenessenzen für Naturfärbungen in Europa und weltweit vorgestellt. Zudem werden verschiedene Verfahren der Farbextraktion sowie die Herstellung eines organischen Indigo-Färbebads erläutert.
14–17 Uhr
Die Teilnehmenden werden eingeladen, mithilfe der Linolschnitttechnik eigene Motive zu gravieren und daraus Druckstempel herzustellen. Anschließend werden Stoffe mit drei unterschiedlichen Beizpasten bedruckt: Eisensulfat, Aluminiumsulfat und Titan. Darüber hinaus wird die Reservetechnik mit Tonpaste vermittelt, um Muster mit dem Indigo-Färbebad zu erzeugen. (Hinweis: Alle Stoffproben bleiben über Nacht zum Trocknen im Künstlerhaus.)
Sonntag, 14.06. Künstlerhaus Stuttgart
10–13 Uhr
Am Vormittag findet ein Workshop zur Naturfärberei statt, bei dem sieben emblematische Pflanzen der Naturfärberei erkundet werden: Färberkrapp (Rubia tinctorum), Färberwau (Reseda luteola), Cosmos (Cosmos sulphureus), Blauholz (Haematoxylon campechianum), Schwarzkatechu (Acacia catechu), Gallapfel und Indigo (Indigofera tinctoria). Jede*r Teilnehmende erstellt eine eigene Farbkarte – ein Notizbuch zur Archivierung der gefärbten Stoffproben –, inklusive Rezepturen. Vorgebeizte Stoffe werden bereitgestellt. (Hinweis: Es wird empfohlen, eine Schürze zu tragen oder dunkle Kleidung mitzubringen.)
14–17 Uhr
Am Nachmittag werden die am Vortag bedruckten Stoffe gereinigt und anschließend mit denselben Pflanzenfärbebädern gefärbt. Danach werden die Stoffe zum Trocknen aufgehängt. Zum Abschluss des Workshops gibt es Zeit für Austausch, Fragen sowie Empfehlungen und Diskussionen rund um Materialien und Ausstattung.
10:00–12:00 Uhr
Bis vor Kurzem galt Nachhaltigkeit als Maßstab für umweltbewusstes Handeln. Angesichts des fortschreitenden Zusammenbruchs unserer Ökosysteme braucht es jedoch viel eher noch Regeneration – um die Umweltzerstörung nicht nur aufzuhalten, sondern umzukehren. Solche regenerativen Praktiken verbreiten sich zunehmend in Stuttgart. Wir müssen nur hinausgehen und diese ungeahnten Initiativen entdecken. Das Künstlerhaus Stuttgart lädt ein, verschiedene Künstler*innen bei Spaziergängen zu begleiten und das Regenerative Walking Schritt für Schritt gemeinsam zu erfahren.
Die Künstler*innen, die die Spaziergänge leiten, sind allesamt mit dem Künstlerhaus Stuttgart verbunden und wirken in diesem Jahr in unterschiedlichen Rollen an einer übergreifenden Atmosphäre mit Titel A New Georgics mit, in deren Zentrum neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Kunst und Landwirtschaft stehen. Diese dynamische, mobile Komponente des Projekts im öffentlichen Raum ermöglicht es den beteiligten Künstler*innen, ihre Praxis über die Galerieräume hinaus in die Öffentlichkeit zu tragen und ihre Arbeit in ihrer Reichweite zu erweitern. Im Fokus steht dabei die zutiefst gesellschaftliche Frage nach regenerativen Praktiken in all ihren Formen.
Regenerative Walking thematisiert mit dem ersten Spaziergang das Sammeln von Wildblumen und Färbepflanzen, geleitet von der französischen Künstlerin und Färberin Lucie Laporte. Ihre Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Textilkunst und Botanik und lädt dazu ein, eine nicht-anthropozentrische Beziehung zur Umwelt zu entwickeln. Während des Spaziergangs wird sie uns – mit Körben ausgestattet – dazu anleiten, Wildblumen entlang von Straßenrändern, auf wildgewachsenen Wiesen, in Brachen und anderen „Unorten“ zu sammeln. Der Rundgang mündet in einen gemeinsamen Natural Plant-Dye Workshop zur Herstellung von Naturfarben. Der Spaziergang ist für alle offen. Um am Workshop teilzunehmen, registrieren Sie sich bitte über den folgenden Link.
Ursprünglich aus Hamburg stammend, lebt und arbeitet Lucie Laporte heute als Textilkünstlerin mit Schwerpunkt auf Tapisserie und Färberei mit Naturfarben in Paris. Ihr Interesse gilt insbesondere jenen Pflanzen, die seit Jahrhunderten natürliche Farbstoffe liefern, sowie handwerklichen Traditionen, die durch globalisierte Industrien vielfach verdrängt wurden. Sie arbeitete mit Kunstweber*innen in Südamerika zusammen, wo sie regionale Färbetechniken erforschte. In Frankreich spezialisierte sie sich auf die basse-lisse-Tapisserie an der Manufacture des Gobelins und studierte die traditionelle Kunst des Färbens mit Naturmaterialien bei Michel Garcia in der Bretagne.
Ihr Anliegen ist es, Werkzeuge zugänglich zu machen, die es ermöglichen, die Dichotomie von Natur und Kultur zu überwinden und unsere Beziehung zur Welt neu zu denken. Wiederverwendung, biobasierte Materialien und lokal gewonnene Ressourcen bilden dabei zentrale Elemente ihrer Praxis.
Der Spaziergang wird im Rahmen der Förderung Kunst im öffentlichen Raum (KiöR) der Stadt Stuttgart unterstützt. Die Veranstaltung ist für alle offen, findet am 13. Juni 2026 von 10 bis 12 Uhr statt und beginnt im Künstlerhaus Stuttgart.
Kevin Kolland und Domenik Gebhardt sind je einer und doch zusammen mehr als zwei oder gar ein Doppel.
Da treffen sich Äußerungen aus der Kunst mit Fotografie mit Äußerungen aus Malerei, Zeichnung und Architektur. Da dreht sich das Konzept des Hereinholens von Welt in ein Belassen von Welt, mehr noch in eine Identifikation von Welt. Die jeweilige Zeit, der jeweilige Ort, die jeweiligen Beteiligten in dieser Zeit und an diesem Ort verschwinden nicht, sie sind, wie etwa der Zyklus Poly vs Mono unterstreicht. (Nicolai Forstbauer)
Ein dreiteiliges Künstlergespräch in dem unsere jeweiligen, wie auch die dritte, gemeinsame Position ihren Platz finden werden.
Dienstags-Werkstatt
Mit der Dienstags-Werkstatt lädt das Künstlerhaus Künstler*innen oder Kollektive ein, über ihre Arbeitsweisen, Hintergründe und Vorgehensweisen zu sprechen. Wir wollen eine Plattform etablieren, in der sich intensiver zur künstlerischen Praxis ausgetauscht wird und uns so vernetzen, solidarisieren und gegenseitig stärken. Die Reihe richtet sich an alle Mitglieder des Künstlerhaus Stuttgart, an Künstler*innen aus Stuttgart und Umgebung, oder auf der Durchreise, an alle Kunstvermittler*innen, Kurator*innen, Kulturschaffende usw. und ist offen für alle!
Eröffnung: Donnerstag, 21. Mai 2026, 19 Uhr, 2. OG
Die Shepherdology ist die Erforschung der Hirtenkultur im weiteren Sinne, wobei die Seelsorge als Methodik sowohl für materielle als auch für metaphorische Praxis betrachtet wird … eine Sichtweise, die die Praxis von INLAND Campo Adentro sehr treffend erfasst, die ihre Arbeit und ihre Auseinandersetzung mit der Hirtenkultur unter diesem Titel ins Künstlerhaus Stuttgart bringen. Das Engagement des Kollektivs für diese traditionelle Lebensweise – das über bloße Darstellung oder kulturellen Extraktivismus hinausgeht – ist unmittelbar: Sie besitzen eine eigene Herde aus Schafen und Ziegen, die sie als vollwertige Mitglieder des Kollektivs betrachten, und mit denen sie dem jährlichen Zyklus der saisonalen Weidewirtschaft folgen, wobei sie vom Tal in die Berge und in den Park im Herzen Madrids ziehen, in dem sie ein „Forest Flock Classroom“ errichtet haben. Die Arbeit des Kollektivs mit der unter seiner Schirmherrschaft betriebenen Shepherd’s School – der einzigen Schule ihrer Art in Europa, die als Kunstprojekt fungiert und formale Ausbildung in der Schafhaltung und saisonalen Wanderung von Schafen sowie in der Käseherstellung – ist eine sehr konkrete Praxis, die sich mit unzähligen anderen landwirtschaftlichen und sozialen Realitäten sowohl in Spanien als auch weltweit überschneidet, da INLAND auch als Koordinierungsstelle der World Alliance of Mobile Pastoralists and Nomadic Peoples fungiert. Dennoch nutzt das Kollektiv die Werkzeuge, Energien, Netzwerke und Erkenntnisse der Kunst, um diese existenziellen Realitäten in andere Rahmen und Diskurse zu übertragen. Anhand einer minimalistischen und doch weitverzweigten, „myzelartigen“ Struktur – die sowohl an die Pilzkolonien in den Berghöhlen der Sommerweiden als auch an die traditionelle Architektur erinnert, die sich je nach Bedarf ausdehnt – und die speziell für Shepherdology entwickelt wurde, um Dokumente und Artefakte der Schule zu präsentieren, wird das Kollektiv die hirtische Atmosphäre, die pädagogischen Ansätze und die Vielfalt an Wissen vermitteln, die seine Arbeit auszeichnen.
Die Shepherds School wurde 2004 vom Künstler und Agrarökologen Fernando García-Dory gegründet; später schloss sich der Dudelsackspieler und Schäfer Nel Cañedo dem Projekt an. Die Shepherds School bietet berufstätigen Schäfer*innen Schulungen zu neuen Technologien an und führt fünfmonatige Ausbildungskurse für junge Menschen aus städtischen Gebieten durch, die sich für das Schäferhandwerk interessieren. Die Kursinhalte reichen von Zoologie, Agrarpolitik, Gebirgsökologie, Outdoor-Fähigkeiten und tierärztlichen Praktiken bis hin zur Käseherstellung. Die praktische Ausbildung basiert auf der Betreuung durch einen/einer professionellen Schäfer*in, bei dem/der die Auszubildenden wohnen und mit dem/der sie die täglichen Aufgaben und das Leben teilen. In den vergangenen Jahren wurden im Rahmen des Projekts vier Berghütten, zwei Bergmolkereien und Melkräume neu gestaltet und renoviert. Die Nutzung dieser Einrichtungen wird Absolvent*innen, die sich für den Beruf entscheiden, kostenlos angeboten. Neben diesen Infrastrukturen für die Sommerweiden in den Bergen verfügt die Shepherds School über einen Modellbauernhof im Tal für die Winterproduktion mit Unterkünften, einem Unterrichtsraum und einer Bibliothek für die Auszubildenden. Die Shepherds School beherbergt zudem Schäfer*innen aus verschiedenen Ländern und Regionen, bietet Betreuung für postgraduale Feldforscher*innen, die sich für die Kultur der Weidewirtschaft interessieren an, und setzt sich für Organisationen von Hirt*innen aus ganz Europa und der ganzen Welt ein.
INLAND Campo Adentro gehört zu jener seltenen Art von kollektiven Kunstprojekten, die vollständig im Maßstab 1:1 agieren: Das 2009 gegründete INLAND ist eine kollektive Plattform, die sich der Weidewirtschaft und der Agrarökologie als Lebensform widmet und deren facettenreiche Aktivitäten durch das Prisma der Kunst betrachtet werden. Mitbegründer Fernando García-Dory erklärte, INLAND beruhe auf einem dreiteiligen Manifest: Kunst, Landwirtschaft, Territorium. Die Verknüpfung dieser drei Begriffe in einer variablen Geometrie von Aktivitäten – von Bildung bis zur Vermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, von Weidewirtschaft bis zu experimenteller Architektur – ermöglicht es INLAND, als eine Art Para-Institution zu agieren und als Koordinierungsstelle der World Alliance of Mobile Pastoralists and Nomadic Peoples zu fungieren. Die doppelte künstlerische und agroökologische Dimension des Projekts entstand aus einer durch Daten und Informationen untermauerten Analyse des bevorstehenden Zusammenbruchs der Ökosysteme auf globaler Ebene. Und tatsächlich stehen die Politik und Ästhetik der Datenpräsentation und -kritik weiterhin im Mittelpunkt des Ansatzes von INLAND. Doch von Anfang an hatte sich INLAND zum Ziel gesetzt, positive, kollektive Alternativen zu den vorherrschenden Modellen der Landwirtschaft zu entwickeln und die experimentellen Werkzeuge zu verfeinern, die zu deren Umsetzung erforderlich sind. Für ihre Intervention im Künstlerhaus Stuttgart hat sich INLAND entschieden, den Fokus auf die Politik und Pädagogik der Weidewirtschaft zu legen und dabei die Arbeit der Shepherds School zu präsentieren, die ein integraler Bestandteil der Arbeit des Kollektivs ist. Dabei geht es vor allem darum, den saisonalen Rhythmen der Schafhaltung besondere Beachtung zu schenken – also der gelebten Erfahrung und Praxis der Weidewirtschaft in oft abgelegenen ländlichen Gebieten, in denen die Herde das ganze Jahr über gehütet wird.
Die Atmosphäre wird durch die Wüstenrot Stiftung unterstützt.
Eröffnung: Donnerstag, 21. Mai 2026, 19 Uhr, 4. OG
()Print() ist ein Live-Druckprojekt, eine offene Einladung, neue Arbeiten mit alter Technik zu drucken, inmitten der visuell vielfältigen Atmosphäre von Streitdrucken, die überwiegend aus dem ländlichen Raum stammen und Einblicke in die komplexe Politik des Ländlichen bieten – auf eine Weise, die konventionellen Darstellungen weitgehend entgegentritt. Im Gegensatz zu Unikaten werden Plakate stets in großer Stückzahl produziert und sind oft anonym – ein nicht zurückverfolgbares Medium für politische Polemik und Kritik.
In diesem Sinne werden Betrachter*innen, Leser*innen und Drucker*innen dazu ermutigt, die Lücken zu füllen und aus drucktauglichen Wörtern, die mit den Prozessen in Verbindung stehen, einen eigenen Namen für das Projekt zu kreieren. Das DIY-Drucken ist seit der Gründung des Künstlerhauses Stuttgart in den turbulenten 1970er Jahren ein fester Bestandteil der dortigen Aktivitäten. Eingetaucht in diese Atmosphäre aus Tinte, Papier und Nicht-Nachverfolgbarkeit, würdigt ()Print() die lange, stürmische Geschichte des polemischen Drucks seit dem späten 18. Jahrhundert.
Print ist ein Substantiv; print ist ein Verb; lasst uns eine Druckerei gründen.
Im Mittelpunkt der Atmosphäre steht die „Print Shack“, ein teilweise zerlegter Schuppen, der eine Druckerpresse und jene Art von Kuriositäten beherbergt, die seit der Erfindung des Buchdrucks in Druckwerkstätten zu finden sind. Er bietet einen „Schnittansicht“-Einblick in das Atelier eines/einer Drucker*in, wobei Licht zwischen den Brettern hindurchscheint – eine Umsetzung im Maßstab 1:1 der romantischen Darstellung des Druckwesens als Lichtquelle eines erleuchteten öffentlichen Raums. Im Inneren des Schuppens und im gesamten Galerieraum – an den Wänden, auf den Böden, an den Säulen, an den Fenstern… – befinden sich zahlreiche Drucke aus der langen Geschichte des Plakat- und Broschürendrucks, die sich auf die kulturellen Bewegungen in ganz Europa und darüber hinaus in den letzten 250 Jahren beziehen, von denen viele aus ländlichen Gebieten stammen oder deren Urheber*innen auf dem Land Zuflucht gesucht hatten. Die These, die dieses Projekt zu untersuchen versucht – und die das gesamte Schaffen von Grizedale Arts prägt –, lautet, dass Veränderungen von ländlichen Orten ausgehen, fernab von der Hektik des städtischen Lebens.
Über die Galerie verstreut – teils an Wänden oder Säulen befestigt, teils auf dem Boden verteilt – befinden sich Drucke, die von rund einem Dutzend Kurator*innen ausgewählt wurden und ihre persönlichen Sammlungen sowie spezifischen Interessen widerspiegeln. Sie sind nicht als Gesamtüberblick gedacht, sondern eher als Inspiration oder Provokation. Es handelt sich um ein analoges Live-Projekt, das es den Nutzer*innen ermöglicht, Drucke zu erstellen und zu veröffentlichen, wodurch in einem Zeitalter der totalen Rückverfolgbarkeit nicht zurückverfolgbare Kommentare entstehen. Im Laufe der kommenden sechs Monate wird sich diese Atmosphäre der Drucke durch eine regelmäßige Reihe von Druck-Workshops mit ausgebildeten Drucker*innen weiter ausbreiten und verformen.
()Print() ist der erste Baustein eines umfassenden, zweijährigen Kooperations- und Austauschprogramms zwischen dem Künstlerhaus Stuttgart und Grizedale Arts. Allen Programmen von Grizedale Arts liegt seit 30 Jahren die Überzeugung zugrunde, dass Kunst ein integraler, lebenswichtiger und fester Bestandteil des Lebens ist, was die Verbindung von handwerklichen Fähigkeiten, gemeinschaftlicher Produktion und die Einbeziehung des Fachwissens von Nicht-Künstler*innen in den Mittelpunkt stellt. Lawson Park, ein bewirtschaftetes Bauernhaus bei Grizedale Arts, bringt Künstler*innen und Freiwillige zusammen, um gemeinsam Landwirtschaft, Gartenarbeit, den Anbau und die Zubereitung einer großen Vielfalt an Lebensmitteln zu betreiben. Gartenbau, Gastronomie und Lebensmittelproduktion bieten ein nützliches Modell für die Zusammenarbeit. Grizedale Arts betreibt „The Farmers Arms“, ein voll funktionsfähiges Gasthaus, Pub und Restaurant sowie eine hauseigene Töpferwerkstatt im Grizedale Forest im Norden Englands.
Kunst im Maßstab 1:1.
Grizedale Arts war ein Vorreiter der Hinwendung zum Ländlichen in der zeitgenössischen Kunstpraxis. Immer häufiger wendet sich die Kunst bewusst vom Städtischen ab und wählt das Ländliche als bevorzugten Schauplatz. Grizedale ist jedoch stets bei seiner Überzeugung geblieben, dass die Kunst das Städtische nie wirklich angenommen hat und – oft aus rein praktischen Gründen – dem Ländlichen verhaftet blieb.
Grizedale Arts ist eine einzigartige Kunstinstitution, die jenseits der etablierten Strukturen der zeitgenössischen Kunstwelt agiert, sich frei und ungebunden bewegt, unbürokratisch ist und offen für Möglichkeiten, mit gleichgesinnten Organisationen und Menschen auf der ganzen Welt in Kontakt zu treten. Kommt und druckt mit uns!
Seid am 21. Mai um 19 Uhr bei der Eröffnung von ()Print() im Künstlerhaus Stuttgart dabei.
()Print() ist eine Initiative von Grizedale Arts und dessen Direktor Adam Sutherland.
Mit Druckgrafiken aus den Sammlungen von:
Ulrich Bernhardt Robert Eichmeyer Fernando García-Dory Hadrian Garrard Grizedale Arts Abel Holsborough Sean Ketteringham Künstlerhaus Stuttgart David Osbaldeston Tamarind Rossetti Sarah Staton Adam Sutherland Stephen Wright Linsey Young
„Translation in a global world is not only literary but also profoundly performative, embedded in how ideas and gestures, sounds and voices transform and move.“
-Avishek Ganguly and Kélina Gotman in the introduction of Performance and Translation in a Global Age
TRANSLATION // PERFORMANCE ist ein Lesekreis, eine Plattform für Performance, und ein experimentelles Treffen, um sich auszutauschen und gemeinsam zu forschen.
Als regelmäßiges Format lädt es dazu ein, den Zusammenhang zwischen Übersetzung und Performance aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu untersuchen.
Übersetzung ist hier nicht nur die Übertragung von Bedeutung von einer Sprache in eine andere, sondern Werkzeug oder Methode von Verwandlung und Übergang. Übersetzung geschieht, sobald wir etwas nehmen – ein Wort, einen Satz, eine Geste, eine Bewegung, ein Bild, eine Identität, eine Erinnerung, einen Code – und einem Prozess von Veränderung und Interpretation aussetzen, und dieses Element so eine neue Form annimmt, welche auf andere Weise, oder von anderen Gruppen verstanden werden kann.
Manche Formen der Übersetzung sind kodifiziert und geregelt, während andere freier und assoziativ sind. Das macht Übersetzung zu so einem grundlegenden Modus für künstlerische und spekulative Arbeit. Da Sprache – und damit Übersetzung – nie unpolitisch ist, werden die Treffen auch das politische Potential von Übersetzung miteinbeziehen.
Dieses Format nimmt Übersetzung als Ausgangspunkt, um performative Praktiken in unserer Gegenwart anzuschauen und zu untersuchen.
Jedes Treffen wird mit dem gemeinsamen Lesen eines Textes beginnen, der in irgendeiner Form das Thema Übersetzung berührt. Das könnte ein wissenschaftlicher Text sein, ein Gedicht, ein Video, eine Tonaufnahme. Nach diesem gemeinsamen Aufnehmen von Information gibt es einen Moment, um unmittelbare Eindrücke oder Gedanken zu teilen, gefolgt von einer Teepause.
Im nächsten Teil werden zwei Performances gezeigt: fertige Arbeiten oder work-in progress, ganz oder als Fragmente. Diese Treffen sollen eine niederschwellige Plattform bieten, Performance zu zeigen, zu experimentieren und in Austausch miteinander zu treten, zu reflektieren und Fragen zu stellen, insbesondere zu zeitbasierten Praktiken.
Die Performer:innen werden jeweils eine Woche vorher bekanntgegeben.
Nach dem Performance-Teil gibt es nochmal eine Pause, nach der alle – Performer:innen, Gäste, Teilnehmende, Host, etc. ins Gespräch kommen, um all die Beiträge des Abends gemeinsam zu reflektieren und den theoretischen Teil mit Eindrücken der Performances zu verbinden.
Im Laufe des Projekts wird ein Archiv an Texten, Material und Themen öffentlich zugänglich auf are.na entstehen → Link folgt bald.
TRANSLATION // PERFORMANCE findet ungefähr alle zwei Monate statt. Alle sind herzlich willkommen zur ersten Session am 17. Mai um 17 Uhr auf der Atelier-Etage im 3. Stock.
Veronika Schneider zeigt ihr Hörstück to touch a cloud sowie Arbeiten ihrer fortlaufenden Werkreihe Emoji
Wolken nehmen auf und transformieren. Die grenzenlosen Formen aus Dreckpartikeln und kondensiertem Wasser dienen Menschen seit jeher als Bilder. Nach jahrelangem Wolkengucken reflektiert die Arbeit „to touch a cloud“ wechselnde Zustände – wie Konsistenzen, Qualitäten oder Launen. Wolken als Phänomene der Veränderung und des Jetzt. In Zeiten von Krieg und Klimawandel fragt der Text in Form einer Audioaufnahme danach, was Wolken transportieren und welches Wissen sie halten.
Für die Dienstagswerkstatt wird to touch a cloud umgewandelt zu hören sein: Lea Rossatti und Hausmusik (Leo Weber und Lorenzo Mastrosimone) haben jeweils eigene Versionen des Materials erstellt.
Während des Hörens kann der Blick auf aktuellen Emojis ruhen – seit 2018 malt und zeichnet Veronika Schneider Momentaufnahmen. Über die Jahre ist so ein Archiv von Stimmungen entstanden, das ein Vor- und Zurückgehen in der Zeit möglich macht.
to touch a cloud wird im Nachgang der Veranstaltung auf Full Beans Radio zu hören sein.
Dienstags-Werkstatt
Mit der Dienstags-Werkstatt lädt das Künstlerhaus Künstler*innen oder Kollektive ein, über ihre Arbeitsweisen, Hintergründe und Vorgehensweisen zu sprechen. Wir wollen eine Plattform etablieren, in der sich intensiver zur künstlerischen Praxis ausgetauscht wird und uns so vernetzen, solidarisieren und gegenseitig stärken. Die Reihe richtet sich an alle Mitglieder des Künstlerhaus Stuttgart, an Künstler*innen aus Stuttgart und Umgebung, oder auf der Durchreise, an alle Kunstvermittler*innen, Kurator*innen, Kulturschaffende usw. und ist offen für alle!
Welche Rolle spielt der Geruchssinn in unserem politischen Leben? Wie wurde Geruch industrialisiert und mit welchen wirtschaftlichen Auswirkungen? Inwieweit hängt das Management von Gerüchen mit der Regulierung von Räumen zusammen? Ist die Honigbiene ein Produkt der industriellen Massentierhaltung?
Menschen, ebenso wie Tiere und Pflanzen, nutzen Gerüche, um zu kommunizieren und ihre Umgebung zu bewerten. Sie beeinflussen unser Leben tiefgreifend, indem sie Emotionen auslösen und Bindungen zu anderen schaffen. Gerüche können gezielt eingesetzt werden, um Begehren und Konsum zu fördern. Ihr Verlust hingegen bedeutet oft Entfremdung und Isolation von unserer Umwelt. In einer zunehmend aufgeheizten Welt untersucht die Veranstaltung, wie Geruch, Politik und Ökonomie miteinander in Beziehung stehen. Gemeinsam mit Künstler*innen, Biolog*innen und Geograf*innen werden wir den Geruchspfaden Stuttgarts nachgehen und neue Perspektiven auf die Politik des Stoffwechsels und der Sinne kennenlernen.
Mit Freia Achenbach & June Fàbregas (anima ona), Tini Aliman, Maan Barua, Uli Beisel, Giovanni Galizia, Matthew Gandy, Felix Heidenreich, José Morbán, Piloya Irene, Hannah Liya & Sophia Sadžakov, Angelo Neira, Silke Sachse, Marie Skeie, Kirsten Traynor, Tamarind Rossetti & Stephen Wright
Wo und wann:
17.04. 18 Uhr: Akademie Schloss Solitude
18.04. 10 Uhr: Hohenheimer Gärten; 15 Uhr Künstlerhaus Stuttgart (2. OG)
Die Veranstaltung ist die zweite Ausgabe einer Reihe zum Thema Stoffwechsel, die von Maan Barua initiiert und von der Akademie Schloss Solitude in Zusammenarbeit mit dem Künstlerhaus Stuttgart und dem Zukunftskolleg der Universität Konstanz organisiert wird. Mit Unterstützung des Canadian Institute for Advanced Research (CIFAR).
PROGRAMM
Freitag, 17.04 Akademie Schloss Solitude
- 18 Uhr: Begrüßung & Einführung
- 18:30 Uhr: Beyond the Waggle Dance: How Honey Bees Communicate
Keynote von Kirsten Traynor
- 19:15 Uhr: Podiumsdiskussion
Mit Kirsten Traynor, Giovanni Galizia & Silke Sachse
- 20 Uhr: Solitude Signals: Biodata and Sonic Memory
Klangperformance von Tini Aliman
- Anschließend: Snacks und Getränke
Samstag, 18.04
Hohenheimer Gärten
- 10Uhr: MUTED SCENT
Eine sensorische Erkundung der Hohenheimer Gärten mit Irene Piloya
Die Plätze sind begrenzt. Wir bitten um Anmeldung bis Freitag, den 13. April bei
Patrick Urbani: intern.programs@akademie-solitude.de
- Anschließend: Diskussionsrunde zum Thema Smell & Olfactory Plasticity
Mit Irene Piloya und Giovanni Galizia
Künstlerhaus Stuttgart
- 15 Uhr: Sage Passages: Sensescape of Places and Memories
Ein sensorischer Spaziergang, geprägt von den verflochtenen Geschichten eines Sal
beibündels, geführt von Marie Skeie
- Anschließend: Tour durch die aktuelle Ausstellung Terra Alchimia – Eine Land im Werden Mit anima ona (Freia Achenbach & June Fàbregas)
- 17 Uhr: Pick Your Process
Gemeinschaftliches Tischgespräch, moderiert von Maan Barua, Stephen Wright und Tamarind Rossetti; Mit Beiträgen von José Morban, Piloya Irene, Angelo Neira, Uli Beisel und Matthew Gandy - 19 Uhr: Performative Wein & Essensverkostung
Mit Hannah Liya und Sophia Sadžakov
„Meine Familie war von klein auf arm,
und wir sind nie essen gegangen wie alle anderen.
Immer wenn meine Mutter arbeiten war,
kochte ich mir Ramen.
Irgendwann hatte ich Ramen so satt, dass
ich mit ihr stritt und sie bat, etwas Leckeres zu essen.
Dann holte sie widerwillig ihr verstecktes Notgeld heraus
und bestellte
mir eine Schüssel Jajangmyeon, und ich war überglücklich.
Aber aus irgendeinem Grund
aß meine Mutter es nicht.
Sie sagte, sie hasse Jajangmyeon.
Sie sagte, sie hasse Jajangmyeon.“
-G.o.d, To Mother, 1999
Selbst wenn man außer Acht lässt, dass das ständige Erkunden unbekannten Terrains zu Fuß ein instinktiver Akt ist, der das menschliche Gehirn auf besonders effiziente Weise aktiviert, stellt sich die Frage: Warum verlassen Menschen überhaupt ihre Heimat, ihr Dorf, ihr “LÄND”, um neue Orte zu entdecken, ihre Fähigkeiten aus eigener Kraft zu erproben und sich auf wackelige Maschinen aus Eisen zu begeben?
Selbst im Zeitalter der Hocheffizienz, in dem wir die Welt mit unseren “Phones” wie mit Überwachungskameras beobachten und globale Ereignisse bequem von zu Hause aus verfolgen können, ziehen viele Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen umher. Solchen Handlungen edle oder gar großartige Absichten zuzuschreiben, wäre eine weitere Beleidigung ihrer Entscheidungen.
8.200 Kilometer von zu Hause entfernt, hatte ich fürwahr keine großen Pläne. Ich schreibe kein Tagebuch. Darum verfüge ich auch über keine Erinnerung darüber, was ich mit Anfang zwanzig über eine Verpflanzung aus Korea gedacht habe. Doch ehe ich mich´s versah, war ich in Deutschland, war ich an der Kunstakademie Stuttgart, an der ich zehn Jahre studierte, zu einer Art „berühmten Ausländerin“ geworden. Diese Tatsache prägte meinen Alltag und meine künstlerische Praxis.
Aber dieser Schatten war lebendig. Anders gesagt: Mein Leben als Ausländerin hatte sich so tief in meinen Alltag eingeprägt, dass ich der Welt so viel zu sagen hatte, und meine künstlerische Sensibilität brachte diese Worte auf natürliche und leidenschaftliche Weise zum Ausdruck. Ich beneide die Kunstwerke, die sich ausschließlich mit weiterer Kunst beschäftigen.
Aber ich habe bemerkt, dass mir eine solche Wahl nicht offen steht. Wahrscheinlich ist es großer Luxus, sich als Künstler*in selbst die Themen zu stellen, denen sich gewidmet wird, gleichsam jenen Menschen, die mit der Wahl gesegnet wurden, sich zu bewegen oder nicht.
Ich hatte kein Recht, in dem Land meiner Geburt Wurzeln zu schlagen.
Es gab sicherlich viele Gründe, warum ich mein instabiles Heimatland Süd Korea verließ, das nach der japanischen Kolonialzeit im Kalten Krieg entstanden war. Da war mein Vater, der in einer abgelegenen Lehmhütte am Rande des Hungertods aufwuchs und über 85 Stunden pro Woche für Samsung arbeiten musste. Da waren auch die Leiden meiner Mutter, die in einem entlegenen Bergdorf ohne Strom geboren wurde und die Schule nie abschließen konnte, weil sie ihre sechs Geschwister ernähren und Vieh hüten musste. Dieser Zeitgeist wird in den Texten von „To Mother“ deutlich, einem Lied der K-Pop-Gruppe G.o.d aus dem Jahr 1999 (schon ihr Bandname ist unverkennbar koreanisch; in Europa, wo der Monotheismus ernst genommen wird, hätten sie es nicht gewagt, einen solchen Namen zu verwenden).
Die Nachkommen jener, die vor der japanischen Herrschaft nach China und in die Mandschurei flohen, um für Koreas Unabhängigkeit zu kämpfen, die eisige Kälte ertrugen und nie zurückkehrten, betreiben heute in Korea Jajangmyeon-Restaurants als „Gastarbeiter“, als billige Arbeitskräfte und oft illegal.
„Zhajiangmian“, ursprünglich ein Gericht aus der chinesischen Provinz Shandong, wurde von ihnen zu koreanischem Jajangmyeon weiterentwickelt. Ihre Nachkommen, bekannt als „Joseonjok“, haben die verschiedenen schwierigen Aufgaben übernommen, die zur schillernden Entwicklung der koreanischen Gesellschaft beigetragen haben. Die “joseonjok” Männer, die im 24-Stunden-Restaurant meiner Mutter arbeiteten, beendeten ihren anstrengenden Tag vor diesen Perlenvorhängen, tranken soju, für das K-Pop-Sängerin Werbung machten, und hörten bis zum Morgengrauen laute K-Pop-Musik.
Vielleicht werden diese unsichtbaren Geschichten von den glitzernden Perlenvorhängen verborgen, die zwischen den Küchen und den Gästen unzähliger „chinesischer Restaurants“ hängen?
Text: Mizi Lee
Obsessive listening is embodied listening, it’s listening with the brain, it’s listening and memorizing, it’s repetition.
Klänge, Stücke, Tonabfolgen und Harmonien lagern sich im inneren Ohr ab und es entsteht eine Verbindung, die körperlich ist und die Wahrnehmung verändert – wenn ein Stück oder ein Song die richtige Frequenz hat, höre ich es immer wieder, bis es ein Teil von mir ist, oder ich ein Teil des Stücks –
Liv Rahel Schwenk lädt die Teilnehmenden ein, sich auf obsessive listening einzulassen, und teilt, welche Rolle Wiederholung und Körperlichkeit in ihrer Arbeit mit regelbasierten Zeichnungen, Performance und Video spielt.
Das ist der achte Termin der Veranstaltungsreihe “Listening Sessions” im Tonstudio des Künstlerhauses. Dazu werden Künstler*innen eingeladen, ihre Musik mitzubringen, die sie inspiriert, prägt und begleitet. Gemeinsam werden diese im Tonstudio angehört. Die regelmäßig stattfindende Reihe bietet Raum, um sich über klangliche Einflüsse und persönliche Verbindungen zur Musik auszutauschen. Konzipiert wurde diese Veranstaltungsreihe von Lena Meinhardt, Künstlerin und Leiterin der Audiowerkstatt des Künstlerhauses.
Anmeldung unter audio@kuenstlerhaus.de
Vorstellungs- und Gesprächsveranstaltung für das Künstler-Buch-Projekt RECOMPOSED VOLUME 3
Freitag, 10. April 2026, 19 Uhr, 3. OG
Mit der Herausgabe von RECOMPOSED VOLUME 3 erreicht das Buchprojekt um den Bildhauer Walter Proft seinen vorläufigen Abschluss. Der Abend eröffnet einen Einblick in die Entstehung dieses langfristig angelegten künstlerischen Vorhabens und in die Frage, wie sich „skulpturales Denken“ im Medium des Buches fortsetzt. Im Gespräch mit beteiligten Autorinnen und Autoren wird VOLUME 3 erstmals im Zusammenhang der vorangegangenen Publikationen vorgestellt. Das Künstlerhaus Stuttgart wird dabei zum Resonanzraum für ein Projekt, das sich zwischen Virtualität, künstlerischer Forschung und Buchform bewegt.
Ein Projekt von Mark-Steffen Bremer (S.A.C. modellers club) mit Beiträgen von Ulrich Bernhardt, Herman Degel, Kurt Grunow, Till-Quirin Haidlauf, Andreas Ilg, Marcus Neufanger, René Neugebauer, Wolfgang Neumann, Norbert Prothmann, Susann Rasper, Cornelia Sattelmacher, Roland Schupp, Hubert Sowa, Ingrid Stankovic, Rhea Thönges-Stringaris, Andres Veiel, Harry Walter, Karoline Walter, Uli Wegenast, Bianca Weissinger und Christoph Ziegler.
S.A.C. modellers club
Das Künstler-Buch-Projekt der RECOMPOSED-Reihe (Volume 1, Volume 2 & Volume 3 )ist die letzte Ausprägung eines in den frühen 80er-Jahren des 20. Jh. entwickelten künstlerischen Ansatzes, welcher im Laufe der Zeit vielfältige Gestaltungs-und Emanations-Formen angenommen hat.
Möglicherweise war das im Künstlerhaus Stuttgart 1981 stattgefundene „KONZIL“ ein Auslöser dafür, von einer „Künstler-Persönlichkeit“ Namens Mark-Steffen Bremer im engeren Sinne abzusehen, und auf eine betitelte „künstlerische Organisationsform“ zu setzen. Das war zunächst das „SIMULATION ART CAMP“ = S.A.C. und dann schon sehr bald der MODELLERS CLUB.
Programmatisch/thematisch war damit eine langfristige Möglichkeit gesetzt, innerhalb der bildenden Kunst „MODELL-VOSTELLUNGEN“ zu untersuchen.
Am augenscheinlichsten geschah dies in den 90er-Jahren mit ca. 25 Performance-Arbeiten des S.A.C. modellers club in enger Zusammenarbeit mit Anna Weber, Stephan Thomas und Uli Wegenast. In arbeitsteiligen Strategien wurden „liturgische“ Handlungen, Sound-tracks, Raum-Installationen, Text/Theorie, szenische Ablauf-Choreographien fusioniert. Es ist nicht falsch dabei an „Gesamt-Kunstwerke“ zu denken.
Dieser kollektive Ansatz spiegelt sich auch im RECOMPOSED-Projekt, welches 30 Autorinnen und Autoren versammelt und in diesen personellen Konstellationen, die Möglichkeiten des „Alt“-Mediums BUCH auslotet.
Mark-Steffen-Bremer war von 1988 bis 1992 Atelierstipendiat im Künstlerhaus Stuttgart.
16:00–17:30 Uhr
Wer spricht, wenn wir an jüdische Opfer des Khurbns erinnern? Im Mittelpunkt dieses Workshops steht ein satirischer Text aus Oyf der fray, der jiddischsprachigen Zeitschrift des DP-Lagers Stuttgart – geschrieben von Menschen, die soeben den nationalsozialistischen Genozid überlebt hatten und sich nun mit schwarzem Humor über die Frage beugten, was ein „DP“ — ein Displaced Person — eigentlich sei. Der Text erschien 1946, wenige Monate nach der Erschießung Shmuel Dancygers durch die deutsche Polizei, und ist ein ebenso witziges wie scharfes Dokument jüdischer Selbstbehauptung. Seine gemeinsame Lektüre und Diskussion wird zum Ausgangspunkt für grundsätzliche Fragen: Wie können die Stimmen der Überlebenden in der Erinnerungskultur tatsächlich zu Wort kommen und was sagen uns diese Stimmen, wenn wir ihnen wirklich zuhören, über die Fallstricke einer Gedenkkultur, die Jüdinnen und Juden allzu leicht auf ihre Opferschaft reduziert? Der Workshop beschließt das Programm und lädt zu einer gemeinsamen Reflexion über die grundlegenden Fragen ein, die es durchziehen.
Tal Hever-Chybowski ist Wissenschaftler, Kulturaktivist und Künstler mit Spezialisierung auf Jiddisch und jüdischer Kultur. Von 2014 bis 2025 leitete er das Pariser Jiddisch-Zentrum — Medem-Bibliothek. Seit 2025 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Judaistik / Jüdische Studien der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Er unterrichtete jiddische Sprache und Literatur am YIVO Institute for Jewish Research (New York), dem Yiddish Book Center (Amherst, Massachusetts), der Freien Universität Berlin, der Université libre de Bruxelles, der Universität Basel, der Universität Mannheim und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Er gab Daniel Boyarins A Talmud: a Personal Take (Mohr Siebeck, 2017) sowie die Zeitschriften Mikan Ve’eylakh, Der Yidisher Tam-Tam und Netivot Olam heraus. Als Autor und Übersetzer publiziert er in mehreren Sprachen. Er ist zudem als Regisseur und Schauspieler aktiv und wirkte mit in Unorthodox (Netflix, 2020), Jacob Jacobson (Theater der Unterdrückten, Paris, 2021) und Transatlantic (Netflix, 2023).
Anmeldung zum Walk Workshop mit Tal Hever-Chybowski im Künstlerhaus Stuttgart.
info@stuttgart-reinsburgerstrasse.de
Am 4. April 1946, eine Woche nach Shmuel Dancygers Tod, organisierten die Displaced Persons große Proteste, mit denen sie gegen die deutsche Polizeigewalt demonstrierten. In einem gemeinsamen Walk entlang ihrer Route informieren Ann-Kathrin Müller und Judith Engel über Shmuel Dancygers Geschichte, das Leben im Displaced-Persons-Center Stuttgart-West und den oft vergessenen Widerstand und die Wut der DPs.
Anmeldung zum Walk mit Ann-Kathrin Müller und Judith Engel
info@stuttgart-reinsburgerstrasse.de
Treffpunkt: Reinsburgstraße 208 B
Mit „STUTTGART, 1946³“ setzen die Künstlerin Ann-Kathrin Müller und die Autorin Judith Engel die Reihe „STUTTGART,“ zur Geschichte des ehemaligen Displaced-Persons-Centers in der Reinsburgstraße in Stuttgart-West fort. Die Reihe startete 2024 mit der Summer School „STUTTGART, Reinsburgerstrasse¹“ und war ausschlaggebend für die Benennung des Shmuel-Dancyger-Platzes 2025.
Ein ausführliches Programm findet sich hier.
Mit der Audio-Installation „Hejst dos Bafrajung?!“ auf dem Shmuel-Dancyger-Platz sowie einem diskursiven Vermittlungsprogramm verbindet „STUTTGART, 1946³“ historische Ereignisse mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen. Wie können Orte, Jahrestage und Denkmäler zu Ausgangspunkten einer lebendigen Auseinandersetzung mit Gegenwart werden? Wie lässt sich verhindern, dass antisemitische und rassistische Gewalt als „Vergangenheit“ historisiert wird?
Mit einer Audio-Installation, einem Workshop und einem Walk. Mit Tal Hever-Chybowski, Sharon Brauner, Hershl Grant, Eva Dörr, Simon Heinze, Lena Meinhardt, Ann-Kathrin Müller und Judith Engel.
Mit „STUTTGART, 1946³“ setzen die Künstlerin Ann-Kathrin Müller und die Autorin Judith Engel die Reihe „STUTTGART,“ zur Geschichte des ehemaligen Displaced-Persons-Centers in der Reinsburgstraße in Stuttgart-West fort. Die Reihe startete 2024 mit der Summer School „STUTTGART, Reinsburgerstrasse¹“ und war ausschlaggebend für die Benennung des Shmuel-Dancyger-Platzes 2025.
Programm
Sonntag, 29. März 2026
Ort: Shmuel-Dancyger-Platz
14:00 Uhr Begrüßung
14:30 Uhr “Hejst dos Bafrajung?!”, Audio-Installation
15:30 Uhr Nachgespräch
Samstag, 04. April 2026
Ort: Reinsburgstraße 208 B
13:00 Uhr “Der protest miting fun der jidiszer bafelkerung”, Quartiersrundgang mit Ann-Kathrin Müller und Judith Engel
Ort: Shmuel-Dancyger-Platz
14:00 Uhr Einführung
14:30 Uhr “Hejst dos Bafrajung?!”, Audio-Installation
Ort: Künstlerhaus Stuttgart, Reuchlinstraße 4b
16:00 Uhr „Was sind wir?“ – Eine jiddische Stimme aus dem DP-Lager Stuttgart, Workshop mit Tal Hever-Chybowski im Künstlerhaus Stuttgart
Anmeldung zum Walk mit Ann-Kathrin Müller und Judith Engel sowie zum Workshop mit Tal Hever-Chybowski
info@stuttgart-reinsburgerstrasse.de
Das vollständige Programm finden Sie unter
stuttgart-reinsburgerstrasse.de
Eine Veranstaltung von Ann-Kathrin Müller und Judith Engel in Kooperation mit dem Künstlerhaus Stuttgart auf dem Shmuel-Dancyger-Platz.
“STUTTGART, 1946³“ wird vom Fachbereich Kunst im öffentlichen Raum des Kulturamts Stuttgart sowie von der Berthold Leibinger Stiftung und der LBBW-Stiftung gefördert.
³ „?! שטוטגרט 29.3.1946 הייסט דאס באפרייונג“ fragt der jiddische Titel eines Plakats, das sich heute im YIVO-Archiv in New York befindet. In lateinische Buchstaben übersetzt steht dort „STUTTGART, 29.03.1946 Hejst dos Bafrajung?!“ (dt.: „Nennt man das Befreiung?!“). Das Plakat zeigt Schwarz-Weiß-Aufnahmen einer Razzia, bei der die deutsche Polizei am 29. März 1946 gewaltsam in das Displaced-Persons-Center Stuttgart West eindrang. Dort waren zwischen 1945 und 1949 über tausend polnisch-jüdische Displaced Persons untergebracht, die den nationalsozialistischen Genozid an den europäischen Juden überlebt hatten. Eine der abgebildeten Fotografien zeigt den Leichnam Shmuel Dancygers, der im Verlauf der Razzia erschossen worden war. In der Frage „Hejst dos Bafrajung?“ verdichtet sich das Entsetzen der Displaced Persons über die deutsche Polizeigewalt, die nach der offiziellen „Befreiung“ durch die Alliierten, den nationalsozialistischen Faschismus fortzusetzen scheint.
Am Samstag 21. März 2026 von 18–1 Uhr gibt es die Möglichkeit, auf den vier Etagen des Künstlerhaus an verschiedenen Programmpunkten der Langen Nacht der Museen teilzunehmen:
Werkstätten im Erdgeschoss:
18–1 Uhr
Offene Keramik- und Druckwerkstätten
19–21 Uhr
Book Release mit Thora Gerstner
Die Künstlerin Thora Gerstner stellt ihr neues Künstler*innenbuch vor – Fragmente des öffentlichen Raumes, gebündelt in limitierter Siebdruckauflage, entstanden im Künstlerhaus Stuttgart.
Werkstätten auf der 1. Etage:
18–1 Uhr
Offene Audiowerkstatt mit Beiträgen ihrer Nutzer*innen: Émilie Bovigny, Elisabeth Haselberger, Heide Both, Lena Meinhardt, Leonie Klöpfer & Ivo Hagenmaier, Liv Rahel Schwenk, Nina Welte, Paco Ladrón de Guevara
18–1 Uhr
Offenes Fotolabor
2. Etage:
18–19 Uhr
Stones in Our Phones
Workshop mit Maja Van Der Velden
Unter der Anleitung von Maja Van Der Velden zerlegen die Teilnehmer*innen alte Smartphones in ihre Bestandteile und gehen deren mineralischen Komponenten auf den Grund.
Um vorherige Anmeldung wird gebeten.
21–22:30 Uhr
Wine Tasting
mit Hannah Liya & Sophia Sadžakov
Die Künstlerinnen und Winzerinnen Hannah Liya und Sophia Sadžakov stellen ihre Arbeit mit über 100 Jahre alten Trollinger-Reben vor, die auf steilen Terrassenhügeln über dem Neckar in Ludwigsburg wachsen.
Um vorherige Anmeldung wird gebeten. (Der Workshop ist auf maximal 30 Teilnehmer*innen begrenzt.)
3. Etage:
18–1 Uhr
Sonderausstellung:
WHAT DO PEOPLE DO ALL NIGHT?
Die Atelierstipiendat*innen Tyler Cunningham, Liv Rahel Schwenk und Marcela Majchrzak mit Jonas Bolle & Reinhold Buhr zeigen in der Atelieretage Installationen, ortsspezifischen Aktivierungen und Performances.
4. Etage:
18–1 Uhr
Atmosphäre:
anima ona: Terra Alchimia – Eine Landschaft im Werden
Mit „Terra Alchimia – Eine Landschaft im Werden“ schaffen Freia Achenbach & June Fàbregas (anima ona) im Künstlerhaus Stuttgart eine Atmosphäre, in der drei Zustände des Erdseins miteinander in Beziehung treten. Anima ona verbinden hierbei ihre fortlaufenden Rechercheprojekte zur Transmutation von Erden und Gesteinen, zur Vegetation im urbanen Raum sowie zur Nutzung agrarischer Nebenprodukte zu einer räumlichen Erzählung über Materialkreisläufe, Wachstum und Vergänglichkeit.
20 Uhr
Kurator*innenführung durch die Atmosphäre mit Tamarind Rossetti und Stephen Wright
22, 23 und 0 Uhr
Führungen durch die Atmosphäre mit den Künstler*innen
Mehr Informationen zum Programm finden Sie hier
Tickets kosten 23 €, ermäßigt (Azubis, Studierende, Schüler*innen) 17 €, Kinder bis 6 Jahren haben freien Eintritt
Vorverkauf für die Lange Nacht der Museen findet ab dem 24. Februar statt, unter
www.lange-nacht.de, unter der Ticket-Hotline 0711/60171730 und bei allen Vorverkaufsstellen in Stuttgart und der Region.
Abendkasse gibt es bei allen beteiligten Häusern. Das Ticket wird am Abend bei der ersten besuchten Einrichtung gescannt und in ein Ticketband getauscht.
Das Lange-Nacht-Ticket berechtigt ab 12 Uhr zur kostenfreien Nutzung aller Stadtbahnen, S-Bahnen und Busse im VVS-Netz.
Mehr Infos unter www.lange-nacht.de, der Info- und Tickethotline 0711/601717 30 und am LIFT-Infostand am Schlossplatz zwischen Landesmuseum/Altem Schloss und Alter Kanzlei (ab 21.03. ab 15 Uhr)
Hast du dir jemals Gedanken über die Steine in deinem Handy gemacht?
Es ist tatsächlich voller Steine!
In diesem Workshop werden wir Smartphones auseinandernehmen und sie in ihre kleinsten Bestandteile zerlegen. Dabei wird sofort deutlich, dass Mobiltelefone so konstruiert sind, dass sie schwer zu öffnen und somit schwer zu reparieren sind. Anschließend werden wir uns genauer ansehen, welche Materialien sich im Inneren verbergen, und darüber nachdenken, wie sie dorthin gekommen sind – hier treffen Technologie, Geologie und Geopolitik aufeinander.
Die Teilnehmer*innen tauchen in die Materialbibliothek der Steine ein, die alle bei der Herstellung von Smartphones verwendeten Mineralien enthält und kartieren gemeinsam die Steine mit den in den Handys enthaltenen Komponenten und ihren Abbauorten auf der ganzen Welt.
Über die Künstler*innen:
Dr. Maja van der Velden ist Künstlerin und Professorin für Technologie und nachhaltige Zukunft an der Universität Oslo. Als Direktorin des Nachhaltigkeitslabors der Universität leitet sie auch das Projekt „Circular Energy“. Ihre aktuelle Forschung, geprägt von kritischer Informatik, feministischer Technowissenschaft und sozioökologischem Systemdenken, konzentriert sich auf die Umnutzung digitaler Technologien, digitales Degrowth, (große) Technologieunternehmen und internationale Verbrechen. Durch ihre Projekte, Forschungen und Kooperationen untersucht sie die sozialen und ethischen Auswirkungen von Technologiedesign und -nutzung. Zusammen mit Andrea Gasparini ist sie Mitbegründerin der Materials Library of Minerals.
Dr. Andrea Gasparini ist Künstler und leitender Bibliothekar an der Bibliothek der Universität Oslo. Zusammen mit Maja van der Velden ist er Mitbegründer der Materials Library of Minerals, einer mobilen Sammlung von Gesteinen, die in Schlüsseltechnologien zu finden sind: Smartphones, Laptops, Rechenzentren, Sensoren, Windkraftanlagen, Sonnenkollektoren und Batterien. Indem die Bibliothek diese Erdteilchen greifbar macht, verdeutlicht sie ihre Verbindungen sowohl zu den Menschen als auch zum Planeten, mit dem Ziel, politische Entscheidungsträger*innen, Forscher*innen, Designer*innen, Ingenieur*innen und die Öffentlichkeit dazu anzuregen, sich mit den sozialen und ökologischen Auswirkungen der Digitalisierung und der Umstellung auf saubere Energie auseinanderzusetzen.
Teilnahme
Der Workshop findet im Rahmen der Langen Nacht der Museen statt. Um eine vorherige Anmeldung per E-Mail an ll@kuenstlerhaus.de wird gebeten. (Der Workshop ist auf maximal 20 Teilnehmer*innen begrenzt.) Zur Teilnahme ist ebenfalls ein gültiges Ticket der Langen Nacht der Museen erforderlich, das unter www.lange-nacht.de, über der Ticket-Hotline 0711/60171730 und bei allen Vorverkaufsstellen in Stuttgart und der Region erworben werden kann.
Die Materialbibliothek, erstellt von Maja van der Velden und Andrea Gasparini, ist eine mobile Sammlung jener Mineralien – oder, einfacher gesagt, jener Steine –, die in den Schlüsseltechnologien unserer Gegenwart enthalten sind: Smartphones, Laptops, Rechenzentren, Sensoren, Solarpanels und Batterien. Indem sie diese Stückchen Erde greifbar macht, verweist die Bibliothek auf ihre Verflechtungen mit ihrer Gebrauchskraft – mit Menschen ebenso wie mit dem Planeten – und lädt dazu ein, die sozialen und ökologischen Auswirkungen sowohl der Digitalisierung als auch der Energiewende kritisch zu reflektieren. Aktiviert wird die Materialbibliothek durch sogenannte Geo-Tech-Workshops. In diesen zerlegen die Teilnehmenden alltägliche digitale Geräte sorgfältig, identifizieren die Steine, die ihre Funktionsweise ermöglichen, und verorten sie sowohl innerhalb der digitalen Schaltkreise als auch auf einer erweiterten geopolitischen Landkarte. So eröffnen sich Gespräche über die komplexen Wege, auf denen diese Materialien in unsere Geräte gelangen.
Neben der Materialbibliothek in ihrer physischen Form existiert eine digitale Version, die rund vierzig Materialien der physischen Sammlung auch online zugänglich macht und sie um jene Stoffe ergänzt, die sich nicht in den Vitrinen aufbewahren lassen. Anstatt die Einträge nach Stoffgruppe zu ordnen, nähert sich die Digitale Materialbibliothek jedem Mineral über zentrale Fragestellungen: Wie selten ist es? Wie wichtig ist es? Aus welchem Erz wird es gewonnen? Daraufhin wird aufgezeigt, welche Technologien von den jeweiligen Mineralien abhängen.
Die Erde ist untrennbar mit dem Code verbunden, der sie belebt. Jede Straße, jede Lieferkette, jeder Social-Media-Feed und jedes Klimamodell ist ein Code/Space – ein Ökosystem, in dem digitaler Code und physische Materialien in ständigem Austausch stehen und sich gegenseitig formen und hervorbringen. Unsere Freundschaften, Feindschaften und Gespräche werden von Social-Media-Plattformen geprägt; Geld und Märkte operieren mit blitzschnellen Trading Apps; große Rechnersimulation prognostizieren, wie sich unser heutiges Handeln morgen auf den Planeten auswirken wird. Doch das Digitale ist stets materiell. Jeder Wisch, jede Simulation beruht auf Kilometern an Glasfaserkabeln, Megawatt an Elektrizität und Tonnen von Gestein. Der ökologische Fußabdruck der Cloud-Infrastruktur macht deutlich, dass die vermeintliche Entmaterialisierung der Digitalisierung immer in Minen, Bohrlöchern, Kraftwerken und Energienetzen verankert bleibt, die Ressourcen aus der Erde herausziehen und die Systeme am Laufen halten. Es ist entscheidend, die materielle Verflechtung zwischen den metabolischen Rhythmen des Menschen und denen der Erde, also ihrer Steine und Böden, zu verstehen. Dadurch lässt sich den reifizierenden Bann des menschlichen Exzeptionalismus brechen. Eine wesentliche Dimension jeder New Georgics.
20. 03. 2026, 2. OG
Materialkompetenz und eine Bibliothek aus Steinen:
mit Maja van der Velden & Andrea Gasparini
Artist Talk 18-18:30 Uhr
Workshop 18:30-20 Uhr
Nach jahrelanger Arbeit an der Schnittstelle zwischen Design, Technologie und Gesellschaft, interessieren sich Maja van der Velden und Andrea Gasparini zunehmend für die Materialien in unseren digitalen Geräten und Energiehardware. Woher kommen sie? Was ist ihre Geschichte? Und was ist die Geschichte der Menschen, die sie abbauen und für die Herstellung unserer Technologien vorbereiten? Wohin gehen sie, wenn wir zu neueren Technologien übergehen?
Ein Ergebnis dieser Reise ist ihre Materialbibliothek für Steine. Sie enthält die meisten Mineralien, die für die Energie- und Digitalwende – die berühmte „Twin Transition“ – benötigt werden. Das Ziel ihrer Materialbibliothek ist es, den Wissensmangel in Bezug auf Materialien zu beheben und die Beziehungen zwischen Mensch und Stein zu erforschen.
Der Workshop im Anschluss an den Artist Talk ist auf maximal 20 Teilnehmer*innen begrenzt. Die Teilnehmer*innen werden gebeten, ein altes Handy mitzubringen, das unter Anleitung von Maja und Andrea zerlegt wird. Dabei werden die einzelnen Bestandteile bis zu den Mineralien in der Materialbibliothek zurückverfolgt. Um eine vorherige Anmeldung per E-Mail an ll@kuenstlerhaus.de wird gebeten.
Über die Künstler*innen:
Dr. Maja van der Velden ist Künstlerin und Professorin für Technologie und nachhaltige Zukunft an der Universität Oslo. Als Direktorin des Nachhaltigkeitslabors der Universität leitet sie auch das Projekt „Circular Energy“. Ihre aktuelle Forschung, geprägt von kritischer Informatik, feministischer Technowissenschaft und sozioökologischem Systemdenken, konzentriert sich auf die Umnutzung digitaler Technologien, digitales Degrowth, (große) Technologieunternehmen und internationale Verbrechen. Durch ihre Projekte, Forschungen und Kooperationen untersucht sie die sozialen und ethischen Auswirkungen von Technologiedesign und -nutzung. Zusammen mit Andrea Gasparini ist sie Mitbegründerin der Materials Library of Minerals.
Dr. Andrea Gasparini ist Künstler und leitender Bibliothekar an der Bibliothek der Universität Oslo. Zusammen mit Maja van der Velden ist er Mitbegründer der Materials Library of Minerals, einer mobilen Sammlung von Gesteinen, die in Schlüsseltechnologien zu finden sind: Smartphones, Laptops, Rechenzentren, Sensoren, Windkraftanlagen, Sonnenkollektoren und Batterien. Indem die Bibliothek diese Erdteilchen greifbar macht, verdeutlicht sie ihre Verbindungen sowohl zu den Menschen als auch zum Planeten, mit dem Ziel, politische Entscheidungsträger*innen, Forscher*innen, Designer*innen, Ingenieur*innen und die Öffentlichkeit dazu anzuregen, sich mit den sozialen und ökologischen Auswirkungen der Digitalisierung und der Umstellung auf saubere Energie auseinanderzusetzen.
Das Künstlerhaus Stuttgart sucht zum 1. Juni 2026 eine hochmotivierte und vielseitig begabte Person, die unser Team in Teilzeit verstärkt und die künstlerische Leitung bei unterschiedlichen praktischen Arbeiten, wie der Installation- und Deinstallation von Projekten und Ausstellungen im Rahmen ihres künstlerischen Programms Farm Everything! unterstützt.
Der Minijob ist mit einem Umfang von 32h/Monat vorgesehen und erfordert ein gewisses Maß an Flexibilität je nach Programmbedarf. Gelegentlich kann Abend- und Wochenendarbeit erforderlich sein. Das künstlerische Programm basiert auf einer besonders weit gefassten Definition von Landwirtschaft, und eine gemeinschaftliche, zupackende, am Ackerbau orientierte Grundhaltung ist wichtig.
In dieser Position arbeiten Sie eng mit der künstlerischen Leitung, der kuratorischen Assistenz, der technischen Leitung und dem Aufbauteam zusammen: bei der Beschaffung und dem Transport von Materialien sowie bei Aufbau, Installation und Deinstallation. Ihre Aufgaben können so unterschiedliche Arbeiten beinhalten, wie das Pflücken von Äpfeln, das Abfüllen von Wein oder den Bau einer Hütte in der Galerie. Die/der ideale Kandidat*in arbeitet gerne in einer Kunstinstitution, hat eine zupackende Arbeitseinstellung, hat handwerkliches Geschick, ist erfahren im Umgang mit Werkzeugen, kann improvisieren und ad hoc Lösungen finden. Außerdem arbeitet sie/er gerne praktisch mit Künstler*innen an experimentellen und neuartigen Projekten. Neben Deutsch sollte Englisch in Schrift und Wort beherrscht werden. Darüber hinaus wäre ein Führerschein (Klasse B) wünschenswert.
Die Vergütung beträgt 560 Euro bei 32h/Monat auf Minijob-Basis.
Sie sind interessiert? Dann freuen wir uns auf Ihre Bewerbung!
Bitte senden Sie diese zusammengefasst in einem PDF bis zum 12. April 2026 an bewerbung@kuenstlerhaus.de.
Vorstellungsgespräche finden voraussichtlich am 29. April statt.
14:00–20:00 Uhr
Die Druckwerkstätten öffnen ihre Türen am Tag der Druckkunst.
Unter Anleitung können Besucher*innen selbst kleine Motive drucken und die Werkstatt als offenen Raum für Druckkunst erleben. Einblicke gibt es unter anderem in die Siebdruck- und Hochdruckwerkstatt.
Bundesweit zeigen rund um den 15. März Künstler*innen, Druckwerkstätten, Museen, Hochschulen, Kunstvereine und andere Akteur*innen, wie lebendig die Druckkunst ist: von den traditionellen Techniken bis zur experimentellen Druckkunst.
Weitere Informationen zum bundesweiten Tag der Druckkunst finden Sie hier.
In der 51. Dienstags-Werkstatt stellt Eunyoung Bae ihre Arbeit Salted Burden vor.
Ausgangspunkt der Installation ist ein gebrauchter Reitsattel, der frei im Raum gespannt wird und von beiden Seiten sichtbar ist. Als Objekt zwischen Mensch und Tier wird der Sattel zur Kontaktzone – einer Fläche, auf der sich Bewegung, Gewicht und Dynamik kennzeichnen.
Die Künstlerin formt die Reibungsfläche zwischen Pferd und Sattel aus einmalig bei hoher Temperatur gebranntem Ton und behandelt sie dann wiederholt mit Salzwasser. Durch den Prozess des Trocknens und erneuten Auftragens entstehen sichtbare Kristallspuren. Das Salz zeigt sich als materieller Rückstand und fungiert als Zeichen von Schweiß, Energieverlust und Kreislauf.
Im Zentrum der Arbeit steht das Interesse an Kreisläufen: an Prozessen von Verdunstung, Ablagerung und Transformation. Salted Burden macht diese unsichtbaren Vorgänge sichtbar und versteht Salz als Indikator für Austauschprozesse zwischen Körpern – menschlichen wie nicht-menschlichen.
Im Anschluss laden wir zum gemeinsamen Gespräch und Austausch ein.
Dienstags-Werkstatt
Mit der Dienstags-Werkstatt lädt das Künstlerhaus Künstler*innen oder Kollektive ein, über ihre Arbeitsweisen, Hintergründe und Vorgehensweisen zu sprechen. Wir wollen eine Plattform etablieren, in der sich intensiver zur künstlerischen Praxis ausgetauscht wird und uns so vernetzen, solidarisieren und gegenseitig stärken. Die Reihe richtet sich an alle Mitglieder des Künstlerhaus Stuttgart, an Künstler*innen aus Stuttgart und Umgebung, oder auf der Durchreise, an alle Kunstvermittler*innen, Kurator*innen, Kulturschaffende usw. und ist offen für alle!
11:00–15:00 Uhr
Begleite das multidisziplinäre Duo anima ona (Freia Achenbach & June Fàbregas), wenn sie ihren Steinbrecher anwerfen und zu praktischen Experimenten mit der Umwandlung von Erde, Steinen und landwirtschaftlichen Nebenprodukten in neue nachhaltige Baumaterialien einladen.
Der Workshop eröffnet einen Raum für praktisches Experimentieren und geteiltes Forschen und gibt Einblicke in anima onas fortlaufende Rechercheprojekt zur Transmutation von Erden und Gesteinen mittels Geopolymer-Technologie. In einem alchemistischen Transformationsprozess entstehen neue Gesteinsformen, die Hyperlokalität, Geodiversität und Materialvielfalt sichtbar machen.
Bringe gerne eigene Steine mit.
Der Workshop ist auf maximal 8 Teilnehmer*innen begrenzt.
Anmeldung unter ll@kuenstlerhaus.de (Update: Wir bedanken uns herzlich für das große Interesse und die zahlreichen Anmeldungen. Der Workshop ist inzwischen vollständig ausgebucht. Da die Plätze begrenzt sind, senden Sie uns bitte eine E-Mail an ll@kuenstlerhaus.de, falls Sie teilnehmen möchten. Wir melden uns bei Ihnen, sobald ein zusätzlicher Platz verfügbar ist.)
Der 24-minütige Kurzfilm Glimmendes Gleichgewicht: Eine reale Fiktion über Unreal Estate und den Wert des Landes zeigt, wie sich die Protagonistin im Laufe von 2 Jahren durch agro-kulturelle Strukturen manövriert und an einem Standort Wurzeln schlägt, an dem zu wachsen einen emanzipatorischen Wert hat.
Der 830qm große Extremstandort ist nicht nur für die Protagonistin ein Ort um radikal zu imaginieren. Er ist auch Heimat für viele wärmeliebende, bedrohte Arten. Sie und der Ort verwaₛchₛen.
Flüssigkeiten, Gase, Energien, Bilder und darüber hinausgehendes verbinden die Körper. Der Erhalt des Habitats und die Integrität der Protagonistin stehen in untrennbarer und wechselseitiger Abhängigkeit.
Außer einer Szene filmte Hannah Liya mit dem Handy und aus der Hand.
Was zu sehen ist, liegt ihr sehr nah und ist fast real.
Regie/Kamera 1: Hannah Liya
Kamera 2: Marius Schwingel
Speaker 1: Eberhardt Simon
Speaker 2: Hannelore Oetinger
Speaker 3: Irene Baumann
Nachrichtensprecherin: Hanna Araujo Ulmer
Das Filmscreening ist offen für alle und die Teilnahme ist kostenlos. Das Event findet im 2. OG beim Künstlerhaus Stuttgart statt.
Wir fragen eine Krankenpflegerin, welche Rolle riechen und schmecken in der Pflege spielt. Sie klatscht in die Hände und ruft: „Darüber könnte ich ein ganzes Buch schreiben!” Sie listet uns Gerüche auf und führt uns an ihrer Nase herum.
Wir, das sind die Künstlerinnen Hannah Liya und Sophia Sadžakov, wollen euch eng an unseren Nasen und Zungen durch die Zusammenhänge des vergangenen Wein- und Pflegejahrs 2025 führen. Beim gemeinsamen Schmecken und Riechen trainieren wir zentrale Instrumente der Pflege. Wir haben nämlich auch einen Pflegeauftrag zu erfüllen: Wir pflegen die terrassierte weinbauliche Landschaft entlang des Neckars bei Ludwigsburg-Hoheneck.
Die Weine verstehen wir dabei als Zeugnisse, die der Wein uns über unsere Landschaftspflege ausstellt.
Als letzten Teil der Verkostungs-Übungen wird jede*r eine eigene Mikro-Cuvée mischen.
- Vernissage: Samstag 14.02.2026, 19 Uhr, 2. OG
Als Vorgeschmack auf die kommenden Workshops wird der Merlot 2025 der Künstlerinnen ausgeschenkt.
- Tasting-Workshop I: Samstag, 7. März 2026, 17-19 Uhr, Anmeldung (Die Anmeldung ist abgeschlossen.)
- Tasting-Workshop II: Samstag, 21. März 2026, 21-22:30 Uhr, Anmeldung (Die Anmeldung ist abgeschlossen.)
Jeder Workshop ist auf maximal 30 Teilnehmer*innen begrenzt. Zur Teilnahme ist ein gültiges Ticket der Langen Nacht der Museen erforderlich, das online oder im Vorverkauf während der Büroöffnungszeiten im Künstlerhaus Stuttgart erworben werden kann.
Zum nächstmöglichen Zeitpunkt sucht das Künstlerhaus Stuttgart eine*n Werkstudent*in als Assistenz der Geschäftsführung (m/w/d) in Teilzeit (40 %, 16 Stunden pro Woche).
Ihre Aufgaben
- Unterstützung der Geschäftsführung im operativen Tagesgeschäft
- Mitarbeit in der Verwaltung und Organisation von Vereinsaufgaben (u. a. Vor- und Nachbereitung von Gremiensitzungen, Recherchen, Korrespondenz, Terminorganisation)
- Mitarbeit in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (Pflege der Website, Betreuung der Social-Media-Kanäle, Newsletter, Pressemappen)
- Unterstützung im Bereich Fundraising und Fördermittelverwaltung
- Mitarbeit bei der Planung, Organisation und Realisierung von Veranstaltungen und Vermittlungsformaten
Ihr Profil
- Eingeschriebenes Studium in Kunst- und/oder Kulturwissenschaften, Kulturmanagement oder einem vergleichbaren Studiengang
- Erste Erfahrungen im Kunst- oder Kulturbereich sind von Vorteil
- Sehr gute Organisations- und Koordinationsfähigkeiten
- Schnelle Auffassungsgabe, Eigeninitiative und Kreativität
- Selbstständige, strukturierte und zuverlässige Arbeitsweise
- Sehr gute Deutschkenntnisse sowie fließende Englischkenntnisse in Wort und Schrift
- Sicherer Umgang mit gängigen Office-Anwendungen; Kenntnisse in WordPress und Adobe InDesign sind wünschenswert
- Flexibilität und Bereitschaft, bei Veranstaltungen gelegentlich abends oder am Wochenende zu arbeiten
Wir bieten
- Eine abwechslungsreiche und vielseitige Tätigkeit in einer international vernetzten Kunstinstitution
- Einblicke in die Arbeitsfelder eines Kunstvereins und in die kulturelle Projektarbeit
- Eigenverantwortliches Arbeiten in engem Austausch mit der Geschäftsführung
- Flache Hierarchien, kurze Entscheidungswege und ein offenes, kollegiales Arbeitsumfeld
- Flexible Einteilung von Arbeitszeit und -ort nach Absprache
- Faire Vergütung in Höhe von 1.200 € brutto pro Monat (bei 16 Std./Woche)
Bewerbung
Ihre Bewerbungsunterlagen richten Sie bitte als ein zusammenhängendes PDF (max. 10 MB) bis zum 4. März 2026 per E-Mail an: bewerbung@kuenstlerhaus.de. Bewerbungsgespräche finden voraussichtlich am 16. März statt.
Nähere Auskünfte erteilt Ihnen gerne die Geschäftsführerin Juliane Gebhardt per E-Mail (jg@kuenstlerhaus.de) oder telefonisch (0711 617 652).
Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung!
Siggi Kalnbach ist einigen bekannt als langjähriger Technischer Leiter des Künstlerhaus Stuttgart. Seit über dreißig Jahren ist er im Kunst- und Kulturbetrieb tätig. Genauso lange arbeitet er an der ABK Stuttgart als künstlerisch-technischer Lehrer in den Bereichen Bühnenbild und Performance. Er gründete einen Kulturverein und war lange Zeit Leiter des Marbacher Sommertheaters.
In den letzten Jahren beschäftigt Kalnbach mehr und mehr das Thema Licht, zu dem er auch Workshops gibt. Er selbst nennt es „Untersuchungen am Bild im Bezug auf das Licht“. Daraus stellt sich für ihn die Frage, was unterscheidet Bild und Abbildung und welche Rahmung ergibt sich daraus?
Seit einiger Zeit hat er sich an das „Sortieren“ gemacht.
Das vorläufige Ergebnis stellt Siggi Kalnbach in der 50. Dienstags-Werkstatt im Künstlerhaus Stuttgart vor. Im Anschluss laden wir zum gemeinsamen Gespräch und Austausch ein.
Dienstags-Werkstatt
Mit der Dienstags-Werkstatt lädt das Künstlerhaus Künstler*innen oder Kollektive ein, über ihre Arbeitsweisen, Hintergründe und Vorgehensweisen zu sprechen. Wir wollen eine Plattform etablieren, in der sich intensiver zur künstlerischen Praxis ausgetauscht wird und uns so vernetzen, solidarisieren und gegenseitig stärken. Die Reihe richtet sich an alle Mitglieder des Künstlerhaus Stuttgart, an Künstler*innen aus Stuttgart und Umgebung, oder auf der Durchreise, an alle Kunstvermittler*innen, Kurator*innen, Kulturschaffende usw. und ist offen für alle!
„rooms, walls and corridors that sing”
Maryanne Amacher
Musiker, Performer und Live Sound Engineer Fender Schrade lädt zu einer besonderen Listening Session im Tonstudio ein. In „Fingerprints“ verschmelzen Fieldrecordings, Klangmanifestationen und die akustischen Eigenheiten der Räume zu einem gemeinsamen musikalischen Ereignis. Schrade arbeitet mit seinem Körper und versteht die Räume, in denen er agiert, als lebendige Resonanzflächen. Er nutzt diese räumlichen Ereignisse als Archiv und Spiegel seiner selbst, ein Mittel, Begegnungen mit Menschen und den Maschinen der elektroakustischen Musik erfahrbar zu machen. So entstehen intensive Begegnungen und neue Verbindungen zwischen den Menschen um ihn herum. In dieser Session öffnet Schrade nicht nur Türen zu seinen Klangwelten, sondern auch zu den Inspirationsquellen seiner Arbeit.
Das ist der siebte Termin der Veranstaltungsreihe „Listening Sessions“ im Tonstudio des Künstlerhauses. Dazu werden Künstler*innen eingeladen, ihre Musik mitzubringen, die sie inspiriert, prägt und begleitet. Gemeinsam werden diese im Tonstudio angehört. Die regelmäßig stattfindende Reihe bietet Raum, um sich über klangliche Einflüsse und persönliche Verbindungen zur Musik auszutauschen. Konzipiert wurde diese Veranstaltungsreihe von Lena Meinhardt, Künstlerin und Leiterin der Audiowerkstatt des Künstlerhauses.
Anmeldung unter audio@kuenstlerhaus.de
Mit „Terra Alchimia – Eine Landschaft im Werden“ schaffen Freia Achenbach & June Fàbregas (anima ona) im Künstlerhaus Stuttgart eine Atmosphäre, in der drei Zustände des Erdseins miteinander in Beziehung treten. Anima ona verbinden hierbei ihre fortlaufenden Rechercheprojekte zur Transmutation von Erden und Gesteinen, zur Vegetation im urbanen Raum sowie zur Nutzung agrarischer Nebenprodukte zu einer räumlichen Erzählung über Materialkreisläufe, Wachstum und Vergänglichkeit.
Durch alchemistische Materialtransformationen, Architekturfragmente und urbane Interventionen entstehen poetische wie pragmatische Visionen einer gebauten Umwelt, die Fürsorge, Vielfalt und ökologische Einbettung als räumliche Qualitäten begreift. Die Atmosphäre ist als wachsender Prozess angelegt: Ab dem 16. Januar formt sie sich über mehrere Wochen hinweg in aufeinanderfolgenden Schichten, die bis zur Vernissage am 14. Februar vollständig sichtbar werden.
Audioessay mit anschließender Präsentation von Theo Ferreira Gomes
Seit der Deregulierung globaler Finanzmärkte in den 1970er-Jahren verschmelzen ökonomischer Erfolg und „smarte“ Investmentstrategien zunehmend mit Vorstellungen individuellen Wohlbefindens. Der Audioessay »Moneyfestations« lädt in ein Spa für finanzielle Wellness ein und verbindet Sound-Healing-Technologien mit einem Begehren nach Marktdominanz. Das blubbernde Klangbad treibt langsam durch Internet-Filterblasen, Spekulationsblasen und Kryptoblasen und hüllt uns in schaumhafte Wertgefüge. Umgeben von verschiedenen Finanzsphären – KI-generierte Geldfrequenzen, Bitcoin-ASMR, Meditationsklänge für Aktientrader – verhandelt der Essay, welche Tiefenströmungen uns lenken, wenn wir in Diskurse über finanziellen Erfolg eintauchen. Durch das Einstimmen auf diese ko-isolierten Wertsysteme treten soziale Tendenzen an die Oberfläche, welche vorrangig in die Fitness der Finanzeliten investieren, während strukturelle Bedingungen von Vermögensverteilung als Hintergrundrauschen unbewertet bleiben.
Theo Ferreira Gomes (*1993, Niterói/Brasilien) ist transdisziplinärer Forscher und arbeitet an der Schnittstelle von Kuration, Community-Programmen und Musik. Seine unabhängige Forschung untersucht alternative Geldsysteme, neue Ökonomien und Finanzialisierung. Gemeinsam mit Kosmas Phan Ðinh erforscht er Widerstand an der Schwelle des Hörbaren und damit einhergehende Politiken des Schweigens. Er arbeitete u.a. mit der Akademie Schloss Solitude (art, science & business), ORNAMENTA 2024, dem Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Konstanz und der Indian Sonic Research Organisation. Von 2019 bis 2023 war er stellvertretender Vorsitzender des Leerstand als Freiraum e.V. (LAF) in Pforzheim. Derzeit ist er Stipendiat des SHIFT-Forschungsstipendiums sowie des Atelierprogramms im Künstlerhaus Stuttgart.
Dienstags-Werkstatt
Mit der Dienstags-Werkstatt lädt das Künstlerhaus Künstler*innen oder Kollektive ein, über ihre Arbeitsweisen, Hintergründe und Vorgehensweisen zu sprechen. Wir wollen eine Plattform etablieren, in der sich intensiver zur künstlerischen Praxis ausgetauscht wird und uns so vernetzen, solidarisieren und gegenseitig stärken. Die Reihe richtet sich an alle Mitglieder des Künstlerhaus Stuttgart, an Künstler*innen aus Stuttgart und Umgebung, oder auf der Durchreise, an alle Kunstvermittler*innen, Kurator*innen, Kulturschaffende usw. und ist offen für alle!
Für die Nachkriegsmoderne bildeten rationale Argumente, empirische Fakten und abstrakte Modelle den Rahmen für aufgeklärte Debatten, kollektive Beratungen und Entscheidungsprozesse in menschlichen Gemeinschaften. Es ist eine Untertreibung zu sagen, dass dieser rationalistische Bezugsrahmen heute in der Krise steckt. Während die rationale Argumentation zunehmend Schwierigkeiten hat, Menschen zum Umdenken oder Handeln zu bewegen, gewinnt das „Narrativ“ neue Bedeutung. Neben der Vernunft, dem logos, tritt der alte Modus des mythos wieder hervor – als Motor für zukunftsorientierte Veränderungen: Geschichten tragen uns in die Zukunft.
Welche Macht, welches Potenzial und welche Herausforderungen birgt das Erzählen von Geschichten für eine bessere Zukunft? Könnte eine neue Form der „Öko-Mythologie“ die Lücke zwischen Werten und Handlungen in unseren politischen Emotionen schließen? Gehört zu einer lebenswerten Zukunft die Wiederkehr neuer Waldgeister, rachsüchtiger Fluten und hybrider Wesen? Und wie sehen sie aus?
Stories for a Better Future ist ein Gemeinschaftsprojekt von ILPÖ, IZKT und Institut für Philosophie der Universität Stuttgart und dem Künstlerhaus Stuttgart. Die Veranstaltung findet im 2. Stock des Künstlerhauses Stuttgart statt.
Das Künstlerhaus lädt herzlich zum Haus Orkestra Konzert ein!
Nach einem Jahr gemeinsamen Singens und Musizierens im Künstlerhaus Stuttgart gibt das Haus Orkestra, initiiert von Monika Nuber und Natia Dikhtyar, am 9. Dezember ein Konzert. Die Sänger*innen und Musiker*innen nehmen das Publikum mit auf eine musikalische Reise mit Liedern aus Georgien, Kroatien, Nordmazedonien und Rumänien sowie weiteren Ländern. Ergänzt wird das Programm durch Stücke mit Natia Dikhtyar (Gesang), Helga Freude (Gitarre und Gesang) und Monika Nuber (Kontrabass und Gesang).
Das HAUS ORKESTRA besteht aus neuen wie erfahrenen Sänger*innen und Musiker*innen, deren Besetzung sich im Laufe des Jahres immer wieder wandelt. Im Mittelpunkt stehen mehrstimmiger Gesang und instrumentale Begleitung. Mit Leidenschaft und spielerischer Leichtigkeit leitet Natia Dikhtyar jede Session. Ziel war und ist es, neue Lieder und Musikstücke auf freudvolle Weise zu erlernen.
Über die beteiligten Künstlerinnen und Musikerinnen:
Monika Nuber ist Animatorin und Musikerin, die Bild und Klang auf kunstvolle Weise miteinander verwebt. Sie spielt Kontrabass bei Rózsák und Maslband, ist Mitglied des Jon Shit Collective und der Formation Mother Mountain (mit Johanna Mangold und Lidija Paun). Umfangreiche musikalische Erfahrungen sammelte sie in Projekten mit Hans Joachim Irmler im Faust Studio in Scheer.
Natia Dikhtyar, Sängerin und Jazzmusikerin aus Georgien, komponiert und performt Musik, die Jazz-, Rock- und Latin-Fusion-Grooves mit georgischen Folkelementen und Poesie verbindet. Sie unterrichtet Gesang und Klavier und leitet Chöre sowie Vokalensembles mit internationalem Hintergrund.
Das Konzert findet im 2. OG beim Künstlerhaus Stuttgart statt.
Auf der Suche nach der eigenen Familiengeschichte entdeckt die Künstlerin Julia Scholl ein kleines Loch, das immer größer wird, je tiefer sie versucht hineinzublicken. Dort, wo sie gehofft hat, auf Antworten zu stoßen, wird sie mit Fragen konfrontiert. Wie dunkle Materie, die alles formt, beeinflusst und doch im Unsichtbaren bleibt, klafft das Loch in der Konstruktion der Vergangenheitserzählung und durchdringt in seiner Stille die Gegenwart der Künstlerin. In der 48. Dienstags-Werkstatt richtet sie daher ihren Blick darauf, was es bedeutet, wenn wir uns in Momenten wiederfinden, in denen sich etwas entzieht, verschiebt und mehrere Wahrheiten plötzlich gleichzeitig bestehen. Wie gehen wir damit um, wenn Gewissheiten brüchig werden, wir Unsicherheiten aushalten und uns mit Mehrdeutigkeiten auseinander setzen müssen? Wie gehen wir offenen Enden nach, anstatt sie zu schließen?
Julia Scholl beschäftigt sich in ihrer Arbeit kontinuierlich mit Verlust – nicht als Ausnahmezustand, sondern als grundlegende menschliche Erfahrung. Dabei erscheint er bei ihr im Entgleiten von Erinnerung, im Zerfall vertrauter Erzählungen, in der Endlichkeit des Lebens insgesamt. Die Risse, die sich in diesen Momenten auftun, markieren für die Künstlerin dabei keine Endpunkte, vielmehr geht sie in ihren Foto-, Siebdruck- und bildhauerischen Arbeiten der Frage nach wie aus dem Unvollständigen neue Geschichten entstehen können und wie Fragment und Unschärfe Wissen und Gefühl formen.
Nach ihrer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin studierte Julia Scholl an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und der Tokyo University of the Arts in Japan in der Klasse für Bildhauerei bei Prof. Udo Koch, in der Klasse für Fotografie bei Prof. Ulrike Myrzik, in der Klasse für Druckgrafik bei Prof. Seiichiro Miida sowie mehrere Gastsemester in der Klasse für Fotografie bei Prof. Ricarda Roggan. 2020 wurde sie mit dem Akademiepreis der ABK Stuttgart ausgezeichnet und wurde im gleichen Jahr Stipendiatin der Baden-Württemberg Stiftung. 2024 absolvierte sie ihr Diplom der Bildenden Kunst. Ihre Arbeiten wurden u.a. in der Staatsgalerie Stuttgart, Werft 77 in Düsseldorf, Kobun Gallery in Tokyo, Galerie Gruppe Motto in Hamburg und dem Lindenmuseum Stuttgart gezeigt.
Dienstags-Werkstatt
Mit der Dienstags-Werkstatt lädt das Künstlerhaus Künstler*innen oder Kollektive ein, über ihre Arbeitsweisen, Hintergründe und Vorgehensweisen zu sprechen. Wir wollen eine Plattform etablieren, in der sich intensiver zur künstlerischen Praxis ausgetauscht wird und uns so vernetzen, solidarisieren und gegenseitig stärken. Die Reihe richtet sich an alle Mitglieder des Künstlerhaus Stuttgart, an Künstler*innen aus Stuttgart und Umgebung, oder auf der Durchreise, an alle Kunstvermittler*innen, Kurator*innen, Kulturschaffende usw. und ist offen für alle!
Zum 1. Mai 2026 vergibt das Künstlerhaus Stuttgart im Rahmen seines Atelierprogramms bis zu sieben Arbeitsräume für die Dauer von zwölf Monaten. Sechs der Arbeitsräume sind jeweils ca. 25 qm groß, einer ca. 15qm. Zusätzlich steht ein großer Vorraum zur Verfügung, der mit den anderen Stipendiat*innen gemeinsam genutzt werden kann.
Das Stipendium umfasst neben dem mietfreien Arbeitsraum auch freien Zugang zu den Werkstätten des Künstlerhauses. Eine Mitgliedschaft im Künstlerhaus ist allerdings erforderlich, und kann zum Start des Stipendiums abgeschlossen werden.
Das Künstlerhaus Stuttgart wurde 1978 von Stuttgarter Künstler*innen als Produktions- und Präsentationsort für zeitgenössische Kunst gegründet und hat sich seitdem zu einer überregional und international bekannten Institution für Gegenwartskunst entwickelt. Neben den Ausstellungsflächen unterhält das Künstlerhaus Produktionsmöglichkeiten im Medienbereich (mit Ausstattungen im Video-, Audio- und Filmbereich). Hinzu kommen ein Fotolabor sowie Werkstätten für Siebdruck, Hochdruck, Radierung, Lithografie und Keramik. Für die Nutzung der Werkstätten ist eine kostenpflichtige Einführung notwendig.
Wir freuen uns über Bewerbungen aus den Arbeitsfeldern Kunst, Architektur, Theorie und Design, welche die Entwicklung spezifischer Ideen und Projekte erkennen lassen, zu denen die Angebote der Institution beitragen können. Bewerbungen von Gruppen sind ebenso wie Einzelbewerbungen willkommen. Von den Stipendiat*innen wird im Laufe ihres Aufenthalts im Künstlerhaus eine öffentliche Präsentation ihrer Arbeit ausdrücklich gewünscht. Bewerbungen von Studierenden können leider nicht berücksichtigt werden.
Es besteht die Möglichkeit, das Stipendium zu verlängern und sich für ein weiteres Jahr zu bewerben. Diese Option besteht bis zu zweimal, so dass bei Wiederauswahl durch die Jury eine maximale Nutzungszeit von drei Jahren möglich ist.
Bitte beachten Sie, dass es sich um Arbeitsateliers handelt, und das Stipendium weder mit einer Vergütung noch mit einer Wohnmöglichkeit verbunden ist. Internationale Bewerbungen werden grundsätzlich akzeptiert, sofern sich die Bewerber*innen eigenständig um ein Visum und eine Unterkunft bemühen.
Bewerbung
Bitte fügen Sie Ihrer Bewerbung folgende Unterlagen bei:
- Kurzes Motivationsschreiben, in dem deutlich wird, wie Sie das Atelier nutzen wollen
- Informationsmaterial zu Ihrer künstlerischen Arbeit wie Portfolio, Kataloge (max. 2), Bilder etc.
- Lebenslauf
Bitte Bewerbungsunterlagen ausschließlich digital in einer PDF-Datei per E-Mail bis spätestens zum 31. Januar 2026 einreichen:
Ansprechpartnerin: Juliane Gebhardt
E-Mail: bewerbung@kuenstlerhaus.de
Betreff: Bewerbung Atelierstipendium
Die Jury, die sich aus dem künstlerischen Beirat zusammensetzt, tagt spätestens Anfang März. Alle Bewerber*innen werden zeitnah über die Entscheidungen benachrichtigt.
Rückfragen jeglicher Art können Sie auch ebenfalls an obenstehenden Kontakt senden.
Im Jahr 2006 reiste Paul Sullivan nach Seoul, Südkorea, nachdem die Static Gallery, Liverpool, eingeladen worden war, ihr Projekt Press Corps im Rahmen des Seoul Artists Forum International und der Gwangju Biennale zu präsentieren (kuratiert von Park Chan-kyong und Kim Hong-hee).
Während seines Aufenthalts besuchte Sullivan einen Street Saju (Wahrsager) in der ehemaligen Markthalle von Sinchon, um herauszufinden, ob Press Corps ein Erfolg oder ein Misserfolg werden würde.
Die Antwort lautete: „Nein.“ Doch der Saju fügte hinzu: „Ein Mensch ohne eigene Sprache ist wie ein Same, der ewig auf den Winden treibt – ohne je zu Boden zu fallen, um zu keimen, ohne je Wurzeln zu schlagen.“ Weiter sagte er: „Englisch ist deine Vorderseite des Spiegels, eine falsche Sprache. Das wahre Wort kommt aus einem Ort in Mitteleuropa, einem Ort des Salzes, dem Ort der Ringe. Dein Schicksal ist mit der Entdeckung dieser Dinge verknüpft. Es gibt eine Person mit einem Muttermal, die Form konzentrischer Ringe – aus dem alten Land.“
Am letzten Abend der Recherchereise stießen Sullivan und sein Kollege John Byrne zufällig auf die Kalguksu Alley (Knife Noodle Alley) im Namdaemun-Markt. Dieser unerwartete Besuch löste bei Sullivan eine Reihe lang gehegter Ideen aus – insbesondere zu den unwahrscheinlichen Verbindungen zwischen Édouard Manets Gemälde Ein Bar an den Folies-Bergère (1882), Juzo Itamis Kultfilm Tampopo (1985) sowie Sullivans eigenen Untersuchungen zu Migration, Zuwanderungskontrolle, Stadtplanung, Architektur Kontrolle, Identität, Grenzen, öffentlichem und privatem Raum und Wanderlust. Diese Ideen, kombiniert mit dem Rätsel des Wahrsagers des Street Saju, führten direkt zu Sullivans berüchtigtem Projekt Noodle Bar aus dem Jahr 2008.
Die Entstehung der Noodle Bar
Die Noodle Bar begann im Frühsommer 2008 als eine Reihe von Flyern in Seoul sowie Inseraten auf Online-Rekrutierungsseiten (ermöglicht durch Park Eunseon und die Ssamzie Gallery). Gesucht wurde eine koreanische Familie, die für ein Jahr nach Liverpool kommen und den Noodle Bar betreiben wollte. Das Projekt endete in einem einjährigen Rechtsstreit zwischen dem Static Gallery Noodle Bar und der Bauaufsichtsbehörde der Stadt Liverpool: Die Noodle-Bar-Küche – ein umfunktionierter Schiffscontainer auf dem Parkplatz der Galerie, verbunden mit dem Galerieraum durch eine neu geschaffene Öffnung – war ohne Baugenehmigung errichtet worden und wurde als „einjähriges temporäres Kunstwerk“ deklariert.
Nachdem das Personal in Seoul ausgewählt worden war, stellte sich die Beantragung von Arbeitsvisa beim UK Border Agency als erfolglos heraus. Stattdessen wurden die ausgewählten Köchinnen als „international besuchende Künstlerinnen“ erneut eingeladen. Die Noodle Bar eröffnete im Oktober 2008 – die Köch*innen verließen das Projekt nach zwei Wochen. Der daraus resultierende einjährige Rechtsstreit legte die hierarchischen Machtstrukturen innerhalb des Liverpool City Council offen.
Noodle Bar wurde 2013 als The Noodle Bar (Edit 1) im BAK, Utrecht (kuratiert von Ben Fallon) in den Kunstkontext rückgeführt, verwandelte sich anschließend 2014 in Paul’s Kimchi Co im Van Abbemuseum, Eindhoven (kuratiert von Annie Fletcher, Liam Gillick, Alistair Hudson und Steven Ten Thije) und verschob sich später erneut als Kimchi Human – ein zehnjähriges 1:1 Business-Art-Projekt (2015–2025), eine partielle Neuinterpretation von Tehching Hsiehs Performance Clocking In (1980–81).
Das Projekt tauchte zudem als Kimchi Workshop im Jeanne Barret Space in Marseille 2023 (kuratiert von Fred Pradeau) und als Paul’s Kimchi Café im Künstlerhaus Stuttgart im Sommer 2024 auf (kuratiert von Tamarind Rossetti und Stephen Wright), bevor es 2025 als Installation in der Broadside Gallery, Glasgow, erneut präsentiert wurde (wiederum kuratiert von Ben Fallon). Ziel der späteren Versionen war es, die damaligen Protagonist*innen des Projekts zu erreichen und ihnen Zugriff auf sämtliches RAW-Material (Film/Audio/Foto) zu ermöglichen, damit sie ihre eigene Version der Ereignisse erzählen können.
Paul’s Noodle Bar am Künstlerhaus Stuttgart (Dezember 2025)
Für die Stuttgarter Ausgabe Paul’s Noodle Bar wird es eine spielerische Referenz auf die einstige Speisekarte des Paul’s Kimchi Café geben – sowie eine vollständige Rückkopplung zur ursprünglichen Begegnung in der Kalguksu Alley von 2006 und einem kurzen, feurigen Versuch, das perfekte Ramen herzustellen, wie ihn Itami in Tampopo skizziert. Zudem wird ein erneuter Versuch unternommen, das Rätsel des Street Saju zu entschlüsseln.
Parallel beginnt Sullivan eine schriftliche Zusammenarbeit mit Stephen Wright, die sich mit Sullivans Beschreibung solcher Projekte als LIVE EDITS auseinandersetzt.
Paul’s Noodle findet im 2. OG im Künstlerhaus Stuttgart statt.
Press Corps war ein gemeinsames Projekt von Becky Shaw und Paul Sullivan, das für die Liverpool Biennial 2004 entwickelt wurde.
11:00–14:00 Uhr
Nach dem Erfolg von Paul Sullivan’s Kimchi Café Pop-up im Sommer 2024 im Künstlerhaus Stuttgart kehrt Paul nun mit einem neuen Winterprojekt zurück: Paul’s Noodle Bar.
Bevor die Noodle Bar am Donnerstag, den 4. Dezember, die Türen öffnet, lädt Paul zu einem ganz besonderen Kimchi-Workshop ein – als einmalige Gelegenheit, die Kunst des Kimchi-Machens (wieder) zu erleben!
Ob Kimchi-Neuling oder erfahrener Fermentierprofi – dieser Workshop bietet die Möglichkeit, traditionelles koreanisches Kimchi zuzubereiten und dabei wertvolle Tipps und Tricks direkt von einem unkonventionellen Kimchi-Meister zu lernen.
Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt. Gemüse und alle weiteren Zutaten werden gestellt. Ein Beitrag von 15 Euro wird erbeten.
Die Teilnehmen*innenzahl ist begrenzt – bitte melden Sie sich bis zum 20. November über den untenstehenden Link an.
(Update: Wir bedanken uns herzlich für das große Interesse und die zahlreichen Anmeldungen. Die Veranstaltung im November ist inzwischen vollständig ausgebucht. Je nach Nachfrage planen wir, im Dezember einen weiteren Kimchi-Workshop anzubieten. Da die Plätze begrenzt sind, senden Sie uns bitte eine E-Mail an ll@kuenstlerhaus.de falls Sie teilnehmen möchten. Wir melden uns bei Ihnen, sobald ein weiterer Workshop organisiert wird.)
Im Anschluss öffnet vom 4. bis 13. Dezember Paul’s Noodle Bar seine Pforten – mit köstlichen Gerichten wie „Kalguksu“, den traditionellen koreanischen messer-geschnittenen Nudeln, sowie alten Favoriten wie „Bulgogi Spätzle“, einer charmanten koreanisch-schwäbischen Fusion, und natürlich dem legendären Cheese Kimchi Toastie! Freuen Sie sich außerdem auf wechselnde Tagesgerichte, darunter Pauls berühmte Liverpool Dumplings…
Und das ist noch nicht alles: Paul wird auch eine Reihe einzigartiger Kunstwerke zum Verkauf anbieten – eigens gestaltet, um die neue Holzinnenwand ders Noodle Bars zu schmücken.
Bleiben Sie gespannt – bei großer Nachfrage wird es weitere Kimchi-Workshops geben!
Kamsahamnida, Danke, Thank you!
Stories for a Better Future: Die Kraft des Mythos in Philosophie, urbaner Ökologie und Politik ist ein gemeinsames Projekt von ILPÖ, IZKT, dem Institut für Philosophie der Universität Stuttgart und dem Künstlerhaus Stuttgart. In einer gemeinsamen Reflexion über Zheng Bos zum Nachdenken anregende Filminstallation „The Political Life of Plants” wird das Gespräch am Abend die Verwendung und Wirksamkeit von Narrativen und „Mythen” als Strategien zur Gestaltung von Zukunftsvisionen untersuchen.
Die rationalen Argumente, empirischen Fakten und abstrakten Modelle, die die Moderne geprägt haben, scheinen ihre Macht, Meinungen zu verändern, Entscheidungen zu beeinflussen oder Katastrophen vorherzusehen und abzuwenden, weitgehend verloren zu haben. Neben der Vernunft, dem Logos, erweist sich der Mythos – die uralte Form des Erzählens – als ebenso wirkmächtiges Mittel, um transformative, zukunftsgerichtete Veränderungen zu ermöglichen: Geschichten treiben uns in die Zukunft.
Welche Geschichten begleiten das politische Leben der Pflanzen – und die politische wie künstlerische Handlungsmacht nicht-menschlicher Lebensformen? Und wie formen diese Geschichten, diese Mythen unsere Vorstellung von der Zukunft?
Das Gespräch findet im 4. OG beim Künstlerhaus Stuttgart statt. Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt. Alle sind herzlich eingeladen, an der offenen Diskussion und dem inspirierenden Gedankenaustausch teilzunehmen.
„Steig durch den Brunnen der eigenen Nacht der Tiefe blinder Gefühle
Laß dich fallen bis zum Meeresgrund schlüpf ins Gründunkel der Steine Kreise in den Augen der Fische im kalten Blut der Kiemen
Laß dich wiegen im Algengarn
der Tag- und Nachtgleichen.“
Rebecca Horn
Marla Gwendolyn Fischinger öffnet in der sechsten Listening Session eine poetische, sinnliche Welt aus balsamierenden Sounds und Songs für Körper und Psyche. Ausgehend vom Arbeitsprozess zur Videoarbeit Durst, in der Wasser als Symbol für Heilung, Geborgenheit und Kommunikation eine zentrale Rolle spielt, entsteht eine Atmosphäre, die von Field Recordings und Ambient aber auch Pop, Klassik und forever Love zur Harfe, getragen wird und uns, fluid wie Wasser, trägt, umhüllt und schweben lässt.
You’re invited to shed a tear.
Listening Sessions
Das ist der sechsten Termin der Veranstaltungsreihe „Listening Sessions“ im Tonstudio des Künstlerhauses. Dazu werden Künstler*innen eingeladen, ihre Musik mitzubringen, die sie inspiriert, prägt und begleitet. Gemeinsam werden diese im Tonstudio angehört. Die regelmäßig stattfindende Reihe bietet Raum, um sich über klangliche Einflüsse und persönliche Verbindungen zur Musik auszutauschen. Konzipiert wurde diese Veranstaltungsreihe von Lena Meinhardt, Künstlerin und Leiterin der Audiowerkstatt des Künstlerhauses.
Anmeldung unter audio@kuenstlerhaus.de
Lost in Research
In der 47. Dienstags-Werkstatt geht Leonie Klöpfer der Frage nach, wie nach langer Recherchephase und mit all den neuen Informationen zur Entwicklung eines Projekts oder eines Konzepts umgegangen werden kann. Welche Irrwege, zarte Pfade und unvorhergesehene Gassen führen eigentlich dahin, wohin man möchte?
Sie selbst steckt gerade in einer großen Recherche zum Thema Textilien im Krankenhauskontext. Dazu absolvierte sie ein mehrwöchiges Praktikum in einem Stuttgarter Krankenhaus. Die Erfahrungen und Gespräche sowie das Einlesen in die verschiedensten Texte verspinnen sich zu einem Geflecht von Informationen, Bildern und Empfindungen, aus denen sie gerade ein Ausstellungsprojekt entwickelt.
In der Dienstags-Werkstatt gibt sie Einblicke in ihre Recherche, Materialproben und zeigt erste Ergebnisse. Im Anschluss sind alle zu Gespräch und Austausch eingeladen.
Leonie Klöpfer ist bildende Künstlerin. In ihrer Arbeit setzt sie sich mit dem (metaphorischen) Heilen von Wunden und Verletzungen auseinander und erforscht in Form von raumgreifenden Installationen, architektonischen Interventionen und Zeichnungen, wie sich Verletzen und Heilen bedingen. Durch die Dekonstruktion (vermeintlich) realer und metaphorischer Heilungsprozesse legt sie darunter liegende Schichten der Verletzung offen, womit die Ursachen dieser zutage getragen werden. So werden Fragen aufgeworfen wie, welche Form von Verletzung auch von immateriellen Wunden zuvor stattgefunden haben muss, welche Reparaturen vorgenommen wurden, die eventuell neue Verletzungen in sich tragen und welche Narben seh- oder spürbar zurückbleiben. Grundlegend dabei ist die stetige Vorstellung von Oberflächen als Hüllen mit einer Innen- und Außenseite: Haut, Textil, Architektur und andere Phänomene, die als Grenze und Schutz fungieren, deren Verletzung oft ein Eindringen in ein anderes System bedeutet.
Vor ihrem Kunststudium an der ABK Stuttgart in der Klasse für Installation bei Prof.in Birgit Brenner, !Mediengruppe Bitnik, Anike Joyce Sadiq und Flaka Haliti studierte Leonie Klöpfer Germanistik an der Universität Stuttgart und verbrachte ein Gastsemester im Kommunikationsdesign bei Prof. Dr. h.c. Patrick Thomas. 2020 und 2023 wurde sie mit dem Akademiepreis ausgezeichnet und erhielt nach ihrem Diplom in Bildender Kunst 2024 das Landesgraduiertenstipendium des Landes Baden-Württemberg. Ihre Arbeiten wurden u.a. im Kunstverein Neuhausen, in der Staatsgalerie Stuttgart und im Kunstraum 34 in Stuttgart gezeigt.
Dienstags-Werkstatt
Mit der Dienstags-Werkstatt lädt das Künstlerhaus Künstler*innen oder Kollektive ein, über ihre Arbeitsweisen, Hintergründe und Vorgehensweisen zu sprechen. Wir wollen eine Plattform etablieren, in der sich intensiver zur künstlerischen Praxis ausgetauscht wird und uns so vernetzen, solidarisieren und gegenseitig stärken. Die Reihe richtet sich an alle Mitglieder des Künstlerhaus Stuttgart, an Künstler*innen aus Stuttgart und Umgebung, oder auf der Durchreise, an alle Kunstvermittler*innen, Kurator*innen, Kulturschaffende usw. und ist offen für alle!
15:00–18:00 Uhr
Torshi: Manifestation Pickling mit der Künstlerin und Architektin Hanieh Fatouraee ist eine Einladung, gemeinsam Methoden der Lebensmittelkonservierung rund um einen Sofreh aus Gemüse und Obst zu entdecken und auszutauschen. Ein Sofreh ist ein traditionelles Tuch, das verwendet wird, um darauf Essen zu servieren oder gemeinsame Mahlzeiten einzunehmen.
Gemeinsam erkunden wir das Einmachen als rituelle, fürsorgliche und gemeinschaftliche Praxis – inspiriert von der Tradition der Torshi-Herstellung, die in einigen westasiatischen Küchen üblich sind. Sie findet traditionell im Sitzen auf dem Boden um einen handgefärbten Sofreh herum statt. Das Beisammensitzen um den Sofreh hat nicht nur deshalb eine besondere Bedeutung, weil der Sofreh ein mobiles nomadisches Hilfsmittel zum Transport von Lebensmitteln und ein Ort der Zusammenkunft ist. Sondern auch, weil es seit langem in vielen Kulturen als ritueller Ort für zeremonielle Anlässe oder feierliche Symbolik wie den Haft Sin eine Rolle spielt.
In diesem freien Veranstaltungsformat wird Hanieh Fatouraee über Methodiken zur Konservierung von Lebensmitteln sprechen, die von ihrer Familie aus der Region Urmia praktiziert werden. Anschließend werden gemeinsam Rezepte für Eingelegtes ausgetauscht. Es wird geschnitten, geschält und darüber diskutiert, wessen Konservierungsarten von Lebensmitteln die Beste ist. Am Ende gibt es eine bunte Mischung aus eingelegtem Gemüse und Obst.
In Zeiten, in denen intersektionale Solidarität mehr denn je gebraucht wird, nehmen wir uns einen Moment Zeit, um unsere Wunschvorstellungen in das eingelegte Gemüse einzuschreiben. Indem wir uns die Lebensmittel einverleiben, versorgen wir unsere Körper durch den Akt der Konservierung mit mehr Sorgfalt und Aufmerksamkeit.
Die Teilnehmer*innenzahl für den Workshop ist begrenzt.
Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt. Der Unkostenbeitrag für die Lebensmittel beträgt 5 Euro.
Anmeldung bis zum 2. November 2025 an Hanieh Fatouraee, haniehfatouraee@gmail.com
Die Veranstaltung ist Teil von Companion Planting, einer Kooperationsreihe des Künstlerhauses Stuttgart und der Akademie Schloss Solitude, inspiriert von der gärtnerischen Praxis, bei der verschiedene Pflanzen gemeinsam stärker wachsen. Die Reihe pflegt eine ähnliche Ökologie des Austauschs, in der sich beide Institutionen gegenseitig unterstützen, bereichern und inspirieren, sodass neue Ideen und Praktiken Wurzeln schlagen und gedeihen können. Sie präsentiert regelmäßig Formate, in denen Stipendiat*innen der Akademie Schloss Solitude mit der Gemeinschaft des Künstlerhauses Stuttgart in Kontakt treten und Räume für Begegnung, Dialog und gemeinsames Wachstum schaffen.
17:30–19:30 Uhr
Nehmen Sie am Sonntagmorgen gemeinsam mit der Künstlerin Stéphanie Sagot und dem Achtsamkeitslehrer und Arzt Grégory Baptista an einer geführten Meditationssitzung im neu gestalteten Meditationsbereich Galacté.e in der Atmosphäre Voyage en Terres Amoureuses teil.
Eine zweite geführte Meditationssitzung mit Sagot und Baptista findet am Montagabend von 17:30 bis 19:30 Uhr statt, mit einem anschließenden Gespräch mit der Künstlerin.
Galacté.e lädt die Teilnehmenden dazu ein, durch Meditation eine Präsenz zu entwickeln, die auf sich selbst, auf andere und im weiteren Sinne auf den Kosmos achtet. So kann eine „Medizinwelt” erbaut werden, in der sich um alle, um jeden und um alles gekümmert wird. Im Anschluss an diese Meditationsmomente findet ein offener Austausch statt, bei dem über die immersive Erfahrung reflektiert wird, umgeben und begleitet von Sagots Cartes de Tendre und von einer Klanginstallation.
Diese meditative Atmosphäre ist zum Teil von Albert Einsteins Verständnis der Einheit aller Dinge inspiriert. In einem Brief aus dem Jahr 1950 schrieb er: „Der Mensch ist ein Teil des Ganzen, das wir ‚Universum‘ nennen, ein Teil, der in Zeit und Raum begrenzt ist. Er erlebt sich selbst, seine Gedanken und Gefühle als etwas vom Anderen Getrenntes – eine Art optische Täuschung seines Bewusstseins. Diese Wahnvorstellung ist für uns eine Art von Gefängnis, das uns auf unsere persönlichen Wünsche und die Zuneigung zu einigen wenigen Menschen in unserer Nähe beschränkt. Unsere Aufgabe muss es sein, uns aus diesem Gefängnis zu emanzipieren, indem wir unseren Mitgefühlskreis erweitern, um alle Lebewesen und die ganze Natur in ihrer Schönheit zu umfassen.“
Die Veranstaltung ist offen für alle, es sind keine Vorkenntnisse in Meditation erforderlich. Die Gruppe ist auf 21 Teilnehmer*innen begrenzt. Bei Fragen und Anmeldung gerne per E-Mail an ll@kuenstlerhaus.de
Seit Juli 2025 eröffnet Stéphanie Sagots „Voyage en Terres Amoureuses“ neue Wege in die Agrarökologie und Landnutzung sowie in die politischen, institutionellen und zutiefst persönlichen Beziehungen, die solche Landschaften prägen.
Ihre großformatigen Aquarelle (250 x 150 cm) und Keramikarbeiten sind untrennbar von den dargestellten landwirtschaftlichen, politischen und künstlerischen Gemeinschaften und Kämpfen in Frankreich und Spanien. Sie presentieren das, was die Künstlerin als „terres amoureuses“ bezeichnet, und die Beziehungen, die sie nähren. Diese Gemälde sind sowohl persönliche als auch politisch-kartografische Dokumente.
Sagots erste Carte de Tendre wurde von Madeleine de Scudérys Carte de Tendre aus dem Jahr 1654 inspiriert, die eine visuelle Geografie der Emotionen darstellt und die Gefahren und Freuden auf dem Weg zur höfischen Liebe illustriert. Sagots Werke umfassen die realen Landschaften der von ihr ausgewählten Orte in Frankreich, Spanien und nun auch Deutschland sowie die Komplexität des Lebens auf dem Land und in der Gemeinschaft, wobei sie auf die Freuden und Gefahren der heutigen Landwirtschaft Bezug nimmt. Seit 2016 hat Stéphanie Sagot zusammen mit Suzanne Husky „Le Nouveau Ministère de l’Agriculture“ ins Leben gerufen, eine gründlich erforschte, institutionell gestaltete Vorstellung eines neuen französischen Landwirtschaftsministeriums, das auf einer von Liebe inspirierten, ländlichen Agrarökologie basiert. In der Tradition von Cartes de Tendre formen und reformieren ihre detailreichen und mit historischen Bezügen versehenen Aquarellkarten Landschaften jenseits nationaler Grenzen, Sperrzonen und Privatgrundstücksgrenzen und stellen sie als liebevolle Landschaften dar.
Zu Beginn von Voyage en Terres Amoureuses gab Stéphanie Sagot einen Workshop, in dem die Teilnehmenden ihren Schritten durch die Voyage folgen konnten und Einblicke erhielten, wie sie zu den Themen dieser kartografischen Arbeiten recherchierte, wie sie Bilder, Interviews und Ideen zu einer kartografischen Landschaft zusammenfügte und wie dies alles schließlich in dem Gemälde zusammenfand. Nun erweitert und aktiviert sie die Atmosphäre mit der meditativen Installation Galacté.e.
Disteln, traditionell mit Selbstschutz, Resilienz und Wehrhaftigkeit assoziiert, dienen in Donna Volta Newmen neuen Arbeiten als vielschichtiges Sinnbild für gegenwärtige gesellschaftspolitische Spannungsfelder. Mittels unterschiedlicher Radiertechniken auf Kupfer untersucht die Künstlerin im Rahmen ihres Werkstattstipendiums am Künstlerhaus Stuttgart, die charakteristische Haptik der Pflanze – ihre rauen Oberflächen, filigranen Texturen und komplexen Strukturen verbindet sie mit zeichnerischen und malerischen Elementen der Durckkunst. Newmens Disteln blühen, wo Stärke zögert. So entstehen feinsinnige Bildräume, die innere Verwandtschaften und wechselseitige Bezüge zwischen Pflanze und Figur zulassen und ergründen. In Anlehnung an die mythologische Vorstellung, Disteln seien erst nach dem Verlust des Paradieses entstanden, eröffnet sich ein symbolisch aufgeladener Ausgangspunkt für die neue Werkgruppe der Künstlerin.
Newmens Arbeiten verstehen das Porträt als einen Raum des Widerstands und der wandelnden Machtverhältnisse zwischen Geschichte und Gegenwart. Unter Achtung der Komplexität ihrer Motive – entnommen aus Geschichte, Mythos oder Fiktion – vermeidet die Künstlerin serielle Auflagen, indem sie die Druckplatte kontinuierlich verändert. Durch die Kombination von Tiefdrucktechniken mit malerisch-monotypischen Elementen entstehen Unikate, die unterschiedliche Facetten einer Persönlichkeit offenbaren.
Die häufig in ihren Porträts zu findenden pflanzlichen Strukturen schaffen subtile Verbindungen zwischen botanischen Formen und menschlichen Figuren – organische Materie wird so zur gewebten Präsenz des Menschen und begegnet Themen wie gegenseitiger Abhängigkeit, Verletzlichkeit und Transformation.
Donna Volta Newmen ist eine bildende Künstlerin, deren Werk traditionelle Tiefdrucktechniken mit interdisziplinären Methoden auf Papier und Film verbindet. Aufgewachsen in einem druckgrafischen Atelier, studierte sie an der Schnittstelle von bildender Kunst und feministischer Theorie und schloss 2019 ihren Master in Fine Art and Design am Sandberg Instituut Amsterdam ab. Ihre Arbeiten wurden international gezeigt, unter anderem im Museum Gunzenhauser, beim Stuttgarter Ballett, im Kunstverein Wagenhalle, auf der Istanbul Design Biennale sowie im British Film Institute.
Dienstags-Werkstatt
Mit der Dienstags-Werkstatt lädt das Künstlerhaus Künstler*innen oder Kollektive ein, über ihre Arbeitsweisen, Hintergründe und Vorgehensweisen zu sprechen. Wir wollen eine Plattform etablieren, in der sich intensiver zur künstlerischen Praxis ausgetauscht wird und uns so vernetzen, solidarisieren und gegenseitig stärken. Die Reihe richtet sich an alle Mitglieder des Künstlerhaus Stuttgart, an Künstler*innen aus Stuttgart und Umgebung, oder auf der Durchreise, an alle Kunstvermittler*innen, Kurator*innen, Kulturschaffende usw. und ist offen für alle!
In diesem Workshop lädt die Künstler*innenplattform Linienscharen Sie ein, einen Abend lang mit ihnen und allen anderen Interessierten zu zeichnen, um sich dem Thema ihres Symposiums anzunähern. Es handelt sich um eine gemeinschaftliche Arbeit, bei der die Teilnehmer*innen ihre eigenen Projekte, Materialien, Ideen und Vokabulare einbringen können.
Wie kommen wir zusammen, wie stoßen Systeme aneinander, wie gehen wir damit um, wenn ein Plan gestört wird und wir einer verfehlten Ausführung Raum geben? Das Kollektiv ist gespannt auf das Ergebnis dieses Experiments. Die hier und vielleicht auch später entstandenen Zeichnungen werden während des Symposiums im November 2025 im Württembergischen Kunstverein ausgestellt.
Linienscharen wurde 2012 als Austauschplattform gegründet, um Künstler*innen aus Stuttgart und der Region zusammenzubringen. Ihr Ziel ist es, einen kontinuierlichen Dialog über Zeichnungen und zeitgenössische Kunst zu schaffen.
Der Workshop ist offen für alle und findet im 2. OG im Künstlerhaus Stuttgart statt.
Weitere Informationen finden Sie auf der Website von Linienscharen.
15:00–18:00 Uhr
In diesem Workshop entwickeln wir gemeinsam eine wuchernde Schrift für das Künstlerhaus. Ausgehend von Beobachtungen von Pflanzen, Blüten, Steinen und anderen Objekten aus der Natur zeichnen wir einfache Formen, Linien und Strukturen. Diese Zeichnungen dienen als Grundlage für individuelle Glyphen, die wir zu einer kollektiven Schrift zusammenfügen.
Unsere Arbeitsweise orientiert sich an den verborgenen Kommunikationsformen der Natur: Pflanzen und Wälder tauschen Signale über chemische Stoffe, Duft, elektrische Impulse und Pilznetzwerke aus – ein unsichtbares System, das auch als „Wood Wide Web“ bekannt ist. Inspiriert davon schaffen wir ein Alphabet, das sich den normierten, funktionalen Standards gegenwärtiger digitaler Typografie entzieht.
Die analog entstandenen Zeichen werden ins Digitale übertragen, sodass die Schrift im Künstlerhaus genutzt werden kann und zugleich beginnt, den digitalen Raum zu überwuchern.
Der Workshop ist offen für alle, es sind keine Vorkenntnisse in Schriftgestaltung erforderlich. Die Teilnahme ist kostenlos. Der Workshop findet im 4. OG beim Künstlerhaus Stuttgart statt.
Bei Fragen und Anmeldung gerne per E-Mail an info@isabelmotz.com
Welchen Einfluss hat die Musik auf den künstlerischen Prozess einer/s Maler*in? Könnten Stimmungen scheinbar unmerklich in die Malerei einsickern?
Der Maler Ivan Zozulya präsentiert in der fünften Listening Session seine Auswahl von Liedern und Stücken aus einer breiten Palette – von Pop und Blues über Garage Punk bis hin zu experimenteller elektronischer Musik und Ambient – Songs und Alben, die er endlos wiederholt, um im Flow zu bleiben.
Listening Sessions
Das ist der fünfte Termin der Veranstaltungsreihe „Listening Sessions“ im Tonstudio des Künstlerhauses. Dazu werden Künstler*innen eingeladen, ihre Musik mitzubringen, die sie inspiriert, prägt und begleitet. Gemeinsam werden diese im Tonstudio angehört. Die regelmäßig stattfindende Reihe bietet Raum, um sich über klangliche Einflüsse und persönliche Verbindungen zur Musik auszutauschen. Konzipiert wurde diese Veranstaltungsreihe von Lena Meinhardt, Künstlerin und Leiterin der Audiowerkstatt des Künstlerhauses.
Da die Plätze im Tonstudio begrenzt sind, wird um Anmeldung unter audio@kuenstlerhaus.de gebeten.
Die dreitägige Summer School „STUTTGART, Shmuel-Dancyger-Platz²“ findet rund um die Einweihung des neuen Shmuel-Dancyger-Platzes in Stuttgart West statt. In Gesprächen, Workshops und einer Stadtwanderung kontextualisiert, kommentiert und befragt die Summer School die offizielle Benennungszeremonie. Gemeinsam mit Expert*innen setzen sich Teilnehmer*innen umfassender mit der Biografie des Schoah-Überlebenden Shmuel Dancygers auseinander, der im Displaced-Persons-Center in der Reinsburgstraße seine Familie wiederfand und wenig später bei einer Razzia von einem Stuttgarter Polizisten erschossen wurde. Die Tat ist bis heute ungeklärt, der Name Shmuel Dancygers im Stuttgarter Stadtgedächtnis kaum präsent und auch der Name des Täters bleibt lange unbekannt. Die Summer School knüpft an die Biografie Shmuel Dancygers und den Akt der „Benennung“ an. Sie verhandelt, wie sich an Geschichte und Gesetz des Namens Kontinuitäten von Antisemitismus, Rassismus und nationalistischen Ideologien ablesen lassen und diskutiert, wo sich diese Tendenzen bis in die Gegenwart fortsetzen. Am Motiv des Namens lässt sich einerseits eine Debatte über die machtpolitische Ebene von Straßen- und Platzbenennungen führen. Andererseits zeigen sich an den Auseinandersetzungen, wer welchen Namen tragen darf, Kontinuitäten von Antisemitismus, die in den Namensänderungsgesetzen für Juden*Jüdinnen der Nationalsozialisten gipfeln, aber bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen. Zuletzt führt die Frage nach dem Namen auch zu übergeordneten Fragen nach Identität.
Mit Io Josefine Geib, Hazel Rosenstrauch, Johannes Czakai, der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber, dem Haus der Geschichte Baden-Württemberg, dem Haupt- und Personalamt der Stadt Stuttgart, der Stiftung Geißstraße, einer Fotografie von Marnie Jazwicki und einem Testimony der USC Shoah Foundation.
Mit „STUTTGART, Shmuel-Dancyger-Platz²“ setzen die Künstlerin Ann-Kathrin Müller und die Autorin Judith Engel die Reihe „STUTTGART,“ zur Geschichte des ehemaligen DP-Centers in der Reinsburgstraße in Stuttgart-West fort. Die Reihe startete 2024 mit der Summer School „STUTTGART, Reinsburgerstrasse¹“, die ausschlaggebend für die Benennung des Shmuel-Dancyger-Platzes war. Der neue Shmuel-Dancyger-Platz wird am 17. September 2025 um 16:30 Uhr offiziell eingeweiht. Er befindet sich an der Ecke Reinsburg-/Rotenwaldstraße.
Die Veranstaltung findet in deutscher Sprache statt.
Weitere Informationen zur Summer School unter
www.stuttgart-reinsburgerstrasse.de
Anmeldung zur Summer School
Wir freuen uns über eine Anmeldung bis zum
10. September unter: info@stuttgart-reinsburgerstrasse.de
Programm
Dienstag, 16.09.
Ort: Hotel Silber
15:30
Begrüßung
Kennenlernen der angemeldeten Teilnehmer*innen. Vorstellung des Programms.
16:00 – 16:45
Kontinuitäten und Brüche: Die Geschichte der Württembergischen Polizei von 1928 bis 1946
Führung durch den Erinnerungsort „Hotel Silber” zur Polizeigeschichte Württembergs zwischen 1928 und 1946 mit Natalia Kot.
16:45 – 17:30
„Schläft wieder die Welt, geht zurück die Zeit?!“: Antisemitische Kontinuitäten und die Hintergründe der Polizei-Razzia in der Reinsburgstraße
Vortrag der Historikerin Io Josefine Geib.
17:30 – 18:00
Pause
18:00 – 20:00
Testimony of Morris Dancyger
Screening eines Interviews mit Morris Dancyger, dem Sohn von Shmuel Dancyger, das die Calgary Jewish Federation 2008 aufgezeichnet hat und das sich heute im Archiv der USC Shoah Foundation befindet. Mit einem anschließenden Gespräch mit Ann-Kathrin Müller und Judith Engel.
Mittwoch, 17.09.
Orte: Charlottenplatz, Geißstraße 7, Joseph-Süß-Oppenheimer-Platz, Haupt- und Personalamt der Landeshauptstadt Stuttgart, Jean-Améry-Weg, Künstlerhaus Stuttgart, Reinsburgstraße 197.
09:00 – 16:00
Gang vom Charlottenplatz zum neuen Shmuel-Dancyger-Platz
Gespräche mit Vertreter*innen der Stiftung Geißstraße sowie Andrea Schliwowski vom Haupt- und Personalamt Stuttgart. Partizipative Formate am Charlottenplatz und in der Reinsburgstraße 197a. Eine Lecture am Jean-Améry-Weg. Eine Mittagspause und ein Online-Vortrag des Historikers und Namensforschers Johannes Czakai im Künstlerhaus Stuttgart.
16:00 – 16:30
Pause
Ort: Shmuel-Dancyger-Platz
16:30 – 17:30
Einweihung des neuen Shmuel-Dancyger-Platzes
Mit Reden, einem Gespräch, einer lyrischen Lesung und einem informativen Rundgang.
Donnerstag, 18.09.
Ort: Künstlerhaus Stuttgart
10:00 – 12:00
Workshop
Mit der Journalistin, Lektorin, Redakteurin und freien Autorin Hazel Rosenstrauch
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²“My father has a street named in Stuttgart after him. It’s called Danziger [Dancyger] Plaza” – Das Zitat stammt aus einem Interview mit Morris Dancyger, dem Sohn Shmuel Dancygers, das die Calgary Jewish Federation 2008 aufgezeichnet hat und das sich heute im Archiv der USC Shoah Foundation befindet. Es handelt sich bei seiner Aussage allerdings um ein Missverständnis. Denn in Stuttgart findet sich vor 2025 kein Danziger [Dancyger Platz], der an Shmuel Dancyger erinnert. Es gibt lediglich eine Danziger Straße, die 1935 nach der Stadt Danzig (poln. Gdańsk [ɡdaɲsk]) benannt wurde. Auch der Stuttgarter Charlottenplatz war 1934 in „Danziger Freiheit“ umbenannt worden, wurde allerdings 1945 wieder in Charlottenplatz zurückbenannt. In dem Begriff „Danziger Freiheit“ formulierte sich der revisionistische Anspruch, den im Zuge des Versailler Vertrages entstandenen souveränen Staat „Freie Stadt Danzig“ wieder in das Deutsche Reich einzugliedern. Auf der Danziger Westerplatte begann 1939 der Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen.
Eine Veranstaltung von Ann-Kathrin Müller und Judith Engel in Kooperation mit dem Künstlerhaus Stuttgart, der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber, StolperKunst und dem Haus der Geschichte Baden-Württemberg. Mit großzügiger Unterstützung der Berthold Leibinger Stiftung, des Kulturamts der Landeshauptstadt Stuttgart und des Bezirksbeirats Stuttgart-West.
Musikalische Komposition und die Drucktechnik der Radierung haben auf den ersten Blick nicht mehr miteinander zu tun, als dass Partituren lange Zeit gestochen und nicht gesetzt wurden. Johann Sebastian Bach hat einzelne seiner Klavierwerke selbst in die Platte graviert. Mit der Einführung moderner Drucktechniken ist diese Praxis obsolet geworden.
Der Stuttgarter Komponist Jan Kopp arbeitet seit eineinhalb Jahren in der Radierwerkstatt des Künstlerhauses. Für ihn gibt es deutlich mehr, was die beiden Künste miteinander verbindet. So spielt sowohl in der Erzeugung von Klang als auch von Radierungen die differenzierte Ausübung von Druck eine zentrale Rolle. Zudem ähnelt im Arbeitsprozess die Funktion der Radierplatte der einer musikalischen Partitur: In beiden wird zwar die Form des Kunstwerks gestaltet und fixiert, beide treten aber für das Publikum nicht direkt in Erscheinung. Vielmehr sind es erst der Abzug und die Aufführung, die Radierung und Komposition sinnlich erfahrbar machen und gleichzeitig vervielfältigen. Dieser Akt der Reproduktion wird gewöhnlich an dritte delegiert, sei es an eine Druckwerkstatt oder ein Orchester. Eine Radierplatte gleichzeitig zu gestalten und zu drucken, entspricht dann der Aufführung einer Komposition durch den Komponisten.
Neben diesen allgemeinen Bezügen interessieren Kopp aber v.a. die konkreten Gestaltungsmöglichkeiten der Medien. So ist es in der Radierung die Ausgestaltung von Plattenkanten und Gravurtiefen, die zu einer Differenzierung des Drucks unter der Presse und zu unterschiedlichen Reliefs im Papier führen. In jüngster Zeit beschäftigt sich Kopp mit dem Zweifarbdruck aus einer Platte und den Kombinationen, die die Verwendung mehrerer Teilplatten bietet und die die Entstehung von Serien erlaubt. (Eine Vorgehensweise, die ähnlich auch in seiner Komposition „offen. 31 Farben der Hoffnung“ von 2021 zu finden ist.)
In Kooperation mit der Keramikwerkstatt erprobt er außerdem die Möglichkeit, Radierungen in Ton zu drucken.
Jan Kopp wird in der 45. Dienstags-Werkstatt Einblicke in seine musikalische und künstlerische Arbeiten geben. Im Anschluss laden wir zum gemeinsamen Gespräch und Austausch ein.
Dienstags-Werkstatt
Mit der Dienstags-Werkstatt lädt das Künstlerhaus Künstler*innen oder Kollektive ein, über ihre Arbeitsweisen, Hintergründe und Vorgehensweisen zu sprechen. Wir wollen eine Plattform etablieren, in der sich intensiver zur künstlerischen Praxis ausgetauscht wird und uns so vernetzen, solidarisieren und gegenseitig stärken. Die Reihe richtet sich an alle Mitglieder des Künstlerhaus Stuttgart, an Künstler*innen aus Stuttgart und Umgebung, oder auf der Durchreise, an alle Kunstvermittler*innen, Kurator*innen, Kulturschaffende usw. und ist offen für alle!
Das Künstlerhaus Stuttgart hat Juliane Gebhardt zur neuen Geschäftsführerin berufen. Die 34-jährige Künstlerin und Kuratorin, die bereits seit 2021 als kuratorische Assistentin im Haus tätig ist, wird ihre neue Position am 15. August 2025 antreten.
Gebhardt bringt eine einzigartige Kombination aus betriebswirtschaftlichem Know-how, kuratorischer Expertise und tiefer Verbundenheit mit der Institution mit. „Durch meine vierjährige Tätigkeit als kuratorische Assistentin kenne ich die besonderen Strukturen, Potenziale und Herausforderungen des Künstlerhauses sehr genau“, so Gebhardt. „Ich freue mich darauf, diese Erfahrung nun in einer erweiterten Verantwortung einzusetzen.“
Die gebürtige Karlsruherin verfügt über eine breite interdisziplinäre Ausbildung: Nach einem dualen BWL-Studium absolvierte sie ein Staatsexamen in Kunst und Anglistik sowie das renommierte Weißenhof-Programm der ABK Stuttgart, das sie 2023 als Meisterschülerin abschloss. Parallel zu ihrer Tätigkeit im Künstlerhaus leitet sie seit 2022 den Kunstverein Kunstraum 34 und übernahm dort 2024 auch die Geschäftsführung.
„Juliane Gebhardt verkörpert ideal die Verbindung von künstlerischem Verständnis und administrativer Kompetenz“, erklärt Ania Corcilius, erste Vorsitzende des Künstlerhaus Stuttgart e.V. „Ihr Verständnis für die Belange der Institution, ihre Kenntnis aktueller Kunstdiskurse und ihre parallelen Führungserfahrungen machen sie zur perfekten Kandidatin für diese verantwortungsvolle Position.“
Das 1978 von Künstler*innen für Künstler*innen gegründete Künstlerhaus Stuttgart ist heute eine Institution von lokaler und internationaler Bedeutung. Es beherbergt Ausstellungsräume, Werkstätten und sechs Künstler*innenateliers mit wechselnden Stipendiat*innen und gibt sozialen und politischen Forderungen Raum, während es aktuelle künstlerische Praktiken und Diskurse thematisiert. Zu Gebhardts Zielen gehören die weitere Öffnung des Hauses zur Stadtgesellschaft, die stärkere Einbindung der Atelierstipendiat*innen und der Austausch mit anderen europäischen Künstlerhäusern.
Der Filmemacher und Akademie Schloss Solitude-Stipendiat Louis Henderson wird im Zusammenhang mit der Flussatmosphäre des Künstlerhauses Stuttgart seinen aktuellen Film Afterthoughts of a Walk on the Naze (2024) zeigen und mit uns über seine Arbeit sprechen.
„Im Jahr seines Todes schrieb mein Großonkel, der Künstler Nigel Henderson, einen Brief an mein zukünftiges Ich. Darin bat er mich, ein Gemälde zu entschlüsseln, das er von den versteinerten Klippen in Walton on the Naze in Essex, im Osten Englands, gemalt hatte. Als Anhaltspunkt schickte er mir ein fotokopiertes Manuskript des Romans The Fourbanks of the River of Space des südamerikanischen Schriftstellers Wilson Harris, der in der Nähe wohnte. Afterthoughts of a Walk on the Naze ist eine Quantenfiktion, die versucht, auf seinen Brief zu antworten. Ich besuche das Haus und das Atelier, in dem er das Bild gemalt hat, und filme die umgebende Meeres- und Flusslandschaft sowie die Klippen, auf die sich das Bild bezieht. Harris‘ Buch, die Landschaften und das Gemälde bilden einen Kontrapunkt und offenbaren Ideen über künstlerisches Erbe, Schöpfung, Tod, Wetter und Zeit.“
Am 20. Juli 2025 fand das zweite vom Künstlerhaus Stuttgart organisierte Alumnitreffen aller ehemaliger und aktueller Stipendiat*innen der letzten 27 Jahre statt.
Ein Kennenlernen, Wiedersehen, begleitet von künstlerischen Beiträgen und Austausch.
Vielen Dank an alle Stipendiat*innen für den wunderbaren Tag.
Fotos: Jochen Detscher
Die lebendigen und ökologisch forschenden Aquarelle der in Montpellier lebenden Künstlerin Stéphanie Sagot, Voyage en Terres Amoureuses, füllen das zweite Stockwerk des Künstlerhauses Stuttgart mit der ganzen Fülle einer Sommerernte – voller Leben und die Verbundenheit mit dem Land, mit allem, was wächst, betonend und gleichzeitig den Widerstand dokumentierend und Enklaven der Möglichkeiten kartierend. Sagots großformatige Aquarelle sind zugleich Karten und Gemälde der Landnutzung und der agrarökologischen Praxis – sie zeigen sowohl, was ist, als auch, was sein könnte – und verschmelzen geopolitische, institutionelle und zutiefst persönliche Landschaften. Sie kartografieren das, was die Künstlerin „terres amoureuses“ nennt – lehmige, liebevolle Böden – und die Beziehungen, die sie nähren, wobei sie sich historisch von Madeleine de Scudérys „Carte de tendre“ von 1654 inspirieren lassen, die auf einer visuellen Geografie der Gefühle basiert. Während sich die Atmosphäre entwickelt, wird Sagot eine ähnliche Karte des Künstlerhauses selbst als Ökosystem, ja als eine Art Bauernhof, erstellen. Durch Workshops, Beobachtungen und Gespräche mit den Bewirtschafter*innen des Hauses wird sie eine Kartografie der Künstlerhaus-Farm in ihrer komplexen relationalen und physischen Landschaft erstellen.
Voyage en Terres Amoureuses ist wie ein Archipel konzeptioneller Inseln in der Galerie im zweiten Stock angeordnet. Humain Humus, Cartes de Tendre, Résistance und Ecotopie concrète sind verschiedene Werkzyklen, die durch sichtbare und unterirdische Fäden verbunden sind, die die Sorge um Lebewesen kultivieren.
Ein ganzheitliches Konzept der Medizin, das auf einer mittelalterlichen Kosmovision beruht, in der Kunst und Pflege eng miteinander verwoben sind, bildet die Grundlage für Humain Humus. In dem sie die kosmologische Bildsprache der illuminierten Handschriften des zwölften Jahrhunderts, einen Altar zu Ehren der Zersetzung und zeitgenössischen Theorien der One Health in Beziehung zueinander setzen, verbinden diese Werke weit entfernte Vorstellungen von noch nicht realisierten Utopien mit eher dokumentarischen Landschaften der Meditation und des Lebens im Boden. Kartografien der Landwirtschaft, der politischen Ökologie, der Agroforstwirtschaft und der Viehzucht überschneiden sich durch gelebte Beziehungen in den imaginären Landschaften der Cartes de Tendre. Sagots Karten dokumentieren die kollektiven Konstellationen des Künstler*innen-Bauern-Kollektivs INLAND, in denen sich Ländlichkeit und Urbanität, Ökonomie und Schafhaltung vermischen; Nahrungsresilienz und urbane Landwirtschaft in Zone Sensible; Permakultur und Trance-Heilung in Férale.
„Wir sind die Natur, die sich selbst verteidigt“, lautet der Slogan auf dem T-Shirt einer Frau in der Résistance. Die Hochebene von Larzac in Südfrankreich war ein Brennpunkt für nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken und agrarökologische Experimente – und ist nach wie vor eine Brutstätte des bäuerlichen Widerstands gegen Monokulturen, chemieintensive Landwirtschaft, Landaneignung und die Militarisierung „untergenutzter“ oder „leerer“ Landschaften. Im Jahr 1971 erhoben sich 103 Kleinbauern gegen den Ausbau eines französischen Militärstützpunkts auf dem Plateau, eine Initiative, die Sagot in ihrer „Terre Amoureuse – Gardarem lo Larzac“ würdigt, und Larzac ist heute eine vitale Landschaft des anhaltenden Widerstands. Larzac ist heute eine lebendige Landschaft, in der sich der Widerstand fortsetzt. Eine lehmige und liebevolle Landschaft, ein Sinnbild für den fortwährenden Kampf um die Gesundheit der Böden, den freien Flusslauf und die Pflege einer gemeinsamen Atmosphäre.
Ecotopie concrète weist in Werken wie Le Nouveau Ministère de l’Agriculture auf post-extraktivistische Praktiken hin. Von 2016 bis 2023 machte Stéphanie Sagot in Zusammenarbeit mit Suzanne Husky die Landwirtschaftspolitik des französischen Landwirtschaftsministeriums zu einem zentralen Gegenstand der Untersuchung und des Détournements. Als Reaktion auf die unerfüllte Verantwortung der Regierungsbehörde für die biologische Vielfalt, das Wohlergehen der Tiere, das Wohlergehen der Landwirte, die Gesundheit der Böden und die Nachhaltigkeit der Lebensmittel hat Le Nouveau Ministère de l’Agriculture ein Manifest verfasst, eine Medienkampagne entwickelt, einen hochqualifizierten, aber höchst unkonventionellen Minister ernannt und gemeinsam eine Zeichnung, eine Vision, ein visuelles Statement geschaffen: Aux Arbres! Le Nouveau Ministère de l’Agriculture. Ecotopie concrète könnte als eine Initiative zur gemeinsamen Nutzung von Werkzeugen gesehen werden, um landwirtschaftliche Kreise neu zu überdenken und sie in Kontakt und Kollision mit radikal anderen Denk- und Forschungsrichtungen zu bringen.
Eröffnung:
Samstag, 19. Juli 2025, 19 Uhr, 2. OG
20–21 Uhr: Live-Musik mit Lea Rossatti
Die Realität des Anthropozäns lenkt die Aufmerksamkeit auf die Hybris des menschlichen Handelns und wirft bisher vernachlässigte – oder sogar verdrängte – Fragen zum Handeln nicht-menschlicher Akteur*innen auf, einschließlich der politischen und künstlerischen Handlungsfähigkeit pflanzlichen Lebens. Die Frage ist nicht mehr (wie noch vor einigen Jahren), ob Pflanzen und Wälder komplexe gemeinschaftliche Entscheidungen über die Strategien treffen, die sie gemeinsam in Bezug auf sich verändernde Bedingungen umsetzen, sondern wie diese kollektive Entscheidungsfindung funktioniert und wie sie sich anfühlt. Wenn der Mensch politische Entscheidungen in Bezug auf seine Umwelt treffen muss, wird er in der Regel einen oder vielleicht zwei Faktoren berücksichtigen – die Berücksichtigung weiterer Faktoren wird exponentiell komplexer. Wälder hingegen berücksichtigen alles; obwohl der Biorhythmus von Bäumen nicht dem des Menschen gleicht (für den Bäume oft eher wie unbewegliche Statuen als wie lebendige Tänzer*innen erscheinen, so wie sie Flechten oder Moosen erscheinen müssen), können sie nicht anders, als alle Faktoren zu berücksichtigen. Dies ist eine der Kernaussagen der langen und kontemplativen Videoinstallation des in Hongkong lebenden Künstlers Zheng Bo, die im Grumsin, einem alten Buchenwald in Brandenburg und einer deutschen UNESCO-Welterbestätte, gedreht wurde und den bezeichnenden Titel The Political Life of Plants (2021-23) trägt. Der Titel ist Programm: Pflanzen sind politische Akteur*innen, deren politisches und ästhetisches Handeln sich innerhalb des sie erhaltenden Ökokreislaufs selbst dokumentiert.
Die visuell überzeugende, konzeptuell faszinierende, zweiteilige Filminstallation ist filmisch inspiriert vom sowjetischen Avantgardekino aus dem letzten Jahrhundert. Sie beinhaltet Gespräche zwischen dem Künstler und führenden Ökolog*innen und Pflanzenneurobiolog*innen, darunter die Spezialistin für Pflanzenanpassung Roosa Laitinen und der Bodenökologe Matthias Rillig, die im Grün der Bäume kaum zu sehen sind, und betrachtet die lebenserhaltenden Prozesse des Waldes sowohl aus biologischer als auch (vor allem) politischer Perspektive. Wie gehen Wälder vor? Wie erreichen sie einen Konsens und gehen mit Dissens um? Wie priorisieren sie verschiedene Faktoren bei der Entscheidungsfindung? Wie sieht der Zeitrahmen für die Umsetzung von Entscheidungen aus, sobald sie getroffen wurden? Da der Ausgangspunkt des Films nicht (wie allzu oft) die Frage ist, ob Wälder eine politische Handlungsmacht haben, sondern wie sich diese Handlungsfähigkeit auswirkt und wie wir von Bäumen lernen können, ist die Erfahrung des Films unumkehrbar transformativ.
Neben der Filminstallation ist eine Sequenz von acht Zeichnungen von Pflanzen aus der fortlaufenden Serie Drawing Life von Zheng Bo die Quintessenz der Atmosphäre, der sie passenderweise ihren Namen gibt. Jeden Tag verlässt der Künstler sein Haus in einer ländlichen Ecke der Insel Lantau im Großraum Hongkong mit einem 6B-Bleistift und einem Blatt Papier, um das Laub, die Pflanzen und die sonstige Vegetation in seiner Umgebung grafisch zu dokumentieren und dabei seine Sensibilität und sein Verständnis für ihr reiches politisches Leben zu entwickeln, ohne den Anspruch zu erheben, an ihrer Stelle zu sprechen. Die feinstofflichen Zeichnungen sind auf Holzplatten nach “Sonnenphasen” angeordnet, in Anlehnung an den traditionellen ostasiatischen Kalender der Lunisolar-Landwirtschaft, wobei jede Phase aus einem Satz von 14 bis 16 Zeichnungen besteht, je nach Anzahl der Tage. Die Zeichnungen befinden sich unter Glas auf Holzplatten, die auf grob behauenen Steinen auf dem Boden liegen, und laden die Besucher*innen ein, sich auf Kissen niederzuknien, um das Werk genauer zu betrachten und sich vielleicht der verkörperten Betrachtung des Künstlers über seine pflanzlichen Nachbarn anzuschließen.
Diese pflanzenpolitische Atmosphäre, die ganz im Einklang mit dem laufenden künstlerischen Programm des Künstlerhauses Stuttgart steht, das sich auf einen ökosystemischen und erweiterten landwirtschaftlichen Ansatz in der Kunst und ihrer Nutzung konzentriert, soll das Motto Farm Everything! noch einen Schritt weiterführen, indem es davon ausgeht, dass das politische Leben der Pflanzen letztlich so aussehen könnte: dass der beste Landwirt immer eine Pflanze ist, da sie sowohl einen Lebensraum benötigt als auch einen für andere bietet.
Eröffnung:
Samstag, 19. Juli 2025, 19 Uhr, 4. OG
In der 44. Dienstags-Werkstatt gibt Florina Leinß einen Einblick in ihre Arbeit, die im Rahmen eines Werkstattstipendiums in der Radierwerkstatt des Künstlerhaus Stuttgart entstanden ist.
Die Verwebung von digitalen Zeichengesten und analoger Druckgrafik bilden schon seit einiger Zeit ein Nebenschauplatz zur malerisch-installativen Praxis der Künstlerin. In einer Serie von Radierungen erkundet Florina Leinß auf experimentelle Weise die Farbaquatinta, bei der sie der traditionellen Technik der Radierung mit einem zeitgenössischen Blick begegnet – geprägt von digitalen Einflüssen.
Trotz der scheinbaren Gegensätzlichkeit von digitaler Zeichnung und manueller Druckgrafik sucht die Künstlerin nach der Verbindung in der Taktilität beider Prozesse. Die körperlichen Gesten, mit denen wir Touchscreens bedienen – Streichen und Wischen – weisen eine überraschende Nähe zum haptischen Arbeiten mit der Radierplatte auf. In diesem gemeinsamen Raum der Geste und Berührung erforscht sie die Spannung zwischen klar definierten Vektorzeichnungen, digital konnotierter Farbigkeit und einem gestisch-materiellen Zugang zum Bild.
Im Anschluss laden wir zum gemeinsamen Gespräch und Austausch ein.
Dienstags-Werkstatt
Mit der Dienstags-Werkstatt lädt das Künstlerhaus Künstler*innen oder Kollektive ein, über ihre Arbeitsweisen, Hintergründe und Vorgehensweisen zu sprechen. Wir wollen eine Plattform etablieren, in der sich intensiver zur künstlerischen Praxis ausgetauscht wird und uns so vernetzen, solidarisieren und gegenseitig stärken. Die Reihe richtet sich an alle Mitglieder des Künstlerhaus Stuttgart, an Künstler*innen aus Stuttgart und Umgebung, oder auf der Durchreise, an alle Kunstvermittler*innen, Kurator*innen, Kulturschaffende usw. und ist offen für alle!
Theresa Dorn lauscht dem Alltag.
Gemeinsam mit ihrer Ateliergemeinschaft Westhafen erforscht sie das Spazierengehen als künstlerische Praxis.
Klang, Gespräch und Ortswahrnehmung fließen in installative und performative Arbeiten ein.
Perspektiven – Was fällt auf und wann? Was dringt ins Bewusstsein? Was bleibt im Hintergrund? Was umgibt uns und wie sehr nehmen wir wahr? Wie klingt unser Alltag und wie unsere Umgebung? Wie verändern sich Dinge, Töne, Klänge, wenn wir ihnen Aufmerksamkeit schenken? Und wie verändern sich Perspektiven wenn wir sie teilen?
Listening Sessions
Das ist der vierte Termin der neuen Veranstaltungsreihe “Listening Sessions” im Tonstudio des Künstlerhauses. Dazu werden Künstler*innen eingeladen, ihre Musik mitzubringen, die sie inspiriert, prägt und begleitet. Gemeinsam werden wir diese im Tonstudio anhören.
Die regelmäßig stattfindende Reihe bietet Raum, um sich über klangliche Einflüsse und persönliche Verbindungen zur Musik auszutauschen. Konzipiert wurde diese Veranstaltungsreihe von Lena Meinhardt, Künstlerin und Leiterin der Audiowerkstatt des Künstlerhauses.
Da die Plätze im Tonstudio begrenzt sind, wird um Anmeldung unter audio@kuenstlerhaus.de gebeten.
15:00–17:00 Uhr
Falten, falzen, kleben. Zum Abschluss der Atmosphäre ECHO-LOGY laden wir ein, die Grenzen des klassischen Buchs hinter sich zu lassen. Inspiriert von den wild wuchernden Künstler*innenbüchern des Centre des Livres d’Artistes (cdla) gestalten wir unter der Anleitung des Künstlers Theo Dietz eigene Bücher und Hefte. Aus recyceltem Material, mit viel Improvisation und Lust am Prozess entstehen Buchobjekte, die schief, schön, schräg – aber garantiert eigen sind. Ob handwerklich versiert oder neugierig-chaotisch: In diesem Workshop wird das Buchbinden als Experimentierfeld betrachtet!
Theo Dietz ist Künstler, Designer und Kunstvermittler. Ausgebildet an der ABK Stuttgart und am Dirty Art Department in Amsterdam, bewegt sich seine Praxis zwischen öffentlicher Intervention und spekulativer Didaktik. Zwischen Klassenzimmer, Mülldeponie und Autobahn verortet, entwickelt er performative Arbeiten, die Humor, Abfall und Kritik kombinieren. Dabei entstehen temporäre Zonen von Solidarität und Widerspruch – provisorisch und stets wachsam gegenüber den Wertesystemen und Kreislaufwirtschaftslogiken des Spätkapitalismus.
Alle sind willkommen. Die Teilnahme ist kostenlos.
Buchbinde-Workshop mit Theo Dietz
Samstag, 28. Juni 2025, 15–17 Uhr, 2. OG
Stellenausschreibung: Assistenz der Künstlerischen Leitung
Zum 01.09.2025 sucht das Künstlerhaus Stuttgart eine*n Werkstudent*in als Assistenz der Künstlerischen Leitung in Teilzeit, 40% (16 Stunden pro Woche).
Ihr Aufgabengebiet:
- Unterstützung der Künstlerischen Leitung bei den täglichen Aufgaben
- Unterstützung bei der Planung und Realisierung des künstlerischen Programms
- Mitarbeit in der Öffentlichkeitsarbeit, etwa bei Pflege der Website, Betreuung von Social- Media-Kanälen und Newsletter
- Unterstützung beim Fundraising, Mitbetreuung Projektbudgets
- Organisation von Reisen und Unterkünften
- Recherche in allen Bereichen der Projektvor- und -nachbereitung
- Kommunikation mit Künstler*innen und Dienstleister*innen
- Pflege von Dokumenten und Ablagen
Ihr Profil:
- Studium in Kunst- und/oder Kulturwissenschaften, Kulturmanagement oder vergleichbaren Studiengängen
- Erste Erfahrungen in einer Kunstinstitution sind wünschenswert
- Sehr gute Organisations- und Koordinationsfähigkeiten
- Schnelle Auffassungsgabe, Initiative, und Kreativität
- Selbstständige und zuverlässige Arbeitsweise
- Fließende Englischkenntnisse in Wort und Schrift
- Sicherer Umgang mit den Microsoft-Office Anwendungen, WordPress
- Flexibilität und Bereitschaft bei Veranstaltungen auch an Abendstunden und Wochenenden vor Ort zu sein
- Teamfähigkeit, Belastbarkeit und Hands-On-Mentalität
- Großes Interesse und Verständnis an zeitgenössischer Kunst
Wir bieten:
- Eine abwechslungsreiche und vielfältige Tätigkeit in einer internationalen Kunstinstitution
- Eigenverantwortliches Arbeiten
- Flache Hierarchien und eine offene Kommunikation
- Flexible Einteilung der Arbeitszeit und Arbeitsort nach Absprache
Ihre Bewerbungsunterlagen richten Sie bitte in einem pdf (max. 3MB) bis zum 20.07.2025 per E-Mail an jg@kuenstlerhaus.de
Die Vorstellungsgespräche finden in der letzten Juliwoche statt.
Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung!
Die heutige Geräuschkulisse gehört zu den toxischsten Bereichen der zeitgenössischen Lebenswelt. Eine tägliche praktizierte akustische Dekontamination ist ein fester Bestandteil jeder erweiterten, regenerativen agrarökologischen Praxis, wenn wir uns ernsthaft mit der Frage auseinandersetzen wollen, wer wann spricht und was es bedeutet, im Anthropozän zu schweigen. Stille, wenn sie nicht gewaltsam aufgezwungen oder als Mangel an Klang erlebt wird, kann ein Raum des Widerstands sein; nicht das Gegenteil von Sprache oder strukturiertem Klang, sondern eine andere Art des Diskurses mit einer eigenen stummen Syntax. In ihrem Gedicht Cartographies of Silence von 1978 schreibt die feministische Dichterin Adrienne Rich über die Stille: „Sie hat eine Geschichte, eine Form, / Verwechsle sie nicht / mit irgendeiner Art von Abwesenheit“. In diesem Sinne gibt es eine Dialektik des Schweigens, die heute durch den unerbittlichen Zusammenbruch der Bioakustik – das verschwindende Summen der Bestäuber, der Vogelgesänge, der freudigen Kakophonie der vollen Nutzung einer lebendigen Landschaft – noch verstärkt wird und die danach schreit, eine vollwertige Politik des Schweigens zu werden. Eine Politik des Schweigens, die, wie Aliocha Imhoff & Kantuta Quirós in ihrem Essay Who Speaks in the Anthropocene sehr schön geschrieben haben, „darin bestehen könnte, sich zu weigern, angesichts der Dringlichkeit zu schweigen, als eine Form des tiefen Zuhörens auf unausgesprochene Sprache und unausgesprochene Stimmen“.
Mit diesen Überlegungen im Hinterkopf und in der Absicht, akustische Erfahrungen, wie subtil sie auch sein mögen, zu kartieren und zu bewerten, haben wir Arne De Boever, Theoretiker und Performer von CalArts, eingeladen, unsere Nutzer*innen in die Tradition der stillen Musik einzuführen – eine Form der Musik, die mit Stille als akustischem Material arbeitet.
Nicht-Musiker*innen, Künstler*innen, Musiker*innen und neugierige Beobachter*innen sind alle eingeladen, an diesem Abend der subtilen Klänge teilzunehmen.
Wir werden philosophische Konzepte rund um das Thema Stille erforschen, wobei wir uns zum Teil auf wissenschaftliche Überlegungen zu alten chinesischen Landschaftsgemälden und der ihnen zugrunde liegenden daoistischen Philosophie stützen werden. In einem produktiven Spannungsverhältnis zu einem solchen philosophischen Ansatz werden die Teilnehmer*innen die sozialen (ethischen und politischen) Dimensionen der Stille betrachten.
Anschließend führt Arne De Boever die Teilnehmer*innen in die Partitur „für kurze Zeit geboren“ von Antoine Beuger ein. Die Teilnehmer*innen werden aufgefordert, ihre Klangquellen für die Aufführung im Hinblick auf den philosophischen und sozialen Rahmen für das Nachdenken über Stille auszuwählen, den De Boever und seine Arbeit mit dem Komponisten Michael Pisaro-Liu bieten. Es sind keine philosophischen oder musikalischen Vorkenntnisse erforderlich.
Wir werden die Partitur 60 Minuten lang gemeinsam aufführen. Danach findet ein Gespräch statt, bei dem die Teilnehmer*innen ihre Klangquellen und die Gründe für ihre Wahl diskutieren können.
Alle sind willkommen.
Subtle Sounds
Performance & Talk
Dienstag, 24. Juni 2025, 19–21 Uhr, 2. Stock
In der 43. Dienstags-Werkstatt wird Laurenz Theinert Einblicke in seine künstlerische Praxis geben.
„Was sehen wir tatsächlich? Was sagt das Bild, das wir uns machen, über die Wirklichkeit?
Laurenz Theinert gibt auf diese Fragen keine Antworten. Aber in seinen Werken bremst er den komplexen Prozess des Sehens, der normalerweise mit rasanter Geschwindigkeit und unterbewusst abläuft, wie auf Zeitlupe ab und richtet die Aufmerksamkeit gezielt auf Einzelaspekte des Geschehens. Er macht beobachtbar, was auf dem Weg von einem Seheindruck, einem Lichtimpuls im Außen, über die physischen Sehorgane und die Beiträge von Denken, Fühlen, Verbinden, Deuten im Gehirn passiert, bevor in uns etwas entsteht, das wir als Wahrnehmung oder als Erkennen bezeichnen. Die Abläufe und Automatismen, Bedingungen und Bedingtheiten zu beobachten, die Wahrnehmung ausmachen, kann ein faszinierendes Erlebnis sein. Aber man kann sich angesichts der hier erlebbaren Beschränkungen der eigenen Erkenntnisfähigkeit auch plötzlich ziemlich blind fühlen. Für dieses Dilemma hat Laurenz Theinert keine Lösung. Doch er macht mit seinen Werken immerhin das Angebot einer Trainingszone, in der man sich beim Reflektieren der Wege und Grenzen von Wahrnehmung begegnet und vielleicht neue Perspektiven entwickelt auf das, was zu sehen ist.“
Dr. Julia Otto, Kunstmuseum Celle, Auszug aus dem Text im Katalog der Ausstellung „Fehlende Dunkelheit“ Museum Ritter 2024
Im Anschluss laden wir zum gemeinsamen Gespräch und Austausch ein.
Dienstags-Werkstatt
Mit der Dienstags-Werkstatt lädt das Künstlerhaus Künstler*innen oder Kollektive ein, über ihre Arbeitsweisen, Hintergründe und Vorgehensweisen zu sprechen. Wir wollen eine Plattform etablieren, in der sich intensiver zur künstlerischen Praxis ausgetauscht wird und uns so vernetzen, solidarisieren und gegenseitig stärken. Die Reihe richtet sich an alle Mitglieder des Künstlerhaus Stuttgart, an Künstler*innen aus Stuttgart und Umgebung, oder auf der Durchreise, an alle Kunstvermittler*innen, Kurator*innen, Kulturschaffende usw. und ist offen für alle!
In der dritten Listening Session werden dem CCR-Credo folgend: „hitch a ride to the end of the highway where the neons turn to wood“, digitale, vibrierende, raue Klangwände durchbrochen und überkonstruierte Stadtparks durchschritten – auf der Suche nach funkelnden Seen, sattgrünen Wiesen und dichten Wäldern.
djytb nimmt sich Klang als Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit Identität, kulturellen Codes und unterschiedlichen Lebenswelten.
Listening Sessions
Das ist der dritte Termin der neuen Veranstaltungsreihe “Listening Sessions” im Tonstudio des Künstlerhaus. Dazu werden Künstler*innen eingeladen, ihre Musik mitzubringen, die sie inspiriert, prägt und begleitet. Gemeinsam werden wir diese im Tonstudio anhören.
Die regelmäßig stattfindende Reihe bietet Raum, um sich über klangliche Einflüsse und persönliche Verbindungen zur Musik auszutauschen. Konzipiert wurde diese Veranstaltungsreihe von Lena Meinhardt, Künstlerin und Leiterin der Audiowerkstatt des Künstlerhauses.
Da die Plätze im Tonstudio begrenzt sind, wird um Anmeldung unter audio@kuenstlerhaus.de gebeten.
Gemeinsam schaffen Körper Atmosphären. Und wenn sich Körper durch diese Atmosphären bewegen, werden sie von ihnen geformt, selbst wenn sie ihnen Form geben. Diese Atmosphären haben nichts Ursprüngliches an sich und auch nichts Reines an den Körpern, die sie nutzen, die sie bewirtschaften. Die Filminstallation CONTAMINATIONS von Sebastian Díaz de León und Katherine Ball folgt etwa zwanzig darstellenden Künstler*innen und Tänzer*innen, die sich mit ihren Körpern durch diese chemischen Geografien bewegen. Das Ultra-Breitbildformat, das einer dünnen atmosphärischen Schicht gleicht, erlaubt nur einen fragmentarischen Blick auf die Körper in Bewegung – menschliche Körper, Körper des Windes, Körper von morgen -, während sie sich an Orten mit wechselnder Dynamik zwischen Natur und Kultur bewegen: In einem schnell erodierenden Sandsteingebirge, das von Erdrutschen bedroht ist, die durch extraktivistische Landnutzungspraktiken noch verschlimmert werden; auf Straßen, die von den durch den Klimawandel verursachten Überschwemmungen unterspült wurden und deren Leitplanken in der Luft schweben; in einer Spionagestation, die auf einem Trümmerhügel aus dem Zweiten Weltkrieg errichtet wurde; und in einer Mülldeponie und einem Recyclingzentrum, wo der Abfall der Kultur von der Natur wieder verstoffwechselt wird. Wenn Natur das richtige Wort dafür ist. Wenn es Kultur ist.
Mit diesem Beitrag beginnt eine allmähliche Verschiebung von der fließenden Atmosphäre des vergangenen Jahres hin zu einer eher untergründigen Atmosphäre des Bodens.
Eröffnung
Mittwoch, 14. Mai 2025
19 Uhr
Screening
CONTAMINATIONS – Bodies between nature and culture (22’)
Eine Videoinstallation von Sebastian Díaz de León & Katherine Ball (2023)
20 Uhr
Evening Walk
30-minütiger Spaziergang nach Heslach zum Ort der Performance
21 Uhr
Performance & Movement-Workshop
Plant Yourself
Die Künstler*innen Katherine Ball und Sebastian Díaz de León laden Sie ein, mit uns in einen großen Haufen Erde einzutauchen—sich mit Samen und Mikroorganismen zu erden—sich selbst einzupflanzen.
Sebastian Díaz de León ist ein in Berlin lebender Künstler, dessen Praxis an der Schnittstelle von Architektur, Film und Forschung angesiedelt ist. Er untersucht bestehende Strukturen, um sich eine soziale und klimagerechte Zukunft vorzustellen, und kombiniert eine Vielzahl von Disziplinen, um zeitgenössische räumliche Herausforderungen anzugehen.
Katherine Ball ist ein Lebensraum für Pilze und Bakterien auf dem Planeten Erde. Sie ist Mitglied der Floating University e.V. und leitet dort Contaminations, ein experimentelles Bildungsprogramm im Freien für Menschen, die mit ihrem Körper arbeiten wollen.
In der 42. Dienstags-Werkstatt wird Julia Wenz-Delaminsky Einblicke in ihre künstlerische Praxis geben.
Julia Wenz-Delaminsky verfolgt eine konzeptionelle und experimentelle Arbeitsweise, die auf die jeweilige Situation variabel reagiert. Ihr Handlungsspielraum ist hierbei sehr breit und nicht an eine bestimmte Technik oder ein bestimmtes Medium gebunden. So finden sich in ihrem Werk Fotografien, Grafiken oder digitale Kunst genauso wie raumgreifende Installationen, Performances oder Kooperationen. „Medium and Message“ sind fusioniert und mit ihrem Alltag verknüpft. Reisen und Sammeln gehören ebenfalls zum kreativen Prozess.
Sie stellt dabei die Frage, wie viel In/stabilität braucht es, um ein Potential zu entwickeln?
Im Anschluss laden wir bei Getränken und Snacks zum gemeinsamen Gespräch und Austausch ein.
Mehr Infos zu Julia Wenz-Delaminsky: www.julia-delaminsky.de
Dienstags-Werkstatt
Mit der Dienstags-Werkstatt lädt das Künstlerhaus Künstler*innen oder Kollektive ein, über ihre Arbeitsweisen, Hintergründe und Vorgehensweisen zu sprechen. Wir wollen eine Plattform etablieren, in der sich intensiver zur künstlerischen Praxis ausgetauscht wird und uns so vernetzen, solidarisieren und gegenseitig stärken. Die Reihe richtet sich an alle Mitglieder des Künstlerhaus Stuttgart, an Künstler*innen aus Stuttgart und Umgebung, oder auf der Durchreise, an alle Kunstvermittler*innen, Kurator*innen, Kulturschaffende usw. und ist offen für alle!
In einer Zeit, in der Kunst als soziale Praxis im Maßstab 1:1 weit verbreitet ist, mag die Kritik am White Cube veraltet und irrelevant erscheinen und leicht als überholte Obsession alter Akademiker*innen abgetan werden. Aber der Markt hat eine schlaue Art, uns davon zu überzeugen, dass Fragen, die bereits aufgeworfen wurden, automatisch altmodisch sind und dass das Verzeichnis der ausstellbaren Probleme ständig aktualisiert werden muss. Wenn soziale Praktiken Fuß fassen sollen, müssen wir uns fragen, ob es noch sinnvoll ist, sie auszustellen, denn seit den 1970er Jahren steht fest, dass der White Cube – ob er nun weiß, schwarz oder rosa, delokalisiert oder virtuell ist – unweigerlich ein Instrument zur Neutralisierung und Deaktivierung von allem ist, was nicht zu der Art von performativer Selbstbewertung gehört, die Mehrwert erzeugt.
Das DeYi Studio lädt Sie ein, ein allegorisches Kartenhaus zu errichten, während Sie Teile eines unzusammenhängenden Vortrags über das Thema Pokemon Go und die Möglichkeit einer nicht-deklarativen Kunst hören. Wir werden den White Cube (wieder einmal), den magischen Kreis (endlich), aber auch allgegenwärtige Spiele, runde Tische und Kompatibilität diskutieren.
Das 2008 von Xia Yilan und Paul Devautour in Shanghai gegründete DeYi Studio arbeitet mit dem Konzept der Kompatibilität als Umkehrung des Gebots der Spezifität und erforscht die Potenziale der nicht ausstellbaren Kunst. Von 2011 bis 2017 betrieb das DeYi Studio das „Bazaar Compatible Program“, einen kleinen experimentellen Raum in einer Basargasse in Shanghai, in dem 152 Vorschläge von aufstrebenden Künstler*innen gezeigt wurden. Seit 2021 bietet das DeYi Studio den „Xinhua Art Service“ an, der Werke von Künstler*innen, Amateur*innen, Kindern und Nachbar*innen im Shanghaier Stadtteil Changning vereint.
Es geht weiter mit dem HAUS ORKESTRA im Künstlerhaus Stuttgart. Wir starten wieder am 8. Mai. Neue Mitglieder sind herzlich willkommen. Basis ist der mehrstimmige Gesang mit instrumentaler Begleitung. Natia Dikhtyar, in Stuttgart lebende und aus Georgien stammende Musikerin führt jede Session ein mit Stimm- und rhythmischen Übungen. Unser Ziel ist ein spielerisches Lernen von Liedern und Musikstücken. Wer Freude am Singen oder Musizieren hat, ist herzlich willkommen. Monika Nuber und Krešo organisieren die Treffen und überlegen sich geeignete Stücke, offen für Vorschläge.
ab 8. Mai 2025
zweiwöchentlich donnerstags, 19.30-21:00 Uhr (2. OG)
Die Teilnahme ist kostenlos.
Fragen gerne per E-Mail an mail@monikanuber.de
Über die Künstler*innen und Musiker*innen:
Monika Nuber ist Trickfilmerin und Musikerin, und verschränkt in ihren Arbeiten auf vielfältige Weise Bild und Ton. Sie spielt Kontrabass bei Rózsák und Maslband, ist Teil des Jon Shit Kollektiv und wird in ihrer neuesten Formation Mother Mountain (mit Johanna Mangold und Lidija Paun) ein weiteres audiovisuelles Kapitel aufschlagen. Viel Erfahrung sammeln konnte sie in Projekten mit Hans Joachim Irmler im Faust Studio in Scheer. Für das Eclat Festival für Neue Musik 2025 hat sie für „ABC der Ausrufe“ Animationen beigesteuert.
Die aus Georgien stammende Sängerin und Jazzmusikerin Natia Dikhtyar komponiert und spielt eine Musik in einer Mischung aus Jazz-Rock-Latin-Fusion Grooves mit georgischen folkloristische Elementen und Poesie. Sie ist tätig als Pädagogin für Gesang und Klavier und leitet Chöre und Vokal Ensembles mit internationalem background. Für das Haus Orkestra wird sie uns den Gesang Georgiens nahebringen aber gerne auch anderes anleiten falls erwünscht und es sich ergibt.
Krešo arbeitete in verschiedenen Rollen in Live- und Medienproduktionen an der Nahtstelle zwischen Kunst und popkulturellen Formaten mit, ist beruflich in der Regle in der Kreativbranche mit Design, Kommunikation und Pädagogik beschäftigt und findet, dass gesungene Sprache den besten aller Zugänge zu Weltreisen in aller Herren Länder darstellt.
Gemeinsam lesen und diskutieren wir die Essays des Autors und Aktivisten Brian Holmes, die im Rahmen der Rivermap-Atmosphäre in vier Künstlerbüchern erschienen sind. Die Texte befassen sich mit politischer Ökologie an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft, Philosophie und Aktivismus. Die Reading Group bietet eine offene Plattform für Austausch und gemeinsames Nachdenken über die Themen der Atmosphäre.
Die Texte sind in englischer Sprache verfasst, wir sprechen aber auch in Deutsch darüber. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich – alle Interessierten sind willkommen!
Sonntag, 13. April 2025, 15 Uhr, 4. OG, mit Thora Gerstner
Samstag, 19. April 2025, 15 Uhr, 4. OG, mit Isabel Motz
Samstag, 26. April 2025, 15 Uhr, 4. OG, mit Lejla Dendic
Das Künstlerhaus Stuttgart freut sich, die neuen Atelierstipendiat*innen des Jahres 2025/26 bekanntzugeben, die am 01. Mai 2025 ihre Ateliers im Künstlerhaus beziehen. Auch in diesem Jahr kann das Künstlerhaus sieben herausragenden Künstlerinnen und Künstlern, und Kollektiven Arbeitsräume für ein Jahr zur Verfügung stellen.
Neu begrüßen dürfen wir Liv Rahel Schwenk und Tyler Cunningham.
Die Stipendien von anima ona, Theo Ferreira Gomes, Paco Ladrón de Guevara Rodríguez, Mizi Lee sowie Marcela Majchrzak wurden um ein weiteres Jahr verlängert.
Liv Rahel Schwenk
Liv Rahel Schwenk (*1984, Filderstadt) arbeitet mit Performance, Video, Zeichnung, Text, Recherche und anderen Medien. Ihr Ansatz ist prozessbasiert und beginnt oft mit einer Aufgabe, einem Experiment oder einer Vorgabe, deren Ausführung z.B. zu algorithmischen Zeichnungen, körperlich herausfordernden Performances, oder ortsspezifischen Videoarbeiten führt. Es ist ihr wichtig, nicht zu wissen, wohin der Prozess führen könnte und was er von ihr verlangt.
In ihren Videoarbeiten und Performances setzt sie ihren Körper ein, um die Regeln oder Gegebenheiten eines Raumes zu hinterfragen. Sie manipuliert das Gefüge von Raum und Zeit und versucht mit ihrem Körper etwas Essentielles über den Raum, aber auch über ihre eigenen Grenzen zu erfahren. Video und Videoprojektion als Teil von Performance ermöglichen es ihr, die zeitlichen und räumlichen Aspekte der Handlungen zu reflektieren, zu verstärken und zu verschränken.
Liv Rahel Schwenk hat Freie Kunst und Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf studiert und ist 2013 mit einem DAAD-Stipendium nach New York City gegangen, um dort ihr Interesse an Tanz und Choreografie zu vertiefen. Sie arbeitet auch als Übersetzerin und als Lektorin für englischsprachige Lyrik und möchte am Künstlerhaus den Modus ‘Translation’ als Basis für neue Performance Research untersuchen.
Tyler Cunningham
Tyler Cunningham (*1996, USA) ist ein in Stuttgart lebender Performance-Künstler, Forscher, Musiker und Autor. Seit 2020 recherchieren Tyler und seine Mutter über seinen verschollenen Vorfahren Avram Alter und dessen Verschwinden nach seiner Deportation aus den USA zurück nach Polen. Seitdem hat er in Zusammenarbeit mit anderen Künstler*innen und Geistern Performances, Audiowalks, Musiktheater und Installationen geschaffen, die ihn zu den Ruinen von Stadtmauern, Spielplätzen, experimentellen Musikorten, dem Atlantik, dem Marienplatz, Sexclubs usw. geführt haben. In letzter Zeit hat er es genossen, ein Elefant im Raum zu sein.
anima ona
anima ona ist eine Kollaboration zwischen Freia Achenbach und June Fàbregas, die in Stuttgart arbeiten und leben. Das Duo studierte Industriedesign an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Einem transdisziplinären und forschungsbasierten Ansatz folgend, entwickeln sie seit 2018 selbst initiierte Projekte und realisieren Auftragsarbeiten, die sich an der Grenze zwischen Design, Forschung und Kunst bewegen.
Mit dem Ziel nachhaltige Visionen für zukünftiges Leben zu schaffen, die Harmonie, Sensibilität und Vielfalt hervorrufen, schaffen sie neue Materialien, Prozesse, Objekte, Möbel, Installationen, Architekturfragmente und Räume.
Ihre vielfältigen Arbeiten eint die Auseinandersetzung mit transformativen Prozessen, Materialien und Technologien, sowie der kulturellen Bedeutung von alltäglichen Gegenständen.
Theo Ferreira Gomes
Theo Ferreira Gomes (*1993, Niterói/Brasilien) ist ein transdisziplinärer Forscher, der zwischen kuratorischer und akustischer Praxis arbeitet. Er interessiert sich besonders für künstlerische Strategien, die jenseits der Grenzen des Kunstsystems Handlungsfähigkeit entfalten. Indem er Stimmen aus Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft vereint, versucht er, das Soziale in „experimentellen Öffentlichkeiten“ neu zu konfigurieren. Dieser Ansatz kann sich in Gemeinschaftsformaten, Hörerlebnissen, Workshops, Partys und Ausstellungen manifestieren.
Seine unabhängige Forschung konzentriert sich auf radikale Ökonomien und Gegenfinanzierungen und er erforscht, wie Künstler*innen mit Gemeinschaftswährungen und alternativen Bankinfrastrukturen experimentieren können. Zusammen mit Kosmas Phan Ðinh untersucht er die Politik des Schweigens und ihre Verstrickungen mit historischen und aktuellen Machtverhältnissen.
Theo arbeitete mit der ORNAMENTA 2024, der Akademie Schloss Solitude, dem Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie Konstanz, der Indian Sonic Research Organisation, dem World Hope Forum und dem ZKM Zentrum für Kunst und Medien zusammen. Von 2019 bis 2023 war er stellvertretender Vorsitzender des gemeinnützigen Kunstraums LAF – Leerstand als Freiraum e.V. in Pforzheim.
Paco Ladrón de Guevara Rodríguez
Paco Ladrón de Guevara Rodríguez (*1997, Granada) konzentriert seine künstlerische Forschung auf die Bereiche Performance und Bildende Kunst und verwendet verschiedene Medien wie Installation, Zeichnung oder Tanz, um seine Projekte zu verwirklichen.
Nach seinem Bachelor-Abschluss in Bildender Kunst (2018) reiste Paco nach Brüssel und Berlin, um sich durch die Teilnahme an Workshops und den Austausch mit anderen Künstler*innen im Bereich Tanz weiterzubilden. Seitdem hat er als professioneller Tänzer in den Tanzkompanien Aura Dance Theatre (Litauen) und Ballett Pforzheim (Deutschland) gearbeitet.
Im Juli 2022 ließ sich Paco als freischaffender Künstler in Stuttgart nieder und konzentrierte sich auf plastische Forschung und Choreografie. Er hatte die Möglichkeit, als Performer für andere Choreografen in verschiedenen Städten Deutschlands, Italiens, Spaniens und der Schweiz zu arbeiten und seine eigenen Werke zu schaffen.
Im Juni 2023 wurde sein erstes abendfüllendes Bühnenwerk unter dem Titel „YAGA“ uraufgeführt, eine Performance, in der er alle von ihm erforschten Disziplinen miteinander verbindet.
Mizi Lee
Mizi Lee (*1990, Changwon, Südkorea) nutzt alle Arten von Medien und überschreitet die Grenzen aller Disziplinen, um ein einzigartiges Ereignis zu schaffen. Mal gründet sie einen Fake-Supermarkt, um Prospekte voller Kunstwerke zu drucken, mal schreit sie in einer Punkband in der Berliner Kulturbrauerei oder in alten Waggons am Nordbahnhof Stuttgart. Sie arbeitet interdisziplinär-kollektiv, weil sie der Meinung ist, dass für Kunstwerke mehr nötig ist als eine Künstlerin. Im Jahr 2022 gründete sie die Punkband Horizontaler Gentransfer und schafft mit ihr reihenweise Projekte, die an der Schnittstelle von Bildender Kunst, Performance und Theater liegen.
Marcela Majchrzak
Marcela Majchrzak (*1993, Polen) ist Künstlerin, Kunstvermittlerin und Mutter und beschäftigt sich in ihren Projekten mit Themen rund um Identität, Kultur und Arbeit. Dabei interessiert sie sich insbesondere für die (Dis-) Funktionalität von Strukturen und ihren Rechtfertigungsmechanismen. Ihre Arbeiten haben oft einen forschenden und performativen Charakter und verwirklichen sich gerne in verschiedenen Formaten des Zusammenkommens. Als Gründungsmitglied der Matriarchalen Volksküche (MV), welches ein Künstler*innen-Kollektiv ist, realisiert sie verschiedene Küchen-, Essens-, und Diskurssituationen. Sie lebt und arbeitet in Stuttgart.
Im Rahmen des Atelierprogramms werden Arbeitsstipendien an herausragende Künstlerinnen und Künstler sowie Bewerber*innen aus den Bereichen Architektur und Theorie vergeben. Ihnen steht mietfrei ein Arbeitsraum im Künstlerhaus zur Verfügung. Zudem können die Werkstätten des Künstlerhauses kostenfrei genutzt werden. Die Arbeitsräume werden anhand der eingegangenen Bewerbungen jährlich vergeben. Die Entscheidung über die Vergabe trifft der Beirat des Künstlerhauses. Stipendienbeginn ist immer der 01. Mai eines Jahres . Die Jury bestand aus Vertreter*innen des Vorstands und des Beirats des Künstlerhaus Stuttgart e.V.
Im Rahmen der 41. Dienstags-Werkstatt möchte Marcela Majchrzak mit den Teilnehmenden eine Übergangssituation zwischen zwei Kunstwerken teilen.
Zu Beginn sind die Verbindungen zwischen zwei Arbeiten oft spürbar, lassen sich aber noch nicht klar benennen. Die Künstlerin gibt Einblick in diesen sensiblen Moment, indem sie ihre Videoarbeit hügeln zeigt, die in die Installation Domistification of my Expectations (AT) eingebettet ist und den Beginn einer neuen künstlerischen Auseinandersetzung einleitet.
Die Videoarbeit hügeln thematisiert das Erinnern und Vergessen auf persönlicher und gesellschaftlicher Ebene. Das Objekt der Auseinandersetzung ist ein Monument aus der Kindheit der Künstlerin, das entfernt werden soll. Durch die Möglichkeit der Entfernung verliert es seinen Schleier der Unsichtbarkeit und schafft neue Existenzen. Die Installation Domistification of my Expectations (AT) baut auf der Arbeit hügeln auf und setzt sich mit den Gesten des Ankommens und Bewohnens eines Raumes sowie dem Verhältnis des persönlichen Raums zur Außenwelt auseinander.
Die Künstlerin lädt zum Screening ihres Videos ein, gefolgt von Drinks und Gesprächen innerhalb der Installation.
Dienstags-Werkstatt
Mit der Dienstags-Werkstatt lädt das Künstlerhaus Künstler*innen oder Kollektive ein, über ihre Arbeitsweisen, Hintergründe und Vorgehensweisen zu sprechen. Wir wollen eine Plattform etablieren, in der sich intensiver zur künstlerischen Praxis ausgetauscht wird und uns so vernetzen, solidarisieren und gegenseitig stärken. Die Reihe richtet sich an alle Mitglieder des Künstlerhaus Stuttgart, an Künstler*innen aus Stuttgart und Umgebung, oder auf der Durchreise, an alle Kunstvermittler*innen, Kurator*innen, Kulturschaffende usw. und ist offen für alle!
Was sagt uns die industrielle Landwirtschaft über den aktuellen Zustand der Erde? Welche Bedeutung haben materielle Veränderungen in der Nahrungsmittelindustrie für unser Leben? Und warum sollten wir uns Gedanken machen über die Erzeugung und Verbreitung von Abfällen in den Städten und auf dem Land?
Im Schnittfeld von Gesellschaft und Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst will die Veranstaltung »Metabolic Futures« ein Bewusstsein dafür schaffen, wie wir unseren veränderten Planeten verstehen und bewohnen können. Sie nimmt den Begriff des Metabolismus – also die biochemische Umwandlung von Stoffen, die Nutzbarmachung von Organismen für die Produktivität und die Zirkulation von Materialien in Körpern, Städten und der Umwelt – als Ausganspunkt, um sich mit dringenden Problemen wie der Gesundheits- und Klimakrise zu beschäftigen.
Mit Vorträgen, Filmscreenings, Spaziergängen, einem Kochkurs und Konzerten wollen wir das Ökonomische im Lichte des ökologischen Wandels überdenken und gemeinsam der Frage nachgehen: Was macht eine lebenswerte Zukunft aus, wenn ein Drittel der Erdoberfläche für Tierfutter verwendet wird und die Biomasse von Nutztieren die der Menschen auf unserem Planeten übersteigt?
Mit Beiträgen von Andrew Barry, Maan Barua, Rehema Chachage, Kosmas Phan Ðinh, Sonja Dümpelmann, Hanieh Fatouraee, Matthew Gandy, Hannah Landecker, Mert Morali, Víctor Muñoz Sanz, Marco Pando
Die Veranstaltung findet statt im Rahmen des Programms art, science & business der Akademie Schloss Solitude in Kooperation mit dem Künstlerhaus Stuttgart und Raupe Immersatt e.V.
Eintritt frei!
Freitag, 4. April, ab 18 Uhr
Wo: Akademie Schloss Solitude
18 Uhr
Begrüßung & Einführung
18:30 Uhr
Distilled, Emulsified, Suspended: On Viscosity and Time in the Metabolism of Mass Production
Keynote von Hannah Landecker
20 Uhr
Grains of Fragility
Klangstück von Mert Moralı
20:30 Uhr
Foodsharing-Dinner
Samstag, 5. April 2025, 11-14:00 Uhr
Wo: Café Raupe Immersatt
11 Uhr
Pick Your Substance
Investigative Schnippel-Aktion
Habt Ihr Euch schon einmal gefragt, was es mit den ganzen Substanzen auf den Zutatenlisten von alltäglichen Lebensmitteln auf sich hat? Der Workshop im Foodsharing-Café Raupe Immersatt lädt dazu ein, genau diese Inhaltsstoffe einmal ausführlicher zu betrachten. Wir suchen uns Substanzen von einer Zutatenliste aus und kommen ins Gespräch mit eingeladenen Wissenschaftler*innen, die sich mit der Lebensmittelindustrie und dem Thema Stoffwechsel beschäftigen. Während wir Snacks zubereiten und essen, wollen wir gemeinsam etwas über die Kreisläufe dieser Stoffe erfahren: Wie und wo werden sie produziert? Wie beeinflussen sie unsere Körper? Und was sind die ökologischen und sozialen Folgen dieser Produktion?
14 Uhr
Soundwalk: Listening to Leaks
Urbaner Hörspaziergang mit Kosmas Phan Ðinh
Wie kann Hören porös werden – als ein Akt der Neuformierung von Innen und Außen? Wie sind unsere körperlichen Verdauungssysteme rhythmisch mit der Umgebung verbunden? Und welche Klänge werden an die Ränder des städtischen Raums gedrängt? Mittels Hörübungen, Live Field Recordings und Klangübertragungen lädt der Soundwalk dazu ein, diesen Fragen gemeinsam nachzugehen. Entlang verschiedener Stationen im Stuttgarter Westen, wie der amphibischen Ökologie des Feuersees, werden wir aufmerksames Spazieren, Verdauen und Hören erproben – während wir uns langsam in den Intervallen des urbanen Stoffwechsels auflösen.
Treffpunkt: Café Raupe Immersatt
Samstag, 5. April 2025, ab 16 Uhr
Wo: Künstlerhaus Stuttgart, 2. OG
16 Uhr
Ein gemeinsames Tischgespräch mit
Planetary Metabolism and Chemical Geography
ein Vortrag von Andrew Barry über den Zusammenhang zwischen dem Stoffwechsel von Lebewesen und der globalen politischen Ökonomie
Cowborgs in the Polder: True Type
eine Videopräsentation von Víctor Muñoz Sanz über die Designlogik der modernen Tierzucht zur Maximierung der Milchproduktion
Sofreh #1
ein Videoscreening von Hanieh Fatouraee und eine Reflektion über die unheimlichen öffentlichen Ausstellungsaktivitäten, bei denen Menschen an verschiedenen Orten in Istanbul Brot für Tiere und Bedürftige zum Essen auslegen
The Metropolis and Metabolic Life
eine Videopräsentation von Maan Marua, die anhand des Beispiels von Masthühnern in Indien die Beziehungen zwischen Städten, Wirtschaft und der Urbanisierung der Natur aufdeckt
Urban metabolism redux
ein Vortrag von Matthew Gandy über artenübergreifende metabolische Verflechtungen, über Städte und ihr landwirtschaftliches Hinterland, und über alternative metabolische Lesarten des städtischen Raums
Invasive Exotic
eine Kurzfilmanimation von Marco Pando darüber, was passieren würde, wenn das Bauhaus seine Prinzipien auf invasive Pflanzen ausweiten würde
The Open Weave I
eine Videovorführung von Rehema Chachage in der wir im Schneidersitz sitzende Figuren sehen, die gepflückte Blumen zu einer langen, wachsenden Kette verweben. Die Arbeit ist eine Einladung an uns, zu überdenken wie unsere Körper, Gesten und Umgebungen miteinander verflochten sind und wie wir durch Handlungen des Gestaltens und Erinnerns Zukünfte weben können, die die Vergangenheit anerkennen.
20 Uhr
What You Eat Eats
Eine Gesprächsrunde mit besonderen Gästen und lokalen Initiativen
21 Uhr
Mixed Pickles Dinner
mit Claudia Dietz und Juli Gebhardt
Mit freundlicher Unterstützung durch den ERC Horizon 2020 Starting Grant (Urban Ecologies, Grant No. 759239).
Die Kinderwerkstatt des Künstlerhauses Stuttgart e.V. befindet sich in direkter Nachbarschaft des Stammhauses in der Augustenstraße 67b. Hier kommen jede Woche über 70 Kinder in festen altersgemischten Gruppen zusammen, um gemeinsam mit Künstler*innen und Kunstpädagog*innen künstlerische Materialien und Techniken zu erproben und individuellen Gestaltungsideen nachzugehen.
In den vergangenen Jahren stellten die beengten Verhältnisse der Räume im Souterrain eine zunehmende Herausforderung für die Werkstattarbeit dar. Der Mangel an Arbeits-, Lager- und Ausweichflächen führte zu der Idee, den vorhandenen Raum gewissermaßen nach innen zu vervielfältigen: Die Idee zu einem Gestaltungsexploratorium im hinteren Raum der Werkstatt war geboren.
Im Rahmen eines Studienprojektes im SS 2024 entwickelten die Studierenden Carlo Twiste, Jim Wolff, Raphael Rychlik, Florian Klein, Vincent Wolf, Noah Mangold, Liska Langensteiner, Theresa Weigand und Erhan Türk aus dem Studiengang Architektur der ABK Stuttgart unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Stephan Engelsmann, Tobias Laukenmann M.A. und der Leiterin der Kinderwerkstatt Stephanie Bollinger-Casale einen Entwurf für ein ‚Gestaltungsexploratorium‘. Das Raummöbel, das den Raum mittels zusätzlicher Niveaus auch in seiner Höhe und Weite erschließt, verbindet das ‚Bauen für Kinder‘ mit der Idee eines „fragenstellenden Raumes“. Es bildet die Grundlage für vielfältige Aus- und Weitergestaltungen und dreidimensionale Interventionen der Werkstattkinder.
Die Planung und Ausführung der Holzarbeiten erfolgte durch die Studierenden selbst.
Der herzliche Dank des Werkstattteams geht an alle Studierenden, insbesondere Carlo Twiste, Erhan Türk, und Florian Klein für die praktische Umsetzung, an Stephan Engelsmann, Tobias Laukenmann, Siggi Kalnbach (Technische Leitung Künstlerhaus) und an Romy Range (Geschäftsführung).
Während eines Spaziergangs zur Kapelle im Höhenpark Killesberg werden wir uns mit Messgeräten, wie dem Geigerzähler, einem für den Mensch nicht sichtbaren Phänomen annähern: der radioaktiven Strahlung. Während durch den Menschen verursachte Kontaminationen durch Unfälle in der Nutzung der Kernenergie und zahlreiche Atombombentests die Landschaften des Anthropozäns kennzeichnen, gibt es auch natürlich vorkommende radioaktive Stoffe in unserer alltäglichen Umgebung. In der Kapelle im Killesbergpark werden wir eine Messung an einem natürlich Uran-haltigen Sandstein durchführen.
Anschließend wird im Künstlerhaus gemeinsam die Atmosphäre “Earth Time” besucht und es wird Zeit geben, die Verbindung zum lokalen Phänomen der radioaktiven Kapelle zu diskutieren.
Sonntag, 30. März 2025, 10:00-12:30 Uhr
Treffpunkt: 10:00 U-Bahn Haltestelle Killesberg Ausgang Treppe Richtung Killesbergpark
mit Bernd Laquai (Messtechnik Ingenieur und Citizen Scientist)
und Isabel Motz (Grafikdesignerin und Artistic Researcher)
Das vierte Kapitel der Ausstellungsreihe zum Konzept „Kinoiserie, Briller comme mille soleils / Leuchten wie tausend Sonnen“ des Atelierstipendiat Lambert Mousseka fokussiert sich auf die Rückkehr zur Authentizität und der Geburt der Sapologie.*
Fünf Jahre nach der Machtübernahme im Kongo verkündete Mobutu die „Rückkehr zur Authentizität“. Diese Rückkehr bedeutete, alles zu entfernen, was sich auf den Westen bezog, wie zum Beispiel der Name des Landes und der Menschen sowie die westliche Mode. Die anfängliche Euphorie wandelte sich schnell in eine spürbare Diktatur. Wer sich dagegen stellte, wurde in der Öffentlichkeit bestraft und gedemütigt. Das war die Geburtsstunde der Sapologie.
Am 29. März findet in Form von Diskussionen, Dialogen und der partizipativen Sapologie eine Hommage an die kongolesischen Frauen im Künstlerhaus Stuttgart statt. Besucher:innen sind eingeladen, zum „Monument Vivant“ (zum lebenden Kunstwerk) zu werden, und gemeinsam mit den Mitgliedern des Vereins Kasai Wetuawu e.V. zu sapieren und die „authentischen“ afrikanischen Stoffe und Speisen zu genießen.
Samstag, 29. März 2025, 18 Uhr
3. Stock (Atelieretage)
*SAPE – Société des Artistes et de personnes Elégantes (Gesellschaft für Künstler*innen und Eleganter Personen). Die Sapologie ist die Philosophie und ein Sapologe ist die Person, die diese Philosophie praktiziert.
Das Künstlerhaus Stuttgart präsentiert neben Büchern von besonderen Gästen eine Auswahl von Künstler*innenbüchern, Drucken und Druckerzeugnissen aus der Sammlung des Centre des Livres d’Artistes – cdla, einem kulturellen Kleinod in der Stadt Saint-Yrieix-la-Perche im ländlichen Südwesten Frankreichs.
Es ist unbestritten, dass Künstler*innenbücher eine Art eigenes künstlerisches Ökosystem darstellen, das weder der Ausstellungslogik noch den Verlagsprotokollen folgt. Genau ein solches Ökosystem wird das Centre de livres d’artistes (cdla) – eines der bedeutendsten Archive für Künstler*innenbücher in Frankreich und eines der besten weltweit – in diesem Frühjahr im zweiten Stock des Künstlerhauses Stuttgart präsentieren. Eine Atmosphäre aus Wolken, Luft und Erde sowie eine Kartographenecke, die die zentralen Ideen des diesjährigen Programms des Künstlerhauses aufgreift, wird dieses Ökosystem unterstützen. Der Titel des Projekts, ECHO-LOGY, ist einer wenig bekannten Publikation des Künstlers Allan Kaprow aus dem Jahr 1975 entnommen, die in der Ausstellung zu sehen ist und die eine spielerische Atmosphäre ästhetischer und formaler Anklänge zwischen den verschiedenen Künstler*innenbüchern und Künstler*innenkarten schafft, die alle einen weiten Blickwinkel auf ökologische Aspekte haben.
Die Tatsache, dass ökologische Themen häufig das Leitmotiv von Künstler*innenbüchern sind, hängt sowohl mit ihrer Verbreitung als auch mit der Art ihrer Präsentation zusammen. Künstler*innenbücher werden in der Regel in Vitrinen ausgestellt, da sie immer in sehr begrenzten Auflagen gedruckt werden. Dies dient zum einen ihrem Schutz. Aber die Präsentation unter Glas hebt sie auch in eine halbautonome Ökosphäre ab – nicht anders als Pflanzen in einem Gewächshaus. Dieser „Treibhauseffekt“ kann als Analogie zur Ausstellungspraxis und zum Gartenbau gesehen werden, denn er bündelt die Energie des Blicks wie die der Sonne und lässt Samen, Formen und Ideen sprießen und gedeihen. Mit diesem multidirektionalen Echo zwischen Ausstellung und Gartenbau, zwischen den Ökosystemen von Pflanzen und denen von Büchern (die materiell gesehen auch Pflanzen sind), wird auch diese Echo-Logie spielen.
Im Rahmen von ECHO-LOGY scheint es wichtig zu sein, sich vor Augen zu halten, dass Bücher Pflanzen sind, oder zumindest in einem früheren Leben und einer früheren Form Pflanzen waren. Und das ist etwas, was wir – wir alle – mit den Büchern gemeinsam haben, denn auch wir sind oder waren Pflanzen, insofern, als das, was wir sind, vollständig aus dem pflanzlichen Leben besteht, das wir in der einen oder anderen Form verstoffwechselt haben (da Pflanzen die Grundlage des Nahrungsnetzes in der Natur sind). Und dieses pflanzliche Leben wuchs, indem es die Energie der Sonne – eines Astralkörpers – photosynthetisierte, sie in der mineralischen Materie der Erde einkapselte und immer mehr Licht in den molekularen Strukturen einer Pflanze anhäufte. Wenn dieses von der Sonne geladene Pflanzenleben die Form eines Buches annimmt, wird dieses Buch zu einem Speicher und einer Verkörperung kosmischer Energie – nicht in einem erhabenen metaphorischen Sinne, sondern materiell – und es hallt hartnäckig, wenn auch diskret, auf Schritt und Tritt sein materielles Erbe (man könnte sogar sagen, seine jenseitigen Quellen) wider, auch wenn wir es manchmal übersehen. Sowohl aus materieller als auch aus ökologischer Sicht ist ein Buch also ein Stoffwechselprodukt – sowohl als Objekt als auch als Träger von Formen, Farben, Gestalten und Worten.
Da Künstler*innenbücher spielerisch ihre Materialität in den Vordergrund stellen, die sich der Vermittlung einer äußeren Botschaft verweigert, dienen sie als nützliche Erinnerung daran, dass sie in erster Linie Stoffwechselakteur*innen und nicht Objekte der Vermittlung sind, und dass sie „das Land als seine eigene Landkarte benutzen“, wie Lewis Carroll es in Sylvie and Bruno Continued (1893) berühmt formulierte. Zu einem solchen materiellen und visuellen Dialog haben wir die Stuttgarter Buchkünstler*innen Christina Schmid, Shinroku Shimokawa und Ingar Krauss eingeladen, die sich mit rund zwei Dutzend Künstler*innenbüchern aus der cdla-Sammlung auseinandersetzen.
Kuratiert von Didier Mathieu und Jean-Marc Berguel (cdla) sowie Tamarind Rossetti und Stephen Wright (Künstlerhaus Stuttgart).
12:00–18:00 Uhr
Kommt am 22. März zum World Water Day der Vereinten Nationen vorbei, um aus der Ferne den Höhepunkt eines riesigen Flussprotests mitzuerleben. Die Aktion feiert genau die Geschichte, die in Teachings of the Flood von Casa Rìo angesprochen und von Brian Holmes in seinem Essay Bioculture Now! thematisiert wird.
Es wird eine Live-Übertragung zum Protest bei der Mündung der Flüsse Parana und Paraguay geben, wo sich Umweltschützer*innen, argentinische Kommunist*innen und eine ganzen Reihe von befreiungstheologischen Kirchen zusammenschließen – insgesamt etwa 100 Partner*innen, die alle lokale Aktionen organisieren. Außerdem wird es auch eine Fahrt auf dem Fluss geben, die symbolisch in Asunción, Paraguay, beginnt; von Resistencia aus werden die Paddler*innen bis nach Rosario fahren und unterwegs in Städten und Dörfern Halt machen. All diese Aktionen werden mit multimedialen Beiträgen auf Brian Holmes‘ interaktiver Karte dokumentiert werden.
12:00–18:00 Uhr
Das Künstlerhaus feiert am 15. März den Tag der Druckkunst, der in ganz Deutschland die Möglichkeit für Künstler*innen, Druckwerkstätten, Museen, Hochschulen, Kunstvereine und andere Akteure bietet, zu zeigen, wie lebendig die Druckkunst ist: von den traditionellen Techniken bis zur experimentellen Druckkunst.
Das Künstlerhaus öffnet zu diesem Anlass seine Lithografie- und Radierwerkstatt für Interessierte und Neugierige. Im zweiten Stock ist die Lithografieausstellung Von der Übersicht von Carmen Weber zu sehen.
13 Uhr – Arbeitsgespräch zwischen Carmen Weber, Donna Volta Newmen, und Florina Leinß über Radierung und Lithografie
15 Uhr – Künstlerinnengespräch zwischen Carmen Weber und den Kurator*innen Tamarind Rossetti und Stephen Wright über die Ausstellung Von der Übersicht
Im Rahmen des Tags der Druckkunst wird die preisgekrönte Lithografie-Künstlerin Carmen Weber um 15 Uhr im Gespräch mit den Kurator*innen Tamarind Rossetti und Stephen Wright über ihre komplexen Arbeiten in Von der Übersicht sprechen. Dabei geht es um den Prozess der Lithografie an sich, die Faszination, die das Zeichnen auf Steinen für Weber ausübt, die Verwendung historischer Kartierungssteine in ihren Arbeiten und die Beziehungen, die diese Werke mit dem Land und der Region Stuttgart haben.
Darüber hinaus wird das Gespräch die Beziehung der Werke zur Kartographie und in Webers Fall die einzigartige Verwendung der Lithographietechnik zur Erstellung von Gegenkarten untersuchen.
Gegenüberliegend geben die aktuellen Werkstattstipendiatinnen Donna Volta Newmen, Florina Leinß und Julia Wenz einen Einblick in ihre aktuelle Arbeit und in eine andere Drucktechnik – die Radierung.
Die Drucktechniken Lithografie und Radierung werden auch im gemeinsamen Arbeitsgespräch zwischen den Künstler*innen um 13 Uhr im Fokus stehen, zu dem alle Künstler*innen und Interessierte herzlich eingeladen sind.
Dienstag, 11. März 2025, 19 Uhr
2. Stock
Wie stellen wir uns gegenwärtig und in Zukunft den globalen Veränderungen, die seit dem Beginn der Industrialisierung, im Zeitalter des Anthropozän, durch uns Menschen versursacht wurden? Dieser Frage geht die Künstlerin Kathrin Wörwag nach.
In ihrem Projekt längs und quer zum fluss (2023) im Rahmen des IBA’27-Festivals initiiert sie in der ehemaligen Neckarspinnerei in Wendlingen, in der noch bis 2020 produziert wurde, einen Ausstellungs- und Begegnungsort als Labor des kollaborativen Austauschs. Ausgehend von komplexen Recherchen, ortsspezifischen Erkundungen, Aktionsvorträgen und Workshops, werden gemeinsam mit weiteren, von ihr eingeladenen, beteiligten Künstler*innen Fragen zur sozial-ökologischen Transformation der historischen Industriekultur untersucht und mit den Menschen vor Ort diskutiert. Im Mittelpunkt stehen die Koexistenz und gegenseitige Abhängigkeit menschlicher und nichtmenschlicher Lebensräume.
In der 40. Dienstagswerkstatt gibt Kathrin Wörwag einen Einblick in das Projekt und ihre weitere vielfältige Arbeitsweise. In ihrer künstlerischen Praxis erprobt sie, wie Kunst für die aktive Gestaltung einer lebenswerten Kultur und Umwelt relevant sein kann. Dabei geht es ihr auch um ein vertieftes Verständnis von Kreativität, das alle und nicht nur Künstler*innen adressiert: Wie können wir uns selbst aktivieren und uns gegenseitig kreativ involvieren? Um dies herauszufinden, nimmt Wörwag stets neu die Rolle einer (Ver)Mittlerin ein und arbeitet mit einem erweiterten Kunstbegriff, den sie über die Grenzen institutioneller Kunsträume hinaus, in alltäglichen und sozialen Kontexten oder Arbeitszusammenhängen, oft gemeinsam mit anderen Akteur*innen auslotet. Mit ihrer Kunst schafft sie Möglichkeiten, um vom Gegenüber zu lernen. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen vielstimmige Prozesse, temporäre Laboratorien, performative Interventionen, informelle Wissensformen, künstlerische Forschung und unterschiedlichste Formate des Dialogs und der Interaktion.
Dienstags-Werkstatt
Mit der Dienstags-Werkstatt lädt das Künstlerhaus Künstler:innen oder Kollektive ein, über ihre Arbeitsweisen, Hintergründe und Vorgehensweisen zu sprechen. Wir wollen eine Plattform etablieren, in der sich intensiver zur künstlerischen Praxis ausgetauscht wird und uns so vernetzen, solidarisieren und gegenseitig stärken. Die Reihe richtet sich an alle Mitglieder des Künstlerhaus Stuttgart, an Künstler*innen aus Stuttgart und Umgebung, oder auf der Durchreise, an alle Kunstvermittler*innen, Kurator*innen, Kulturschaffende usw. und ist offen für alle!
Das Künstlerhaus Stuttgart Reuchlinstraße 4b e.V. sucht zum 01. September 2025 eine Geschäftsführung (m/w/d).
Die Vollzeitstelle umfasst 38,5 Stunden/Woche und ist unbefristet und in Präsenz auszufüllen. Teilweise besteht die Möglichkeit des mobilen Arbeitens.
DIE INSTITUTION
Das Künstlerhaus Stuttgart wurde 1978 von Künstler*innen für Künstler*innen gegründet und hat heute rund 700 Mitglieder. Seither ist das KHS ein Ort, an dem die Produktion und Präsentation von Kunst, die diskursive Auseinandersetzung mit künstlerischen Praxen und die kritische Reflektion der Produktionsbedingungen gefördert werden. Dem entspricht die operative Struktur des Künstlerhaus Stuttgart, das Ausstellungsräume, Werkstätten, Ateliers und Aktivitäten im öffentlichen Raum beherbergt. Indem es den sozialen und politischen Forderungen von Künstler*innen einen Raum gibt und gleichzeitig beständig die aktuellsten Praktiken und Diskurse in der Kunstwelt fördert, hat sich das Künstlerhaus Stuttgart zu einem Standort von lokaler, regionaler und internationaler Bedeutung entwickelt. Das Künstlerhaus Stuttgart wird maßgeblich durch die institutionelle Förderung der Stadt Stuttgart finanziert.
DAS TEAM
Die Geschäftsführung wird durch eine*n Assistent*in in Teilzeit unterstützt. Darüber hinaus besteht das Team des Künstlerhauses aus einer alle vier Jahre wechselnden Künstlerischen Leitung, einer festangestellten Buchhalterin, sowie dem technischen Leiter und einer Assistenz der Künstlerischen Leitung. Das Künstlerhaus Stuttgart wird getragen vom Engagement der ehrenamtlichen Werkstattleiter*innen und Beiratsmitglieder, mit denen die Geschäftsführung eng zusammenarbeitet.
DIE GESCHÄFTSFÜHRUNG
Die Geschäftsführung des Künstlerhaus Stuttgart e.V. ist für alle organisatorischen Belange zuständig und die erste Anlaufstelle für Besucher*innen und Nutzer*innen der Ausstellungen, Werkstätten und Ateliers. Sie berichtet an die Vorstände des Künstlerhauses.
Der Verantwortungsbereich der Geschäftsführung umfasst unter anderem:
– Strategische Planung der Ausrichtung der Institution, zusammen mit den Gremien
– Allgemeine Verwaltung, Sicherstellung aller täglichen Abläufe im Haus
– Verwaltung der Werkstätten und Ateliers
– Haushaltsplanerstellung und Controlling unterjährig
– Kommunikation intern
– Medien- und Öffentlichkeitsarbeit
– Verhandlungen mit Behörden, Fördergebern, Vertragspartnern, etc.
– Akquise von Drittmitteln und Projektmanagement bei Vereinsprojekten
– Vor- und Nachbereitung von Gremiensitzungen
– Personalmanagement (in Abstimmung mit dem Vorstand)
– Beantwortung von Vermietungsanfragen im Haus
– Hausführungen für Dritte (Unternehmen, Hochschulen, Interessierte)
SIE HABEN
– ein abgeschlossenes Studium, im Bereich Kulturmanagement, Medienwissenschaften, Kunstwissenschaften, Kulturwissenschaften oder eine vergleichbare Qualifikation
– idealerweise mehrjährige Erfahrungen als Projektmanager*in im Kulturbetrieb
– Erfahrungen in der Drittmittelakquise für Kulturprojekte
– Flexibilität, Kreativität, Eigenständigkeit und Initiative
– sicheres Auftreten und ausgeprägte Kommunikations- und Organisationsfähigkeit
– Sensibilität und soziale Kompetenz in der Personalführung, sowie im Umgang mit Künstler*innen und Gästen
– Interesse an kulturpolitischen Prozessen
– hervorragende Kenntnisse der deutschen und englischen Sprache
WIR BIETEN
– ein vielseitiges Aufgabengebiet mit großer Eigenverantwortlichkeit und zahlreichen Gestaltungsmöglichkeiten
– die Möglichkeit, das Profil einer international renommierten Kunstinstitution mitzugestalten
– eine kreative und inspirierende Arbeitsumgebung
– eine hohe Flexibilität bei der Gestaltung Ihres Arbeitsalltags
– einen Zuschuss in Höhe von 50 % für ein Deutschlandticket
– ein der Aufgabe angemessenes Gehalt
DIE BEWERBUNG
Bitte senden Sie aussagekräftige Bewerbungsunterlagen (Motivationsschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse und Referenzen) in einer PDF-Datei an bewerbung@kuenstlerhaus.de.
Bewerbungsfrist ist der 07. April 2025.
KONTAKT
Ania Corcilius, Vorstandsvorsitzende
Künstlerhaus Stuttgart e.V.
Reuchlinstraße 4b
70178 Stuttgart
17:00–22:00 Uhr
Sonntag, 23. Februar 17–22 Uhr
Im Theater RAMPE (Filderstraße 47, 70180 Stuttgart)
Das beste Mittel gegen Hass und Hetze ist immer noch ein Kreuz zu machen für eine demokratische Partei eurer Wahl. Sprecht mit euren Nachbar:innen und Kolleg:innen, in der Familie und im Freundeskreis und dann geht wählen am 23.02.2025!
Denn das Ergebnis wird möglicherweise herausfordernd sein für alle, die sich in Deutschland für eine progressive, inklusive und gewaltfreie plurale Demokratie einsetzen. Es ist absehbar, dass es am Wahlabend reichlich Gründe für Wut, Fassungslosigkeit oder Trauer geben wird.
Daher wollen wir zusammenkommen und gemeinsam schreien, weinen, diskutieren, lachen, hoffen, trinken und tanzen – und damit zeigen: Wir kämpfen für eine plurale Demokratie, und wir geben nicht auf, weder vor der Wahl noch danach.
Eintritt frei
Eine gemeinsame Veranstaltung von der RAMPE, Künstlerhaus Stuttgart, JES, JOiN und Akademie Schloss Solitude.
Das Public Screaming findet im Rahmen von heimaten statt und ist eine Initiative zur Bundestagswahl des Haus der Kulturen der Welt (HKW), Berlin. Mehr Informationen dazu hier.
Weitere Public Screamings werden an folgenden Orten veranstaltet:
FFT Düsseldorf, Kammerspiele München / Habibi Kiosk, Kampnagel Hamburg, Karlstorbahnhof Heidelberg, KoalaKollektiv im Mousonturm Frankfurt am Main, PACT Zollverein Esslingen, RAMPE Stuttgart, Schauspiel Dortmund, Studio Literatur und Theater Tübingen in Kooperation mit Club Voltaire, Theater Konstanz
Das Punk-Performance-Kollektiv Horizontaler Gentransfer, Mizi Lee, Yun Park, Jerry Ahn, Hanseo Oh, Seonha Park und Lilian Gonzalez, sind mit dem Hans-Molfenter-Preis 2025 ausgezeichnet worden.
Horizontaler Gentransfer wurde 2022 von der Atelierstipendiatin des Künstlerhauses Mizi Lee gegründet.
Der Hans-Molfenter-Preis, der Kunstpreis der Landeshauptstadt Stuttgart, wird seit 1983 – anfangs alle zwei Jahre, seit 1995 alle drei Jahre – an Künstler*innen vergeben, die mit der Stadt und der Region verbunden sind und durch ein herausragendes künstlerisches Werk Anerkennung erfahren haben. Finanziert wird der mit 16.000 Euro dotierte Preis aus dem nachgelassenen Vermögen des Stuttgarter Malers Hans Molfenter (1884–1979).
Die Auszeichnung ist mit einer Präsentation im Kunstmuseum Stuttgart verbunden, wobei Horizontaler Gentransfer am 27. Juni ein Konzert im Kunstmuseum Stuttgart realisiert.
Das Handwerk ist ein Ausgangspunkt der Kunst von Ute Fischer-Dieter. Durch intuitives Abrufen von Erlerntem und dem aktiven Ausprobieren der Möglichkeiten dessen, was gemeinhin als „gutes Handwerk“ bezeichnet wird, lotet Fischer-Dieter dieses aus. Es ist eine performative Herangehensweise, bei der es nicht darum geht, neue, handwerklich perfekt ausgeführte Objekte herzustellen.
In ihrem Schaffen setzt sich die Künstlerin mit der in unserer Leistungsgesellschaft präsenten Vorstellung von Perfektion auseinander. Es gibt kein richtig und kein falsch. Die Arbeit der Künstlerin wird stets begleitet vom Suchen, Reflektieren, Weitermachen und Hinterfragen. Die Werkgruppen resultieren aus zahlreichen Quellen und Erfahrungswerten mit unterschiedlichen Charakteren. Dennoch ist alles miteinander verwoben, da eines aus dem anderen entsteht.
Generell arbeitet die Künstlerin bevorzugt mit bereits vorhandenen Materialien. Unsere Konsumgesellschaft hat schon so viel hervorgebracht, dass sie möglichst wenig neue Ressourcen verbrauchen will. Ausrangierte Modemagazine werden recycelt, mehrfach mit Siebdrucken überdruckt, wodurch das ursprüngliche Motiv zunächst verweigert, da verdeckt wird. Allerdings belässt es die Künstlerin nicht beim bloßen Überdecken der Magazinseiten. Die präparierten Seiten werden durchleuchtet und abfotografiert, wodurch die ursprünglichen Bilder wieder schemenhaft, jedoch überlagert und dadurch neu hervortreten.
Von den haptischen Siebdruck-Serien werden digitale Fotos und Videos angefertigt. Mit dem Wechsel des Mediums – vom Papier zur Digitalität – spielt die Künstlerin in den jüngsten Arbeiten der Siebdruck-Serien „Schutzräume – do we have a second chance?“.
Hierbei werden die bereits vorliegenden Bilddateien am Computer virtuell übereinander gelegt und können bei Bedarf auf Papier oder als 3-D Objekt gedruckt werden. Auf diese Weise kann sie ihrer Arbeitsweise treu bleiben. Denn um Neues zu schaffen, müssen keine neuen Ressourcen aufgebracht werden. Vielmehr richtet sie den Blick auf die Dinge, die vorhanden sind und denkt sie weiter.
Text von Dr. Judith Knippschild
Dienstags-Werkstatt
Mit der Dienstags-Werkstatt lädt das Künstlerhaus Künstler:innen oder Kollektive ein, über ihre Arbeitsweisen, Hintergründe und Vorgehensweisen zu sprechen. Wir wollen eine Plattform etablieren, in der sich intensiver zur künstlerischen Praxis ausgetauscht wird und uns so vernetzen, solidarisieren und gegenseitig stärken. Die Reihe richtet sich an alle Mitglieder des Künstlerhaus Stuttgart, an Künstler:innen aus Stuttgart und Umgebung, oder auf der Durchreise, an alle Kunstvermittler:innen, Kurator:innen, Kulturschaffende usw. und ist offen für alle!
In der zweiten Listening Session unter dem Titel „The Divine Feminine – Gender-Esoterik – Hyper-Pop – Cross-Species – Hybrid Goddess – Listening Session“ wird der Musik gelauscht, die Alexandra Haas in ihrer künstlerischen Praxis inspiriert – Tunes, die sie schmelzen lassen und mit der Umgebung verschmelzen lassen, bis nicht mehr zu unterscheiden ist: Ist das eine Stimme oder ein Geräusch? Text oder Ton? Begriffe und Kategorien lösen sich in den Köpfen auf, und am Ende ist nur noch ein Gefühl – genau das ist das Ziel: Gängige Ordnungen stören und das Unbekannte umarmen. So verzerren sich Gender-Codierungen, bis sie sich neu arrangieren, materielle Verankerungen verlieren und in andere Formen übergehen.
Listening Sessions
Das ist der zweite Termin der neuen Veranstaltungsreihe “Listening Sessions” im Tonstudio des Künstlerhaus. Dazu werden Künstler*innen eingeladen, ihre Musik mitzubringen, die sie inspiriert, prägt und begleitet. Gemeinsam werden wir diese im Tonstudio anhören.
Die regelmäßig stattfindende Reihe bietet Raum, um sich über klangliche Einflüsse und persönliche Verbindungen zur Musik auszutauschen. Konzipiert wurde diese Veranstaltungsreihe von Lena Meinhardt, Künstlerin und Leiterin der Audiowerkstatt des Künstlerhauses.
Da die Plätze im Tonstudio begrenzt sind, wird um Anmeldung unter audio@kuenstlerhaus.de gebeten.
Wie sieht das Anthropozän aus der Nähe aus? Wie schlägt sich der globale ökologische Wandel in der Lebenswirklichkeit nieder?
Für diese abschließende Phase der Rivermap-Atmosphäre im Künstlerhaus Stuttgart beginnen Jeremy Bolen und Brian Holmes mit einer unsichtbaren Markierung: verbleibende Strahlung an einem Ort namens Site A in Red Gate Woods am Rande von Chicago, Illinois, wo Wissenschaftler des Manhattan-Projekts während des Zweiten Weltkriegs heimlich den ersten Atommeiler der Welt betrieben. Hier und an anderen Atommülldeponien in der Gegend vergrub Bolen Farbfilme in der Erde, die er anschließend ausgrub und entwickelte und so die materiellen Spuren eines Wendepunkts in der Erdgeschichte sichtbar machte.
Im Ausstellungsraum sind diese belichteten Filmstreifen zu einer Reihe von psychedelischen Bannern geworden, die sich aus frischer Erde erheben und ein unheimliches Labyrinth bilden, in das zwei umfangreiche Projekte eingebettet sind. Das erste trägt den Titel Born Secret (Cash for Kryptonite) und wird auf einer Reihe von Monitoren gezeigt, die zwischen den angestrahlten Bannern platziert sind. Dieser Videoessay aus dem Jahr 2019 reicht von Illinois bis zu zwei Atomwaffenproduktionsstätten in nahegelegenen Bundesstaaten: der Paducah Gaseous Diffusion Plant in Kentucky und dem Oak Ridge Laboratory in Tennessee. Indem sie die ökologischen Grundlagen dieser Industrieprojekte untersuchen, verweben die Künstler die nukleare Erzählung mit einem umfassenden Prozess territorialer Veränderungen, der auf Flussbau, Wasserkraft und dem modernistischen Versprechen von Strom im Überfluss beruht. Durch die Aufdeckung der soziopolitischen Komponenten des faustischen Handels, bei dem wissenschaftliches Wissen gegen weltgestaltende Macht eingetauscht wird, verleiht das Video dem, was Holmes als „anthropozäne Produktionsweise“ bezeichnet, eine greifbare Form.
Die Frage, die sich durch diese Arbeiten zieht, ist grundlegend: Was für eine Welt schafft die industrialisierte Menschheit? Bolen und Holmes haben Born Secret im Rahmen des kontinentalen Projekts Mississippi: An Anthropocene River produziert, das 2019 vom HKW und dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte organisiert wurde. Anschließend kehrten sie an den unteren Mississippi zurück, um eine historische Genealogie zu erforschen, in der die Beherrschung der Natur durch europäische Siedler unwiderruflich mit der Beherrschung von anderen Menschen verwoben ist. Das Video If This River Could Move (2022) beginnt an einer Schlüsselstelle des Flussbaus namens Old River Control, die sich direkt auf der anderen Seite des Mississippi in der Nähe der ehemaligen Angola-Plantage befindet, die später zu einem Strafgefangenenlager wurde und heute das Louisiana State Penitentiary ist. Die Kamera bewegt sich dann flussabwärts, durch den petrochemischen Korridor von Cancer Alley und die von Überschwemmungen heimgesuchte Stadt New Orleans, um in den sturmumtosten Umgebungen des Bird’s Foot Delta zu enden, wo sich der große Fluss schließlich ins Meer ergießt.
Wie in den vorangegangenen Phasen dieser Atmosphäre begleiten eine Landkarte auf einem Touchscreen und ein Rechercheheft die Videoarbeit sowie eine Reihe von Outtakes, die sich auf die erste Tiefseebohrplattform der Welt, „Mr. Charlie“, konzentrieren, die auf Miniaturbildschirmen unter einem Becken mit Mineralöl gezeigt werden. Ein entscheidendes Schlusselement wurde jedoch noch hinzugefügt und ersetzt das Wandbild der Bioregion Cascadia, mit dem die Atmosphäre eröffnet wurde. Dieses abschließende Element ist eine projizierte Karte des Neckar-Einzugsgebiets, in dem Stuttgart liegt. Die mit hochdetaillierten Lidar-Renderings erstellte Karte zeigt die außergewöhnliche Auenlandschaft, in die sich die menschliche Besiedlung dieser Region eingebettet hat, geschützt durch ausgeklügelte Deichsysteme, die unter den klimatischen Bedingungen der vergangenen Jahrhunderte errichtet wurden. Wie wird diese besondere Topografie mit den atmosphärischen Turbulenzen des Anthropozäns interagieren? Was sind die Lehren aus den Überschwemmungen, die mit Sicherheit auf diese Region zukommen werden?
Für die industrialisierte Menschheit ist es längst an der Zeit, etwas Neues über die planetarischen Zyklen zu lernen, die uns erhalten. Wo auch immer Sie leben, in der Stadt oder auf dem Land, auf dem Berg oder im Tal, Earth Time ist Ihre Zeit.
Programm:
Eröffnung
Samstag, 25. Januar 2025, 19:00 Uhr
Künstlerhaus Stuttgart, 4. Stock
Künstlergespräch
mit Jeremy Bolen und Brian Holmes
Samstag, 25. Januar 2025, 19:30 Uhr
Künstlerhaus Stuttgart, 4. Stock
Kurator*innenführung
mit Tamarind Rossetti and Stephen Wright
Donnerstag, 20. März 2025, 17:00 Uhr
Künstlerhaus Stuttgart, 4. Stock
Öffnungszeiten:
Samstag/Sonntag 12:00-18:00 Uhr
und nach Vereinbarung
Realisiert mit freundlicher Unterstützung des Goethe Instituts.
Beginnend im September 2024 bis April 2025 hat das Künstlerhaus Stuttgart eine Atmosphäre zum Thema Flüsse entwickelt und lädt künstlerische Kartograph*innen ein, ihre eigensentwickelten Karten von Flusslandschaften und Flusseinzugsgebieten zu zeigen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Zusammenarbeit mit Stuttgarter Stadtplaner*innen und Aktivist*innen, die das Neckar-Einzugsgebiet kartieren und dazu eine vom Künstler-Kartographen Brian Holmes entwickelte Open-Source-Kartierungssoftware verwenden. Diese Atmosphäre betrachtet Flüsse aus der Perspektive des Anthropozäns, als Korridore sowohl des Extraktivismus als auch des Lebens, und sieht sie als integrale Bestandteile des Ökosystems unserer Erde.
In diesem Rahmen lädt das Künstlerhaus Stuttgart die preisgekrönte Lithografin und Leiterin der Lithografiewerkstatt Carmen Weber ein, ihre eigenen verblüffend detaillierten Lithografien zu zeigen. Diese hat sie mit Lithografiesteinen gedruckt, die im vergangenen Jahrhundert zur Herstellung von Landkarten verwendet wurden und deren Spuren sie nutzt. Webers „Karten“ sind jedoch absichtlich unbrauchbar, um sich im kartierten Gebiet zurechtzufinden. Man könnte sie sogar als Gegenkarten oder Anti-Karten bezeichnen, denn mit geradezu manischem Eifer hat sie versucht, die Nützlichkeit der Karten als Verwaltungsinstrumente zu eliminieren und die Aufmerksamkeit auf die Beziehung zwischen Karten und Macht zu lenken. Weber zeigt eine Reihe dieser Karten in den Ausstellungsräumen im 2. Stock des Künstlerhauses. Neben den Grafiken werden zwei große Lithografiesteine gezeigt, die noch die Spuren der fetthaltigen Druckfarben aus dem letzten Jahrhundert in sich tragen, die von den Steinen aufgesaugt wurde. Die Lithografie ist die Kunst, die Steine zum Sprechen zu bringen, wie ihre Anwender*innen oft sagen. Und das Gestein, das die Lithograph*innen verwenden – Kalksteinplatten aus Steinbrüchen in der Region Solnhofen, der so genannte Solnhofener Plattenkalk – ist in der Tat weniger mineralisch als organisch, entstanden in anoxischen Ablagerungen vor etwa 150 Millionen Jahren aus mikrobiellen Organismen. Als Speicher prähistorischen Lebens können die Steine tatsächlich zum Sprechen gebracht werden, oder, wie in Webers vielschichtigem Werk, zum Stottern.
Programm:
Eröffnung
Samstag, 25. Januar 2025, 19:00 Uhr
Künstlerhaus Stuttgart, 2. Stock
Öffnungszeiten:
Samstag/Sonntag 12:00-18:00 Uhr
und nach Vereinbarung
In der 38. Dienstags-Werkstatt stellt Vesna Hetzel ihre künstlerische Arbeit und insbesondere mehrere Videoarbeiten vor, die sich mit Fragen von Grenzen, Macht, Körper, Sicht- und Unsichtbarkeiten und Situierung beschäftigen. Neben älteren Arbeiten wird sie auch ein neues Video teilen, welches im Zusammenhang einer künstlerischen Recherche mit Ann-Kathrin Müller entstanden ist. Die Arbeit befragt Rechtsruck, Determinismus, den Akt des Bezeugens und der persönlichen Verantwortung in den aktuellen vielfältigen und verschränkten Krisen und Kriegen, insbesondere im Kontext der Erstarkung rechts-extremer Parteien in Deutschland aus der Perspektive der mythologischen Figur der Kassandra.*
„Deine Träume gegen ihre Wurfspeere!
Sie hat Recht behalten, könnte man wohl sagen, wenn es auf der Seite der Wurfspeere überhaupt ein Recht gäbe.
Ich sagte: Nein. Das war das einzige Wort, das mir noch blieb: Nein.
Ich sagte: wenn ihr aufhören könnt zu siegen, wird diese eure Stadt bestehen.
Warum hast du sie stark werden lassen?
Da unsere Zeit begrenzt war, konnten wir sie nicht vergeuden mit Nebensachen.
Also gingen wir, spielerisch, als wär uns alle Zeit der Welt gegeben, auf die Hauptsache zu, auf uns.“
(Ausschnitte aus: Christa Wolf, Kassandra)
Vesna Hetzel (sie/ihr) interessieren die Erfahrung von Körperlichkeit und Liminalität, Überschneidungen, Unvereinbarkeiten, Orte, an denen Grenzüberschreitungen, Gewalt und Machtverhältnisse eingeschrieben sind und auf Körper wirken. Künstlerische Praxis ist für sie ein Möglichkeitsraum, der transdisziplinär und intersektional soziale, politische, virtuelle und körperliche Prozesse nachvollziehen, erforschen, teilen und kommunizieren kann und dabei vielfältige Beziehungen ermöglicht. Die von ihr entwickelten Methoden laden prozessorientiert immer wieder ein, am Entstehen der künstlerischen Form teilzunehmen. Die gewählten Medien umfassen Performance, Video, Text, Zeichnung und Plastik. Studium Bildende Kunst an der Kunstakademie Stuttgart und der Bezalel Academy of Arts and Design, Jerusalem. 2021 wurden ihre Videoarbeiten mit dem Akademiepreis der ABK Stuttgart ausgezeichnet. Vesna Hetzel war Stipendiatin der Heinrich-Böll Stiftung und der Baden-Württemberg Stiftung. 2024 erhielt sie das Barcelona-Residency Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg. Ihre Arbeiten wurden u.a. gezeigt in der Sammlung Fröhlich Leinfelden, Galerie Oberwelt e.V. Stuttgart, Halle 14 Leipzig, Hangar.org Barcelona.
Dienstags-Werkstatt
Mit der Dienstags-Werkstatt lädt das Künstlerhaus Künstler:innen oder Kollektive ein, über ihre Arbeitsweisen, Hintergründe und Vorgehensweisen zu sprechen. Wir wollen eine Plattform etablieren, in der sich intensiver zur künstlerischen Praxis ausgetauscht wird und uns so vernetzen, solidarisieren und gegenseitig stärken. Die Reihe richtet sich an alle Mitglieder des Künstlerhaus Stuttgart, an Künstler:innen aus Stuttgart und Umgebung, oder auf der Durchreise, an alle Kunstvermittler:innen, Kurator:innen, Kulturschaffende usw. und ist offen für alle!
*gefördert vom Kulturamt der Stadt Stuttgart
Zu einem Butter- und Movement-Workshop laden die Atelierstipendiat*innen des Künstlerhauses Paco Ladrón de Guevara und Marcela Majchrzak mit Sofia Falsone auf der Atelieretage des Künstlerhauses ein.
Zusammen wird das einfache Rezept des Butter-Machens performt und eine gemeinsame Butterskulptur soll gebaut werden. Im Anschluss kann die Butter bei einem Abendessen mit frisch gemachten Verbündeten genossen werden.
Bitte bequeme Kleidung und Lieblings-Butter-Toppings mitbringen.
Die Teilnahmegebühr liegt zwischen 15 und 25€.
Für Fragen und Anmeldungen eine Mail an Majchrzak.marcela@posteo.net senden.
In der Ausstellung OK BYE begegnen sich Surja Ahmed, Marla Fischinger, Leonie Klöpfer, Clarissa Kassai, Veronika Schneider und Josephine Boger nicht nur als Künstlerinnen und Kolleginnen, sondern auch als diesjährige Absolventinnen in Bildender Kunst der ABK Stuttgart.
Die Diplomarbeiten werden in der vierten Etage des Künstlerhaus Stuttgart präsentiert. Dabei werden in Installationen und Objekten die Wechselwirkungen des Selbst und des Raumes sowie deren Strukturen, Machtverhältnisse und Heilungsprozesse untersucht.
Die Eröffnung findet am 18. Juli 2024, um 19 Uhr in der vierten Etage des Künstlerhaus Stuttgart statt mit einer Begrüßung von Anike Joyce Sadiq. Es wird Sekt, Snacks und Drinks geben.
Laufzeit der Ausstellung ist vom 18. Juli bis 28 Juli 2024, geöffnet Dienstag bis Sonntag jeweils 14 bis 19 Uhr.
Die Ausstellung im Künstlerhaus Stuttgart findet im Rahmen der Diplom- und Masterausstellungen der Fachgruppe Kunst der ABK Stuttgart statt. Die Abschlussarbeiten der Absolvent*innen sind im Künstlerhaus Stuttgart, Kunstbezirk Stuttgart und an der ABK Stuttgart zu sehen.
Rotting Hegel ist eine mehrphasige funktionale Installation, die SPORA in Zusammenarbeit mit anderen myzelischen Akteur*innen für das Künstlerhaus Stuttgart entwickelt hat. Während des Projekts verstricken sich Pilzhyphen in den Seiten des menschlichen Philosophen und ernähren sich von der Zellulose, die mit Worten und Begriffen durchdrungen ist. Pilze haben die Kraft, tote Materie in neue Früchte zu verwandeln – aber wie ist es um den Geist von Hegels Werk bestellt? Welche Passagen werden sich als besonders fruchtbar erweisen, wenn die Pilzfarm in den Regalen der Bibliothek Früchte trägt?
Pilze sind bekannt für ihren schrägen und unberechenbaren Humor: Schauen Sie vorbei, um zu sehen, welche Konzepte die Pilze nahrhaft und welche geschmacklos finden. Es ist allgemein bekannt, dass Hegel in seiner Ästhetik den Tod der Kunst verkündete. Der Vorbote der philosophischen Moderne schreibt, „die Kunst ist und bleibt nach der Seite ihrer höchsten Bestimmung für uns eine Vergangenheit“ und ebnete damit den Weg für das Aufkommen der Konzeptkunst. Zwei Jahrhunderte später erscheint es dringlich und nützlich, den großen Dialektiker in einer Atmosphäre der Fäulnis zu verstoffwechseln.
Rotting Hegel wird mit einem gemeinsamen Essen eines phänomenalen Pilzrisottos in der Bibliotheks-Farm gipfeln, in der die Pilze gewachsen sind, so dass die Gäste sich Hegel unmittelbar einverleiben können.
Öffnungszeiten der Rotting-Hegel-Bibliothek: Samstags 12 Uhr bis 18 Uhr
Myceliating Hegel: Ein Einführungsworkshop zum Myzel
2. Mai, 18.00 – 21.00 Uhr
Zur Eröffnung von Rotting Hegel, der funktionalen Installation im Künstlerhaus Stuttgart, entschied sich SPORA für eine kollektive und benutzerfreundliche Vorgehensweise, indem sie die Teilnehmer*innen am 2. Mai im kleinen Rahmen mit einem Workshop in die Techniken der Mykologie und der Pilzzucht einführen. In diesem Fall wird das Substrat das Gesamtwerk von Hegel sein. Mit Hilfe des größten Zersetzers der Natur lädt dieser Workshop die Teilnehmer*innen ein, die Seiten des berühmten Stuttgarter Philosophen zu myzelisieren. Aus den Seiten von Hegels Werk werden in den folgenden Wochen Austernpilzbüschel heranwachsen, die für ein gemeinsames Essen verarbeitet werden. Anstelle einer Philosophie des Myzels – von dem Hegels Denken nur so wimmelt – schlägt SPORA eine Myzelisierung der Philosophie vor.
In diesem 3-stündigen Workshop lernen Sie die Grundlagen der Pilzzucht in Theorie und Praxis kennen – alles, was Sie wissen müssen, um Ihre Hausbibliothek (oder Ihren Holzschuppen) in eine Pilzzucht zu verwandeln!
Keine Vorkenntnisse über Pilze erforderlich.
Kostenlos für Anfänger*innen oder fortgeschrittene Hegelianer*innen jeden Alters.
Anmeldung erforderlich: info@kuenstlerhaus.de
Über das Kollektiv SPORA
SPORA ist ein extradisziplinäres Projekt, das von dem Konzept des Myzels als Methodik und Beobachtungsinstrument des fast Unsichtbaren geprägt ist. SPORA wurde 2021 von Charlotte Janis (Künstlerin) und Roberto Dell’Orco (Künstler, Landschaftsarchitekt und Architekt) gegründet und hat seinen Sitz in dem von Künstler*innen betriebenen Raum Les Ateliers Wonder in Bobigny (Frankreich). In den vergangenen drei Jahren hat SPORA forschungsbasierte Aktionen wie Ausstellungen, partizipatorische Workshops, hybride Installationen und Performances, Waldspaziergänge, Landschaftsinterventionen im öffentlichen Raum und akademische Forschungsprogramme initiiert, begleitet und miteinander verbunden. Bei jeder dieser Gelegenheiten entsteht durch die Interaktion mit Teilnehmer*innen verschiedener Generationen ein rhizomatischer Aspekt, der neue Möglichkeiten und transdisziplinäre Kooperationen ermöglicht, die sich alle um die Erforschung der Feinheiten der Pilzwelt drehen. Die Betrachtung des Myzels als Botschaft fördert ein vertieftes Verständnis von lebenden Organismen, Böden und den Verbindungen zwischen Menschen und Nicht-Menschen und stellt diese interdisziplinären Dialoge als verbindende Narrative der Science-Friktion dar.
Seit den späten 1980er Jahren ist Maria Eichhorn für Arbeiten bekannt, die institutionelle Strukturen kritisch analysieren und auf die situationsspezifischen Bedingungen sozialer, rechtlicher und wirtschaftlicher Machtstrukturen einwirken. Eichhorns Ausstellungsprojekt Reuchlinstraße 4 b, 70178 Stuttgart (2023—)besteht aus Prozessen und Aktionen, die auf die fortdauernde Geschichte der spezifischen Eigentumsverhältnisse der Liegenschaft an der Reuchlinstraße 4 b Bezug nehmen. Das Gebäude befindet sich seit 1936 im Besitz der Stadt Stuttgart, das Künstlerhaus Stuttgart mietet es seit seiner Gründung im Jahr 1978. Anhand von Recherchen in Landesarchiven und juristischer Fallbearbeitung unterzieht dieses ortsspezifische Ausstellungsprojekt die Geschichte des Gebäudeerwerbs, der im Zuge einer Zwangsversteigerung zustande kam, einer Neubewertung. Eichhorns Arbeit hinterfragt die Eigentumsrechte der Stadt an der Liegenschaft und stellt gleichzeitig grundlegende Fragen über die weitere Nutzung des Gebäudes durch das Künstlerhaus Stuttgart.
Im öffentlichen Raum der Stadt Stuttgart ist ein wesentlicher Bestandteil von Eichhorns Ausstellungsprojekt eine Tafel, die an der Fassade des Gebäudes Reuchlinstraße 4 b angebracht ist. Diese Tafel ist nicht nur rechtlich geschützt und zieht Beschränkungen nach sich, die zukünftige Eigentumsrechte an dem Gebäude verkomplizieren, sondern beinhaltet darüber hinaus einen Informationstext—ein belastender Bericht, der eine Familienbiografie mit einer Geschichte verwebt, in der Bankwesen, Konfiskationsgesetzgebung und diskriminierendes Staatswesen untrennbar miteinander verknüpft sind.
Reuchlinstraße 4 b, 70178 Stuttgart (2023—) ist ein Projekt des 2017 anlässlich der documenta 14 von Maria Eichhorn gegründeten Rose Valland Instituts.
Bitte kommen Sie am Mittwoch, den 8. Mai um 11 Uhr zur öffentlichen Enthüllung dieser Tafel am Künstlerhaus Stuttgart.
Der Text der Tafel ist hier im folgenden Ausstellungsbegleitheft abgedruckt:
Das zweite Kapitel einer Ausstellungsreihe des Atelierstipendiaten Lambert Mousseka.
Eröffnung: Samstag, 21. Oktober 2023, 19 Uhr
auf der 4. Etage des Künstlerhaus Stuttgart
SAPE – Société des Artistes et de personnes Elégantes (Gesellschaft für Künstler*innen und elegante Personen)
Sapologie ist die Philosophie und Sapologue ist die Praktizierende Person.
Im Universum gibt es eine unendliche Vielfalt an Farben. Jede Farbe repräsentiert eine Schwingung, einen Geisteszustand. Durch Malerei und Keramik präsentiert Lambert Mousseka die Philosophie des Sapeurs, die Suche nach Perfektion, seiner Haltung und darüber hinaus die Beziehung zum Körper und den Farben. “Trilogie der fertigen und unvollendeten Farben” ist eine strenge Regel für einen Sapeur.
Eine Inspiration für Künstler*innen ist die Herstellung harmonischer Farbkombinationen und der Versuch, dabei die Sapologischen Codes und die Philosophie zu respektieren. Man sollte sich auffällig kleiden, wie ein Blume, die sich selbst und den Garten schmückt.
Link zu Kapitel 1: 243 – Ohne Maske
Lambert Mousseka (geb. in Katanga, Demokratische Republik Kongo) hinterfragt seit seiner Jugend die Entstehung, den Ursprung, den Geist und den Zustand von Materie. Diese Fragestellungen führten zu diversen Studien und Recherchen und beeinflussen bis heute sein künstlerisches Schaffen.
In ihrer ersten Ausstellung in Deutschland präsentiert Niloufar Emamifar in den beiden Hauptausstellungsräumen des Künstlerhaus Stuttgart neu produzierte Arbeiten. Ausgehend von ihrem Architekturstudium beschäftigt sich Emamifar kontinuierlich mit den psychosozialen Dynamiken des gebauten Raums. Auf dieser Basis legt ihre Ausstellung EX GRATIA den Fokus auf die ortsspezifische strukturelle Kapazität, die erforderlich ist, um den Bedürfnissen gelebter Beziehungen nachzukommen. Die Betonung materieller Bedingungen — das Insistieren auf operative Strukturen — bei der Betrachtung zwischenmenschlichen Erlebens ist ein zentraler Aspekt in Emamifars fortlaufender Auseinandersetzung mit dem Ausstellungswesen. Ihre Arbeit untersucht die ursächlichen (kausativen) Beziehungen zwischen Ort, Situation und Subjektivität. Emamifar geht davon aus, dass Lebewesen nicht festgelegt, sondern extrem durchlässig und dadurch anfällig für die konstruierten Systeme sind, die sie im Moment besetzen und verkörpern. Die Ausstellung der Künstlerin am Künstlerhaus Stuttgart ist auf diese Verletzlichkeit eingestimmt — die Künstlerin nimmt die Expositionsarbeit innerhalb der sie umgebenden Umstände auf sich und würdigt dabei gleichzeitig, dass individuelle Erfahrung letztlich nicht von den unterdrückenden strukturellen Realitäten getrennt werden kann, denen so viele Menschen ausgesetzt sind. Aufgrund der Produktionsbedingungen von EX GRATIA, mit denen Emamifar konfrontiert war, hat die Künstlerin die Anstrengung unternommen, dauerhafte Strukturen zu entwickeln, die von zukünftigen Künstler*innen bei deren Arbeit mit dem Künstlerhaus Stuttgart und anderen Institutionen im Kunstbereich in Deutschland angewendet werden können.
Als Emamifar mit der Produktion einer Ausstellung am Künstlerhaus Stuttgart (KHS) beauftragt wurde, wurde deutlich, dass das KHS nicht über die notwendige rechtliche und wirtschaftliche Infrastruktur verfügte, um für Künstler*innen, die ein Visum benötigen, die Migrant*innen sind, die vertrieben wurden oder die einen Geflüchteten-Status innehaben zugänglich zu sein. Unterstützung in Form von Rechtsberatung, jährlichen zweckgebundenen Geldern oder Weiterbildungsangeboten für Beschäftigte gab es an dieser fünfundvierzig Jahre alten Institution noch nicht. Wie viele Kunstinstitutionen in Deutschland und darüber hinaus, nimmt sich das KHS Künstler*innen, die bei der grenzüberschreitenden Migration mit Hürden konfrontiert sind, fallweise an — ohne institutionelle Richtlinien, Protokolle oder Verfahrensweisen, die entsprechend der Bundesgesetzgebung entwickelt und etabliert wurden. Als Reaktion auf die systemischen Unzulänglichkeiten und unzureichend ausgestattete Infrastruktur des KHS hat Emamifar einen Teil ihres Ausstellungsbudgets für eine Rechtsberatung aufgewendet. So konnten eine juristische Machbarkeitsstudie und praktikable Leitlinien für das KHS erarbeitet werden, um das KHS für die Arbeit mit Künstler*innen, die ein Visum benötigen, die Migrant*innen sind, die vertrieben wurden oder die einen Geflüchteten-Status innehaben auszustatten.
Anstatt einen individuellen Arbeitsvertrag zu entwerfen, beauftragte Emamifar die Rechtsberatung mit der Herstellung einer gemeinsamen Richtlinie, die innerhalb der gesamten Institution in allen zukünftigen Fällen angewandt und umgesetzt werden kann, in denen das KHS Künstler*innen mit der Arbeit an einer Ausstellung, einem Programm oder einer anderweitigen befristeten Beschäftigung in Stuttgart beauftragt. Die Rechtsberatung hat dieses nun vorgeschlagene Rahmenwerk in Modulen organisiert. Diese Module antizipieren bestimmte Fälle, in denen Künstler*innen vom KHS beauftragt werden, und fokussieren sich auf Projektarbeit eher denn auf Vollzeit-Anstellungsverhältnisse. Personen, die für die Wahrung von Rechtsansprüchen eintreten, erkennen sowohl an, dass bei der landesspezifischen Rechtsprechung jeder Fall situationsspezifisch argumentiert und entschieden werden muss als auch, dass gewisse Standards zur Regelung und zum Schutz notwendig sind. Es ist gemeinhin bekannt, dass und wie bestimmte Lehrmeinungen individuelle Rechte häufig zu Lasten kollektiver Kämpfe für systemischen Wandel kodifizieren, legitimieren und durchsetzen. Um Anstellungsverfahren gerecht zu gestalten, werden vermehrt transparente Standards gefordert, anstatt Verträge von Arbeitnehmer*innen fallweise zu bearbeiten. Denn das reduziert häufig Bemühungen gegen strukturelle Unterdrückung auf isolierte, individuelle Beschwerden und Wiedergutmachungen. Indem sie mit potenziellen Governance-Vereinbarungen und Rechtshilfe-Infrastrukturen arbeitet, beschäftigt sich Emamifar in ihrer Ausstellung mit dem Recht als einem größtenteils unzugänglichen System. Ein System , das durch die fortdauernden Geschichten des Einwanderungs-, Armuts- und Arbeitsrechts geprägt wurde genauso wie von weiteren Verfechter*innen, die für seine bessere Zugänglichkeit kämpfen, und durch die Durchsetzung von Rechten innerhalb einer Rechtsordnung, die allzu oft das kodifiziert, was die vorherrschende Wirtschaftsmacht als gerecht festgelegt hat. Und das Recht ist selbstverständlich kein neutraler Verhaltensrahmen. Es wird definiert.
Auch wenn Emamifar sich für eine effektive Neudefinition grundlegender und unterliegender Strukturen einsetzt, ist sie gegenüber der Rolle von Künstler*innen als Kurzzeit-Honorarkräfte, die sich für die Kapazitätsstärkung und damit langfristige Weiterentwicklung einer Kunstinstitution einsetzen, ambivalent. Es besteht eine reale Gefahr für Künstler*innen, wenn sie bei projektbezogener Arbeit auf die Governance-Strukturen einer Institution einwirken. Künstler*innen werden häufig die Finanzmittel gekürzt, sie werden ausgeschlossen oder fallen gelassen, wenn sie in dem Versuch, in die institutionellen Verwaltungsstrukturen einzugreifen, über die von ihnen erwartete Rolle hinausgehen. Dieses Risiko ist der Grund, weshalb Emamifar zentrale Kooperationspartner*innen — eine Rechtsberatung — hinzugezogen hat, die bei der Auseinandersetzung mit den strukturellen Gegebenheiten der Institution eine tragende Rolle hinter den Kulissen genauso wie öffentlicher Form eingenommen haben. Emamifars Ausstellung umfasst eine Bühnenkonstruktion, auf der die Rechtsberatungsvertreterin Nora Ebeling die rechtlichen und wirtschaftlichen Verfahrensrichtlinien, die das KHS bei der Beauftragung von Künstler*innen, die ein Visum benötigen, die Migrant*innen sind, die vertrieben wurden oder die einen Geflüchteten-Status innehaben anwenden kann, öffentlich präsentieren wird. Die Entscheidung von Emamifar, eine Plattform für die öffentliche Präsentation Ebelings dieser vorgeschlagenen rechtlichen und wirtschaftlichen Infrastruktur zu schaffen, beruht auf zentralen Fragen der Repräsentation, mit denen sich die Künstlerin befasst: Welche Risiken entstehen durch Sichtbarkeit und „platforming“ — die materielle Infrastruktur und Ressourcen, die für den Raum und Fokus auf marginalisierte Stimmen bereitgestellt werden –, wenn es um die wahrheitsgemäße Darstellung gelebter politischer Realitäten geht? Was bedeutet es für Emamifar, Ebeling mit der öffentlichen Expositions- und Weiterbildungsarbeit zu beauftragen, und dabei das Publikum mit den strukturellen Erfordernissen für Visumantragsteller*innen, Migrant*innen, Vertriebene und Personen mit Geflüchteten-Status zu konfrontieren? In welchem Maße wird dieses rechtliche und wirtschaftliche Rahmenwerk einer internen sowie gleichzeitig einer außenwirksamen Policy dienen und alltägliche Erwägungen anbieten, die sowohl KHS-spezifisch sind als auch reproduzierbare Modelle für institutionelle Verhaltensweisen nahelegen, die ungerechte, ausschließende und diskriminierende Einstellungsverfahren, wie sie im gesamten Kunstbereich verbreitet sind, herausfordern?
Der Titel von Emamifars Ausstellung, EX GRATIA, bezieht sich auf einen Begriff aus dem Rechtskontext und meint eine Zahlung, die nicht aus einer rechtlichen Pflicht, sondern aufgrund begründeter Umstände geleistet wird. Es ist eine Art rechtlich anerkanntes Standardverfahren, das nicht festgelegt oder vorgeschrieben ist. Im Deutschen auch als Kulanz bekannt, ist es ein außerhalb rechtlicher Kategorien relevantes Entgegenkommen.. Ex gratia-Zahlungen sind moralisch begründet und gesetzlich nicht erforderlich — das heißt sie sind oft ein Regressmittel, das strenger ist als das gesetzlich vorgeschriebene. Emamifars Ausstellung umfasst eine vollständig ausgefertigte Vereinbarung zwischen der Künstlerin und dem KHS zur Lagerung von Materialien, die der Künstlerin gehören, in mehreren Bankschließfächern im vierten Stock des KHS — und zwar solange das KHS seine aktuellen Räume in der Reuchlinstraße mietet. Eine zentrale Klausel dieser Vereinbarung ist, dass Emamifar eine Person bevollmächtigen kann, Zugang zu den Bankschließfächern zu erhalten, die die Künstlerin zur Verfügung gestellt hat. Sollte die Künstlerin einer Person die Vollmacht und damit Zugriff zu den Bankschließfächern erteilen, gelten alle Bedingungen der Vereinbarung genauso für die bevollmächtigte Person wie für die Künstlerin. Diese Vereinbarung ist im Ausstellungsbegleitheft enthalten.
Programm
06.05.2023 (19 Uhr)
Ausstellungseröffnung
24.06.2023 (15-17 Uhr)
Nora Ebeling, Rechtsanwältin, öffentlicher Vortrag und Workshop im Künstlerhaus Stuttgart
25.06.2023 (13-15 Uhr)
Informationsveranstaltung und Workshop mit Vertreter*innen von Legal Café
25.06.2023 (15-16 Uhr)
Öffentliche Führung durch die Ausstellung mit Eric Golo Stone, Künstlerischer Leiter des Künstlerhaus Stuttgart
Realisiert mit großzügiger Förderung der Stiftung Kunstfonds NEUSTART KULTUR und des Institut für Auslandsbeziehungen. Darüberhinaus wurde dieses Projekt in Form eines Residenzstipendiums durch Callie’s, Berlin, unterstützt.
Das Center for Native Arts and Cultures organisiert gemeinsam mit dem Künstlerhaus Stuttgart eine zweitägige, offene Arbeitsgruppe, um den Landrückgewinnungssprozess Revue passieren zu lassen, der zur Gründung des Center for Native Arts and Cultures geführt hat. Zudem sollen Ideen dazu entwickelt werden, wie das Center ausgehend von diesem Prozess sein Engagement dafür vorantreiben kann, Netzwerke aus Indigenen Künstler*innen, Kulturinhaber*innen und Organisationen, die von Indigenen Menschen geleitet werden, zu mobilisieren. Begleitet werden diese vor Ort stattfindenden Gruppendiskussionen von einem Reader, einer neuen Videoarbeit mit dem Titel „Never Settle: The Program“ von New Red Order, Performances von Tiokasin Ghosthorse und Allison Akootchook Warden, einer Dokumentensammlung und einer Archiv-Präsentation sowie durch ein von Vermittler*innen des Künstlerhaus Stuttgart organisiertes Programm.
Das Center for Native Arts and Cultures wurde 2021 als Hauptsitz der nicht-kommerziell ausgerichteten Native Arts and Cultures Foundation gegründet, nachdem dieser das Eigentum an einer historischen Wäscherei übertragen wurde, die einst als Yale Union Laundry Building registriert war. Dieses zweigeschossige Gewerbegebäude und das umliegende Grundstück in der Stadt Portland in Oregon befanden sich davor im Besitz des von Künstler*innen geleiteten Kunstraums Yale Union. Die am Künstlerhaus Stuttgart stattfindende Arbeitsgruppe ergänzt eine umfassendere Reihe interner Fokusgruppen, die das Center for Native Arts and Cultures derzeit organisiert. Ziel der Fokusgruppen ist, Ideen für die Rolle des CNAC, seine Möglichkeiten als Organisation und für die strukturellen Grundlagen zu sammeln, die notwendig sind, um das jüngst erhaltene Gebäude zu betreiben und dort Ausstellungen und Vermittlungsprogramme umzusetzen. Seit jeher ist es der Native Arts and Cultures Foundation nicht nur ein Anliegen, das Land zu würdigen, auf dem dieses besondere Gebäude steht. Im Zentrum ihrer Aktivitäten steht darüber hinaus eine verantwortungsvolle Arbeit auf verschiedenen lokalen Ebenen, um sich auf die Geschichte früherer Indigener Menschen zu besinnen, die das Land eher zu Nutzungs- denn zu Zwecken des Eigentums bewohnt haben. Zudem spiegeln die Bemühungen, die Überschreibung von der Yale Union auf die Native Arts and Cultures Foundation zu realisieren, die Anliegen einer breiteren Bewegung wider, die die anhaltenden historischen Ungerechtigkeiten im Zusammenhang mit Landbesitz und Eigentum in den USA und darüber hinaus thematisiert.
Diese institutionenübergreifende Zusammenarbeit steht in der Tradition des Künstlerhaus Stuttgart, das 1978 von Künstler*innen als Ort gegründet wurde, an dem Produzent*innen aus der gesamten Welt zusammenkommen können, um über die Bedingungen ihres künstlerischen Schaffens zu diskutieren. Seine Gründungsstruktur reflektiert die enge Verbindung zwischen künstlerischen Interessen und den Kapazitäten einer Institution. Das Künstlerhaus Stuttgart ist bestrebt, einen Wissensaustausch über die spezifischen Interessen des Center for Native Arts and Cultures zu ermöglichen: Indigene Ansätze in der künstlerischen Produktion, Kapazitäten von Organisationen und Governance-Strukturen stehen dabei genauso im Fokus wie dekoloniale Bildung, die Wasserrechte, Wiedergutmachung und Landnutzungsgerechtigkeit umfasst. Deutschland ist ein weiterer Ort, an diesem diese Diskussionen unbedingt stattfinden müssen. Es steht außer Frage, dass das heute geltende deutsche Bodenrecht durch das deutsche Kolonialreich und dessen weltweite koloniale Aktivitäten geprägt wurde, an denen patrizische Stadtstaaten maßgeblich beteiligt waren. Deutschland hat eine lange und komplexe Vergangenheit in Bezug auf das Erlassen von Gesetzen, um Eigentum zu beschlagnahmen und Grundbesitz zu beanspruchen. Diese Geschichte rechtlicher und wirtschaftlicher Strukturen der Konfiskation, die von Deutschland und dem weiteren europäischen Kolonialismus ratifiziert wurden, haben die Verwaltung von Land und Boden und den damit zusammenhängenden Ressourcen weltweit fundamental verändert. Es muss bewusst gemacht und anerkannt werden, dass und wie sich diese grundlegenden Veränderungen auf aktuell gelebte soziale Verhältnisse, wirtschaftliche Bedingungen und kulturelle Praktiken ausdehnen und sich mit Indigenen und weiteren bestehenden Formen der Landnutzung überlagern. Dieses Projekt stellt eine spezifische Reihe gelebter Fragen und materieller Herausforderungen ins Zentrum, mit denen sich die Native Arts and Cultures Foundation und ihr Center for Native Arts and Cultures derzeit auseinandersetzen. Diese Fragen sind aber genauso Teil aktueller Bemühungen in Forschung, Weiterbildung und Vermittlung, den Einsatz Indigener Menschen für Wiederaufbau, Restitution und Reparationen hervorzuheben. Mit diesem Engagement versuchen Indigene Menschen weltweit, interne Kapazitäten zur Steuerung und Verwaltung zu stärken und politische, ökonomische sowie Ziele zur Weiterentwicklung der Gemeinschaft durchzusetzen.
Mitwirkende: Maile Andrade, Natalie Diaz, Healoha Johnston, Tiokasin Ghosthorse, Joy Harjo, Flint Jamison, Brandy Nālani McDougall, New Red Order, und Allison Akootchook Warden. Mit Vertreter*innen des Center for Native Arts and Cultures: Lulani Arquette, Reuben Tomás Roqueñi, und Gabriella Tagliacozzo.
Die Arbeitsgruppe und der begleitende Reader werden von Healoha Johnston, Direktorin Cultural Resources und Kuratorin für Hawai’i and Pacific Arts and Culture am Bernice Pauahi Bishop Museum, gemeinsam mit Eric Golo Stone, Künstlerischer Leiter Künstlerhaus Stuttgart, organisiert und herausgegeben.
Never Settle: The Program von New Red Order zu sehen:
17. Februar – 2. April 2023
Dokumentensammlung zu sehen:
17. Februar – 2. April 2023
Programme der Künstlerhaus Vermittler*innen:
Thora Gerstner: 26. Februar (15–17 Uhr) und 2. März (14–16 Uhr)
Yara Richter: 4. März (15–18 Uhr)
Lejla Dendic: 5. März (15–16.30 Uhr) und 11. März (14–15.30 Uhr)
Ludgi Porto: 17., 18. und 19. März (jeweils 14–18 Uhr)
Ausführliche Informationen zu den einzelnen Programmen der Vermittler*innen finden Sie auf der Website des Künstlerhauses Stuttgart.
Vorstellung des Readers und Performance von Tiokasin Ghosthorse: Freitag, 31. März 2023 (19 Uhr)
Arbeitsgruppe Teil 1: Samstag, 1. April 2023 (13–16 Uhr)
Arbeitsgruppe Teil 2: Sonntag, 2. April 2023 (13–16 Uhr)
Performance von Allison Akootchook Warden: Sonntag, 2. April 2023 (17 Uhr)
Gefördert durch den Innovationsfonds Kunst des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg sowie durch die Stadt Stuttgart.
Die Ausstellung von Flint Jamison im Künstlerhaus Stuttgart untersucht ein steuerbegünstigtes Kunstleihprogramm namens „Masterworks on Loan“, das 2015 im Jordan Schnitzer Museum of Art (JSMA), einem Museum mit einer Sammlung auf dem Campus der staatlichen Universität von Oregon in Eugene, USA, eingerichtet wurde. Jamisons Ausstellung mit neu in Auftrag gegebenen Arbeiten stellt eine erschütternde Bilanz dieses Museumsleihprogramms während des Ausbruchs der COVID-19-Pandemie dar. Letztendlich überdenkt Jamison, inwieweit das JSMA die Bedingungen festlegt, die seine Pflicht als Museum definieren, einem Publikum zu dienen, das die Institution über Steuerabzüge unterstützt und zu dessen Gunsten das Museum als gemeinnützige Organisation besteht. Diese Neubetrachtung kann von dem klein und lokal begrenzt wirkenden Fall des JSMA auf die Rolle übertragen werden, die der breitere Kunstbetrieb mit seinen Organisationen in der Konzipierung, Legitimation und Umsetzung von Steuergesetzen spielt, die die Veräußerung öffentlicher Interessen fördern.
Jamisons Ausstellung im Künstlerhaus Stuttgart baut auf seiner früheren Arbeit auf, in der er die gelebte Politik des Steuerrechts aufdeckte, und stützt sich auf ein breites Spektrum an Literatur, auf die sich Journalist*innen, die das Steuerrecht untersuchen, und kritische Steuertheoretiker*innen stützen. Die kritische Steuertheorie (engl. Critical Tax Theory) ist ein bahnbrechender Bereich der Rechtswissenschaft, der die politischen und diskriminierenden Aspekte des Steuerrechts untersucht. Es handelt sich um eine intellektuelle Disziplin, die zu erkennen versucht, welche tiefgreifenden Auswirkungen das Steuerrecht auf die Verwaltung des Eigentums, auf enorme Einkommensunterschiede, unverhältnismäßige Steuerbefreiungen, vererbte Vorteile, negative Anreize und Verschuldung hat. Die kritische Steuertheorie stellt die historische Behauptung in Frage, das Steuerrecht sei neutral oder nicht tendenziös, und überschneidet sich mit anderen Bereichen, die die anhaltenden Auswirkungen von Steuergesetzen untersuchen, die im Dienste des Kolonialismus, der Klassenunterdrückung und der rassisch-ökonomischen Unterordnung ratifiziert wurden. Bezeichnenderweise hat die kritische Steuertheorie auch lange darauf bestanden, dass eine vollständige Untersuchung der politischen Dynamik des Steuerrechts ein Verständnis der spezifischen kulturellen Kontexte erfordert, in denen die Steuergesetze wirken.
Steuergesetze bestimmen zunehmend die operative Struktur von Kunstinstitutionen. Die Ausweitung des Kunstmäzenatentums auf der ganzen Welt ist untrennbar mit den Steuervergünstigungen verbunden, für die sich wohlhabende Einzelpersonen, Stiftungen und Unternehmen auf städtischer, regionaler und bundesstaatlicher Ebene aggressiv einsetzen. Infolgedessen hat sich der Kunstsektor der Erfindung und Aufrechterhaltung rechtlich-wirtschaftlicher Strukturen verschrieben, die die Steuerpflicht für vermögende Privatpersonen verringern. Diese durch die Kunst mobilisierte rechtlich-wirtschaftliche Ausrichtung zeigt sich heute in Kunstwerken als steuerfreiem Vermögen, in der Kunstphilanthropie als System der Steuervermeidung und in Kunstschaffenden als freiberuflichen Arbeitskräften, die die Steuerlast von den Arbeitgeber*innen auf die Arbeitnehmer*innen verlagern. Natürlich muss man sich darüber im Klaren sein, dass Gesetze zur Steuervermeidung nicht nur von den Wohlhabenden befürwortet werden, sondern dass es sich dabei um Gesetze handelt, die von der breiteren Kunstszene routinemäßig als vorteilhaft für Künstler*innen, Kunstinstitutionen, das Kunstpublikum und die Öffentlichkeit im Allgemeinen propagiert werden.
Vermittler*innen des Künstlerhaus Stuttgart bringen die Besucher*innen ins Gespräch über die Ausstellung: Mi–So 12–18 Uhr
Eric Golo Stone, künstlerischer Leiter des Künstlerhauses Stuttgart, gibt eine Führung durch die Ausstellung (auf Englisch): 20. November 2022 (15 Uhr)
Juliane Gebhardt, kuratorische Assistentin des Künstlerhauses Stuttgart, gibt eine Führung durch die Ausstellung (auf Deutsch): 11. Dezember 2022 (15 Uhr)
Diese Ausstellung wurde mit öffentlicher Förderung durch die Stadt Stuttgart realisiert und mit einer Spende der Galerie Max Mayer unterstützt.
Nach zweijähriger coronabedingter Zwangspause wird in diesem Jahr wieder eine Ausstellung im Stuttgarter Rathaus stattfinden. Zu dieser hat das Künstlerhaus via Open Call seine Künstler:innenmitglieder eingeladen, sich zu beteiligen und Arbeiten zum diesjährigen Thema der Ausstellung „Insel“ einzureichen.
21 Künstlerinnen und Künstler wurden ausgewählt und gewähren auch in der 6. Ausgabe der Rathaus-Ausstellung einen Einblick in ihr aktuelles Schaffen. Die Künstlerinnen und Künstler greifen nicht nur auf unterschiedliche Medien zurück, sondern nähern sich auch inhaltlich und konzeptionell auf unterschiedlichen Wegen dem Thema der Ausstellung an.
Die generationsübergreifende Gruppenausstellung zeigt einmal mehr eindrücklich die Rolle des Künstlerhauses Stuttgart als Ort des Austauschs sowie der künstlerischen Produktion und sie bildet darüberhinaus den Querschnitt der künstlerischen Vielfalt Stuttgarts ab.
Mit freundlicher Unterstützung der Landeshauptstadt Stuttgart
Die Arbeit von Anike Joyce Sadiq überprüft immer wieder, in welchem Ausmaß soziale Dynamiken, Intersektionalität und Perspektiven der Differenz innerhalb von institutionellen Strukturen verhandelt werden. Sadiqs Ausstellungsprojekte schaffen häufig szenografische Räume mit installativen Arbeiten, die ein sozial-situatives Bewusstsein für die unmittelbaren institutionellen Zusammenhänge aktivieren. Die Künstlerin entwickelt Mechanismen und Plattformen, die die Aufmerksamkeit der Besucher*innen auf die jeweilige soziale Umgebung mit ihren Menschen, deren Verhalten und den Interaktionen zwischen ihnen lenken. Sadiq interessiert dabei, wie sich an diesen Orten künstlerischer Produktion und Rezeption interaktive, divergierende und konvergierende gelebte Beziehungen entwickeln. Die von Sadiq geschaffenen szenografischen Räume ringen dabei mit grundlegenden Herausforderungen sozialer Verbundenheit, indem sie beispielsweise anerkennen, dass Offenlegung und Austausch zwar Ziele von Kunstinstitutionen sind, aber innerhalb von institutionellen Strukturen angegangen werden, die diese Ziele allzu häufig unterlaufen. Sadiq prägt den Planungs- und Konstruktionsprozess sowie die Nutzung der von ihr in Institutionen geschaffenen Räume und nimmt in der Kommunikation mit Vertreter*innen und eingeladenen Partner*innen der gastgebenden Institutionen manchmal die aktive Rolle einer Mediatorin ein. Sie arbeitet als Gesprächspartnerin, die andere Gesprächspartner*innen sucht und Verbündete einlädt, um die Abhängigkeiten, Gegenseitigkeiten, Unterschiede und Hierarchien innerhalb der Institutionen, in denen sie arbeitet, zu untersuchen. Indem sie diese höchst riskante Rolle der internen Mediation während des Produktionsprozesses ihrer eigenen Ausstellungsprojekte einnimmt, besetzt sie eine Position kritischer Ambåivalenz, die anerkennt, dass und wie Institutionen, deren Intention es ist, öffentlich zugängliche und ermöglichende Orte zu sein, intern fast immer mit Aufschiebungen und Verhinderungen operieren.
Anike Joyce Sadiqs erste große Einzelausstellung in Stuttgart Mit Glück hat es nichts zu tun zeigt neue Arbeiten, die die Untersuchungen der Künstlerin von komplexen sozialen Dynamiken mit Hilfe vermittelter Räume fortsetzen, die die Wahrnehmung von Unterschieden ins Zentrum stellen. Sadiqs Ausstellung am Künstlerhaus Stuttgart umfasst mehrere miteinander verbundene und innerhalb einer raumgreifenden Installation gezeigte Arbeiten. Sadiq hat einen Fragebogen entwickelt, der sich an alle Vereinsmitglieder des Künstlerhaus Stuttgart richtet. Der Multiple-Choice-Fragebogen selbst sowie die Antworten sind in den Ausstellungsräumen zu sehen. Über die Ausstellung der Künstlerin in Stuttgart hinaus werden der Fragebogen und die Umfrageergebnisse zudem dauerhaft auf einer öffentlich zugänglichen Online-Plattform aufbewahrt. Außerdem verteilt Sadiq den Fragebogen an weitere Kunstinstitutionen weltweit und aktualisiert die Spracheinstellungen sowie weitere Features der Webseite, um die Zugänglichkeit der Plattform auch im Laufe ihrer Weiterverbreitung zu garantieren. Während der Fragebogen den Status Quo der demografischen Zusammensetzung des Künstlerhaus Stuttgart unter anderem anhand der Verhältnisse von „Rasse“, Klasse und sozialer Herkunft sowie Geschlecht widerspiegelt, hat Sadiq eine raumgreifende Installation geschaffen, innerhalb der kritisch-reflexive Diskussionen über das Zukunftspotenzial der Institution entstehen können. Zu diesem Zweck hat Sadiq ein Gerüstsystem umfunktioniert, das mögliche Beziehungen und bedingende Infrastrukturen hervorhebt. Vor diesem Hintergrund hat Sadiq die halb-autonome, mit dem Künstlerhaus Stuttgart assoziierte Plattform Viertes Organ dazu eingeladen, ihre monatlichen Treffen innerhalb dieser umfassenden Struktur abzuhalten. Seit der Gründung der Plattform im Jahr 2020 zu Beginn der Pandemie und der jüngsten Bewegungen für soziale Gerechtigkeit, hat Sadiq regelmäßig an den Treffen des Vierten Organs teilgenommen. Das Vierte Organ soll einen offenen inklusiven Zwischenraum innerhalb des Künstlerhaus Stuttgart schaffen, in dem Individuen oder Gruppen ihre Interessen bezüglich der Institution äußern können. Das Vierte Organ ist jedoch nicht nur ein Raum dafür, offene Vorschläge zu formulieren oder eine Politik des Protests zu leben. Die monatlichen Treffen dienen vielmehr einem sehr spezifischen Zweck, nämlich der Entwicklung formaler Anträge, über die während der jährlichen Mitgliederversammlung abgestimmt wird. Sadiq zufolge entspricht die Porosität des Vierten Organs ihren eigenen künstlerischen Interessen, kontroversen sozialen Dynamiken und sich widersprechenden Positionen innerhalb von Kunstinstitutionen einen Raum zu geben. Weil Vorstands-, Verwaltungs-, Vereins- und Nicht-Mitglieder gleichermaßen an den Treffen des Vierten Organs teilnehmen können, stellen die während der Treffen gegenwärtigen Autoritätsdynamiken die Sicherheit und Diskretion dieser Treffen auf die Probe. Die abschließende Arbeit in Sadiqs Ausstellung ist der Text eines Interviews, das die Künstlerin mit der Schriftstellerin Andrea Scrima geführt hat, und das ihre Arbeitserfahrungen in und mit Kunstinstitutionen reflektiert. Ein besonderer fallstudienähnlicher Fokus liegt dabei auf der Villa Romana, einer deutschen Kunstinstitution, die ein Residenzprogramm in Florenz, Italien, sowie ein dazugehöriges Ausstellungs- und öffentliches Begleitprogramm organisiert. Sadiqs und Scrimas äußerst offener, in der ersten Person erzählter Bericht belegt dabei ihre erfahrungsbasierte Erforschung institutioneller Verhaltensweisen allgemein, und zoomt gleichzeitig in die besonders belasteten sozio-ökonomischen Bedingungen und Gegebenheiten der Villa Romana hinein.
Veranstaltungstermine:
21.05.2022 (20 Uhr)
Ortsspezifische Sound-Performance von Judith Hamann in der Ausstellungsinstallation
10.06.2022 (18.30 Uhr)
Diskussion mit Anike Joyce Sadiq, Simone Frangi, Justin Randolph Thompson, Lucrezia Cipitelli, Alessandra Ferrini und Andrea Scrima in der Villa Romana, in Florenz, Italien
04.06. & 04.07. & 04.08. (19 Uhr) & 04.09. (14-18 Uhr)
Viertes Organ Treffen: Offen für alle Mitglieder und jene, die es vielleicht werden möchten. Für Initiativen, Kritik und Visionen, ein Diskursraum zwischen künstlerischer und institutioneller Praxis.
19.06.2022 (15 Uhr)
Öffentliche Ausstellungsführung im Künstlerhaus Stuttgart mit Eric Golo Stone, Künstlerischer Leiter des Künstlerhaus Stuttgart
Mi/Do/Fr/Sa/So (12-18 Uhr)
Künstlerhaus Vermittler*innen führen öffentliche Diskussionen in der Ausstellung
[1] Entsprechend der Struktur eines Kunstvereins fußen auch die Strukturen des Künstlerhaus Stuttgart auf den rechtlichen und ökonomischen Grundlagen des deutschen Vereinsrechts. Das Künstlerhaus Stuttgart zählt aktuell über 500 Mitglieder.
[2] Für jede einzelne in der Ausstellung gezeigte Arbeit setzt sich Sadiq mit der komplexen chaotischen Arbeit des Analysierens, der Verkörperung und der Durchsetzung institutioneller Strukturen aus- einander. Die mit Institutionsanalyse und -kritik verbundene Arbeit wird häufig damit abgetan, von der jeweiligen Institution eingenommen und neutralisiert zu werden, doch diese abschätzige Darstellung institutioneller Arbeit wird der nicht sichtbaren, von Künstler*innen und ihren Kolla- borateur*innen hart erkämpften Mühen und Ergebnisse nicht gerecht. Es darf nicht vergessen werden, dass es bei der Konfrontation institutioneller Strukturen durch künstlerische Positionen reale Grenzen gibt, wenn zum Beispiel künstlerische Projekte abgesagt oder die Vertreter*innen der Institution, die mit den Künstler*innen zusammenarbeiten, entlassen werden.
Mit Glück hat es nichts zu tun im Künstlerhaus Stuttgart wurde in Zusammenarbeit mit Anike Joyce Sadiqs gleichzeitiger Präsentation ihrer Arbeiten “You never Look at Me from the Place form which I See You” (2015), “Papierstück” (2014) und “Berührung” (2008) in der ständigen Sammlung des Kunstmuseum Stuttgart organisiert.
Realisiert mit öffentlichen Geldern der Stadt Stuttgart
Mit großzügiger Unterstützung der Stiftung Kunstfonds
In Zusammenarbeit mit der Akademie Schloss Solitude
In den letzten zehn Jahren ist Bea Schlingelhoff vor allem aufgrund ihrer situationsspezifischen Ausstellungsprojekte bekannt geworden, die sie als Reaktion auf die spezifischen sozialen Gegebenheiten vor Ort produziert und damit die Fähigkeit der jeweiligen Institution auf die Probe stellt, sich zu exponieren. Schlingelhoffs Ausstellungen initiieren oder beschleunigen dabei einen internen Reflexionsprozess des Aufdeckens, Enthüllens und Reparierens historischer Traumata, die im unmittelbaren Kontext der ausstellenden und sie beauftragenden Institution gegenwärtig sind. Indem Schlingelhoff ihrerseits die Vertreter*innen der Institution mit dieser hinter-den-Kulissen-Arbeit des konfrontativen Exponierens und Schaffens ausgleichender Gerechtigkeit beauftragt, bezieht sie selbst künstlerische Position — es ist ein Weg, wie sie als Künstlerin mit Kurzzeit-Honorarvertrag eine sichere Distanz zu den zutiefst unsicheren sozialen Gegebenheiten zu wahren sucht, die sich in allen Institutionen und vor allem in denjenigen Institutionen wiederfinden, die sich im Wandel befinden und vorgeben, sich für strukturelle Veränderungen einzusetzen. Davon ausgehend, dass das Aufwühlen des belasteten Gedächtnisses und Erbes der Institution und damit auch ihrer Identität eine reale Gefahr in sich birgt, fordert Schlingelhoff Vertreter*innen der Institution dazu auf, sich diesem Stresstest zu unterziehen. Auf diese Weise vermessen die Ausstellungen der Künstlerin konsequent institutionelle Verantwortung, indem sie danach fragen, welche Befugnis und Kapazität Vertreter*innen einer erschütternden Institution haben, sie in deren Namen zu verantworten.
Die Ausstellung Declined Declinations von Bea Schlingelhoff schlägt eine rechtliche Änderung des Institutionsnamens „Künstlerhaus Stuttgart“ vor. Im Verlauf eines mehrmonatigen Prozesses, der im Juli 2020 mit einem ersten Besuch vor Ort begann, hat die Künstlerin Anträge zur Änderung des im generischen Maskulinum formulierten und nicht gegenderten Namens des Hauses — „Künstlerhaus“ — sowie der in der Satzung verwendeten Sprache, die diese geschlechtsspezifische Tendenz ihrerseits widerspiegelt, vorbereitet und eingereicht. Das Künstlerhaus Stuttgart wurde 1978 als Ort gegründet, in dessen Räumlichkeiten Künstler*innen arbeiten und gleichzeitig die ortsspezifischen Produktionsbedingungen diskutieren, weiterentwickeln und neu definieren. Sein institutioneller Zusammenhang ist strukturell dafür ausgestattet, seine Verwaltungsstrukturen und politische Gestaltung aus der Perspektive von Kunstschaffenden neu zu bewerten. Der Institutionsname verkörpert dabei diesen Fokus auf vor Ort arbeitende Künstler*innen, die nicht außerhalb der Institution stehen, sondern Teil von ihr sind. Im deutschsprachigen Raum ist Künstlerhaus als kategorischer Name von Kunstinstitutionen, die Künstler*innen Produktionsstätten zur Verfügung stellen und Residenz-Programme anbieten, weit verbreitet und beispielsweise auch im Künstlerhaus Bremen, Künstlerhaus Dortmund, Künstlerhaus Bethanien usw. zu finden. Entsprechend der Struktur eines Kunstvereins fußen auch die Strukturen des Künstlerhaus Stuttgart auf den rechtlichen und ökonomischen Grundlagen des deutschen Vereinsrechts. Seine Satzung legt zudem das Wahlrecht der Vereinsmitglieder bei der Verwaltung der Institution fest. Die Mitglieder des Künstlerhaus Stuttgart sind mit großer Mehrheit Künstler*innen, die den erforderlichen jährlichen Mitgliedsbeitrag in Höhe von 25 Euro bezahlen. Abseits dieses jährlichen Mitgliedsbeitrags gibt es keinerlei weiteren Bedingungen für eine Mitgliedschaft. Unmittelbar nachdem eine Person die Mitgliedschaft erworben hat, kann sie Anträge einreichen, über die die Mitglieder abstimmen. Diese Abstimmungen der Mitglieder des Künstlerhaus Stuttgart erfolgen während der Mitgliederversammlung — ein gesetzlich vorgeschriebenes Organ. Jeder Verein muss entsprechend der in seiner Satzung festgelegten Abstände eine (Jahres-)Mitgliederversammlung abhalten. Während dieser Versammlung können die Mitglieder den Vorstand wählen, über Beschlüsse entscheiden und über Satzungsänderungen abstimmen. Folglich besetzen Künstler*innen Positionen, die die institutionellen Verwaltungsstrukturen eng mit den unmittelbaren Produktionsbedingungen am Künstlerhaus Stuttgart verknüpfen. Künstlerische Positionen und künstlerische Kriterien — im Gegensatz zu rein bürokratischen Positionen und technokratischen Kriterien — sind damit zentral für die administrative Arbeit der strukturellen Verwaltung. Und indem Künstler*innen Hauptakteur*innen im Zuge von Verwaltungsentscheidungen sind, fordert das Künstlerhaus Stuttgart die gängige Erwartung heraus, künstlerische Arbeit solle lediglich inhaltlicher Natur sein.
2021 wurde Schlingelhoff Mitglied des Künstlerhaus Stuttgart und reichte zwei formale Anträge ein, über die im November desselben Jahres bei der Mitgliederversammlung abgestimmt wurde. Im ersten Antrag wurde eine Namensänderung von Künstlerhaus Stuttgart zu Künstlerinnenhaus Stuttgart gefordert. Dieser Antrag wurde mit 10 Dafür-Stimmen, 15 Gegenstimmen und 8 Enthaltungen abgelehnt. Im zweiten Antrag wurde gefordert, jegliche Verwendung des generischen Maskulinums in der Satzung in generisches Femininum zu ändern. Dieser Antrag wurde mit 7 Dafür-Stimmen, 19 Gegenstimmen und 4 Enthaltungen abgelehnt. Es gab drei gemeinhin genannte Gründe für die Ablehnung, die Schlingelhoff von weiteren Mitgliedern und anderen Vertreter*innen der Institution kommuniziert wurden. Zunächst hätten die Mitglieder und Verwaltung der Institution mehr Zeit benötigt, um sich mit den mit der Namensänderung zusammenhängenden politischen Geboten und praktischen Implikationen vertraut zu machen, sich darüber zu informieren und einzulesen. Weiter wurde angemerkt, Schlingelhoffs Namensänderungsvorschlag sei reduktiv gewesen, weil nur ein Mitglied eine einzige Namensoption vorgeschlagen habe (dieses Argument wurde zum Teil dahingehend ausgeführt, dass ein*e Künstler*in, die gerade erst Mitglied der Institution geworden sei, keine strukturellen Veränderungen vorschlagen und diese gleichzeitig als Material für eine Ausstellung der eigenen Arbeit verwenden solle). Schließlich wurde gesagt, eine Änderung des Institutionsnamens sowie der in der Satzung verwendeten Sprache sei im Zusammenhang mit geschlechterpolitischen Debatten und der allgemeinen politischen Lage eine verhältnismäßig triviale Angelegenheit.
Für Schlingelhoff war die Antwort auf letzteres Argument bezüglich der verhältnismäßigen Trivialität von Sprache offensichtlich. Gesellschaftliche Strukturen hängen notwendigerweise mit denen der Sprache zusammen. Die durch Sprache hervorgerufenen Verzerrungen und Ausklammerungen werden ab dem frühsten Alter über den Verlauf des Lebens kontinuierlich jeden Tag geprägt und internalisiert. Den geschlechtsspezifischen und rassifizierten Charakter vieler Sprachregeln zu enthüllen und die bei der Analyse des Sprachgebrauchs gängigen Normen aus feministischer Perspektive aufzurütteln, hat sich in diesem Zusammenhang als äußerst wichtig erwiesen. Die verschiedenen Argumente zur Beibehaltung maskuliner oder generischer Formen und Formulierungen sind unterdessen detailliert dokumentiert, erläutert und analysiert worden.[1] Zudem steckt in der vehementen Ablehnung einer für trivial befunden Sache ein merkwürdiger Widerspruch. Als Reaktion auf die anderen vorgebrachten Argumente hat Schlingelhoff neue Anträge vorbereitet und eingereicht, über die bei der Mitgliederversammlung im März 2022 abgestimmt werden sollte. Schlingelhoff reichte neun Anträge ein, die je eine Option für einen Institutionsnamen beinhalteten. Diese neun Namensvorschläge stammten aus öffentlich zugänglichen deutschsprachigen Veröffentlichungsrichtlinien zur gendergerechten Formulierung des Ausdrucks „Künstlerhaus“. Schlingelhoff wollte sichergehen, so viele Varianten wie möglich zu berücksichtigen und dabei nah bei den gängigsten Richtlinien für genderneutrale Sprache und Unterrichtsmaterialien zu Geschlechtervielfalt zu bleiben (in Deutschland gibt es bisher noch keine einheitliche Richtlinie zu genderneutralen Publikationsstandards). Die einzige Bedingung, die Schlingelhoff zugrunde legte, war, dass die Optionen geschlechterpolitischer Konfrontation nicht aus dem Weg gehen durften (was beispielsweise bei „Kunsthaus Stuttgart“ der Fall gewesen wäre). Die neun vorgeschlagenen Namen waren die folgenden: 1.) Künstlerinnenhaus (generisches Femininum), 2.) Künstler/-innenhaus (Schrägstrich mit Ergänzungsstrich), 3.) KünstlerInnenhaus (Binnen-I), 4.) Künstler:innenhaus (Doppelpunkt), 5.) Künstler*innenhaus (Genderstern), 6.) Künstler_innenhaus (Gendergap), 7.) Künstler•innenhaus (Mediopunkt), 8.) KünstlXhaus (X-Endung), 9.) Künstlerinnen- und Künstlerhaus (vollständige Beidnennung).[2] Während es keine abschließende oder feststehende Vereinbarung hierzu gibt, ist jede dieser unterschiedlichen in den Namensvorschlägen verwendeten typografischen Konventionen im deutschen Publikationskontext dafür anerkannt, den der deutschen Sprache inhärenten grammatikalischen Gender-Bias bewusst aufzubrechen.[3]
Am 17. März dieses Jahres — 2022 — standen die neun Anträge und die 15 neun begleitenden Anträge zur Änderung der in der Satzung verwendeten Sprache entsprechend der mit den Anträgen unterbreiteten Namensvorschläge während der Mitgliederversammlung zur Wahl. Diese Anträge waren mehrere Wochen vor der Mitgliederversammlung eingereicht worden, damit sie fristgerecht zwei Wochen vor der Mitgliederversammlung an alle Mitglieder verschickt werden konnten. Zuvor waren bereits vorbereitende Treffen organisiert worden, um den Mitgliedern eine Möglichkeit anzubieten, über die Änderung des Institutionsnamens und die Satzungsänderung zu diskutieren. Darüber hinaus hat Schlingelhoff am Vortag der Mitgliederversammlung eine Informationsveranstaltung für die Mitglieder abgehalten. Am Tag der Mitgliederversammlung, unmittelbar vor der Abstimmung über die neun Änderungsanträge, machte ein Mitglied von dem Recht Gebrauch, einen außerordentlichen Antrag ohne vorherige Ankündigung zu stellen — ein Ordnungspunkt, der nicht entsprechend der sonst für die Zulassung 30 von Anträgen auf die Agenda der Mitgliederversammlung erforderlichen Prozesse mehrere Wochen zuvor eingereicht werden musste. Dieses Mitglied stellte folgende Frage zur Abstimmung: „Soll die Abstimmung über die Anträge zur Satzungsänderung zur Änderung des Institutions- namens Künstlerhaus Stuttgart heute stattfinden?“ Das Wahlergebnis zu diesem von dem Mitglied eingebrachten Ordnungspunkt lautete wie folgt: 15 Dafür-Stimmen, 26 Gegenstimmen und 5 Enthaltungen.[4] Als Konsequenz aus dieser unvorhergesehenen Verhinderung der Abstimmung über die neun Anträge zur Änderung des Institutionsnamens zog Schlingelhoff die neun Anträge zur entsprechenden Satzungsänderung zurück. Es ist erwähnenswert, dass die Beanspruchung des eigenen Rechts, um schon das Stattfinden einer geplanten Wahl zu verhindern, eine langewährende Tradition in der Geschichte der Unterdrückung hat.
Veranstaltungstermine:
19.06.2022 (15 Uhr)
Öffentliche Ausstellungsführung im Künstlerhaus Stuttgart mit Eric Golo Stone, Künstlerischer Leiter des Künstlerhaus Stuttgart
Mi/Do/Fr/Sa/So (12-18 Uhr)
Künstlerhaus Vermittler*innen führen öffentliche Diskussionen in der Ausstellung
[1] Frauenfeindlichkeit, die sich bewusst und unbewusst gegen Sprachbewegungen richtet und diese verhöhnt, besteht bereits seit Jahrhunderten. Ihr unterliegende Argumente wurden detailliert analysiert und lassen sich wie folgt unterteilen: „(1) ‚kulturell übergreifende‘ Argumente, Argumente wie (2) ‚Sprache ist eine triviale Angelegenheit‘, (3) ‚Meinungsfreiheit / ungerechtfertigter Zwang‘, (4) ‚Es gibt keine sexistische Sprache‘, (5) ‚Begriffsetymologie‘, (6) ‚Autoritätshörigkeit‘, (7) ‚Veränderung ist zu schwierig, ungelegen, unpraktisch oder was auch immer‘, und (8) ‚Das würde die historische Authentizität und literarische Arbeit zerstören‘.“ Obwohl sie so eine „triviale Angelegenheit” darstellen, haben die Bemühungen gegen Sprach-Bias sowohl von der Wissenschaft als auch medial erstaunlich viel Aufmerksamkeit erhalten und unverhältnismäßig viel Widerstand gegenüber Veränderung erfahren. Maija S. Blaubergs, „An analysis of classic arguments against changing sexist language“, [Eine Analyse klassischer Argumente gegen die Veränderung sexistischer Sprache] Women‘s Studies International Quarterly, Vol. 3(2–3), 1980, S. 135–147.
[2] Schlingelhoffs Ausstellungsprojekt knüpft damit an die langjährigen und anhaltenden Diskussionen über die Mängel der deutschen Sprache bezüglich Geschlechterpolitik und Identität an. Die Ausbildung von Identitäten und die Entwicklung einer Sprache, mit der diese Identitäten vollständig anerkannt werden, sind ein wichtiger Prozess, der nicht fixiert ist und sich weiterentwickelt. Angesichts dieses Prozesses und der damit zusammenhängenden Veränderungen ist es wichtig zu betonen, dass Schlingelhoff sich strikt gegen jegliches Projekt wendet, in dem sich als weiblich identifizierende Individuen oder Gruppen gegen gender-fluide oder nicht gender-konforme Individuen oder Gruppen ausgespielt werden. Diese Erfahrungen gegeneinander auszuspielen bedeutet, die Politik der Differenz zu neutralisieren und damit letztlich den patriarchalen Status Quo aufrechtzuerhalten.
[3] Im deutschsprachigen Raum existiert eine Vielzahl an Ressourcen zu typografischen Konventionen, genderneutraler Sprache und Publikationsrichtlinien sowie Unterrichtsmaterial zu Geschlechtervielfalt. Einige Beispiele sind: Steinhauer, Anja und Diewald, Gabriele, „Richtig gendern: Wie Sie angemessen und verständlich schreiben.“ Berlin: Bibliographisches Institut Duden (2017); Abbt, Christine und Kammasch, Tim, „Punkt, Punkt, Komma, Strich?: Geste, Gestalt und Bedeutung philosophischer Zeichensetzung“, Edition Moderne Postmoderne, Bielefeld (2009). Für englischsprachige Leser*innen gibt es folgendes Beispiel: Leue, Elisabeth (2000). „Gender And Language In Germany”, Debatte: Journal of Contemporary Central and Eastern Europe, 8 (2): 163–176. Selbstverständlich gibt es auch vergleichbare Forschung zu anderen Sprachen und Publikationskontexten. Der Begriff „Latinx“ wird verwendet, um die der spanischen Grammatik inhärente Binarität aufzubrechen (das genderneutrale Suffix -x ersetzt dabei die Endung -o oder -a des grammatikalischen Geschlechts von Latino und Latina im Spanischen).
[4] Dieser Ordnungspunkt und das Wahlergebnis (sowie alle numerischen Angaben zu den Mitgliederversammlungen, auf die in diesem Text verwiesen wird) sind dem offiziellen Versammlungsprotokoll entnommen. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass die Protokolle aller in Deutschland eingetragenen Kunstvereine öffentlich zugänglich sind.
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Mit großzügiger Unterstützung der
Stiftung Kunstfonds NEUSTART KULTUR